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	<title>WIENER &#187; Heidi List</title>
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		<title>Die gibt&#8217;s</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Oct 2011 12:55:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi List</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/10/list_schild.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-28060" title="list_schild" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/10/list_schild-300x252.jpg" alt="" width="300" height="252" /></a>Herbst. Ich bin in Panik.</strong> Ein weiterer einsamer Winter in der Wohnung  droht. Der Winter ist ja prokrastiniererbereinigt. Weil die können  nicht raus. So wie ich. Müsste ja nicht sein, wenn ich so wäre wie die  anderen. Man hört ja von denen, die gibt‘s ja in echt. Die, die sich im  Oktober, manche ganz arge eh‘ erst dann im November, dann aber wirklich,  puh, na puh, schon den Winterreifenwechseltermin ausmachen. Und dann  dort in den Werkstätten einreiten zu einem Zeitpunkt, wo man noch nett  mit Kaffee empfangen wird, weil eh‘ nichts los ist. Oder die, die ihre  sorgsam eingemotteten Wintersachen im Herbst wieder rausholen, so auch  die einzigen warmen Stiefel, die aber seit zwei Saisonen einen kaputten  Absatz haben. Da zieht‘s jetzt kalt durch, von unten, Lammfelleinlagen  hin oder her.</p>
<p>Nein, die sind wirklich nicht so wie ich, die draufkommt, dass die  Winterreifen den ganzen Sommer über eigentlich gar nicht unten waren,  was total unöko ist. Und somit sind die Dinger abgefahren bis aufs  Gummiskelett. Das heisst, es müssen neue angeschafft werden. Wann soll  man das bitte tun, es ist ja dauernd was. Dauernd ist was. Ausserdem wo  kauft man Reifen? Na, dann halt zu Fuss. Achso, geht auch nicht, die  Stiefel! Da müsste ein Schuster ran und diesen einen flatternden Absatz  wieder drannageln. Sonst man hat innerhalb von Minuten nasses Eisbein.  Aber wann soll man das dann bitte auch noch tun, weil es ist ja  tatsächlich dauernd was.</p>
<p>Irgendwann kommt der Tag der Läuterung. Es ist, witzig, der Tag, an  dem der erste Schnee fällt. Da reisst man sich zusammen und hastet  frierend zum Auto, um dann auf den glatzigen Reifen in die Werkstatt zu  rutschen. Dort steht schon eine Riesensschlange wild Gestikulierender.  Und ein paar zornige Mitarbeiter, die es nicht packen, wie viele  Ignoranten es gibt, die jetzt erst daherkommen, es aber dann besonders  eilig haben. Wir winken mit extra Euroscheinen, damit wir schneller  drankommen. Ist denen wurscht. Ich kriege mein Sonderfett ab, wieso zum  Geier ich glaube, dass diese Reifen auf Lager sind, es fahren ja nicht  alle die gleiche Gurke wie ich. Dauert zwei Wochen, leider. Jetzt  bestellen ja alle. Jetzt, wo schon Schnee liegt.</p>
<p>Traurig rutscht man wieder nach Hause. Versucht sein Glück beim  Schuster. Auch dort ist eine Schlange, man trifft sogar manche der  Loserkollegen von vorher an der Werkstatt wieder. Der Schuster ist  pragmatisch. Macht hämisch grinsend Termine. Die Auftragslage gestattet  einen reparierten Stiefel erst nach Weihnachten. Nein, andere könnte ich  derweil nicht beziehen, sie wären ausverkauft, vor allem in der ödesten  Grösse der Welt: 39. Schade, tschüss.</p>
<p>Neue Schuhe kriegt man auch sonst nirgendwo her, wie denn, ohne Stiefel oder ohne Auto?</p>
<p>Enttäuscht zittert man nach Hause. Bestellt Bücher über  Aufschieberitis bei Amazon. Nein, keine Winterschuhe, das wäre  unsportlich. Und so viel katholische Prägung und daher Strafe muss sein.  Man setzt sich ans Wohnzimmerfenster und sieht den anderen beim Leben  im Winter in freier Wildbahn zu. Wie sie unter sich bleiben. Denn sie  können in ihren warmen Schuhen das Haus verlassen, in warme Wintermäntel  verpackt in ihre Autos steigen und sicher winterbereift  zueinanderfahren. Ich kriege von denen aber bis April nichts mit. So  lange kann ich jetzt nämlich nicht ausser Haus.</p>
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		<title>An der Tankstelle</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Sep 2011 06:00:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi List</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/09/list_schild.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-27420" title="list_schild" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/09/list_schild-300x252.jpg" alt="" width="300" height="252" /></a><strong>Sommerzeit war auch für mich Reisezeit.</strong> Diesmal mehr und länger, als  mir lieb war. Ich könnte jetzt versucht sein, meine Eindrücke von langen  Autoreisen mit Dreijährigen zu verarbeiten. Solche bei Hitze ohne  Klimaanlage und Stau auf der elenden Westautobahn, die immer, immer und  zwar dauernd Baustelle ist, jahrelang, jahrzehntelang. Und keiner kann  mir erklären, warum, irgendwann muss die doch gut sein und befahrbar und  dreispurig und mit einem Bodenbelag, der mehr als zwei Frostnächte und 5  Autos aushält ohne wieder so bröckeln! Und diese bodenlos provokanten  Smileyschilder, die je nach Laune die noch zu fristenden Kilometer  ankündigen. Wäre ich Graffitikünstlerin, hätte ich sie schon längst mit  massiv erigierten Mittelfingern übersprayt. „Staut‘s ihr nur, ihr  Seppeln, zahlen tut‘s den Zustand eh‘ auch!“ Mach ich aber nicht. Ich  will das alles verdrängen und vergessen. Forever.</p>
<p>Lieber teile ich jetzt die Ergebnisse meiner empirischen  Tankstellensozialstudie dieser Saison mit. Was haben wir da? Die  Pächter, meist bemüht. Mit zwei oder drei leidenden Angestellten. Huscht  man durch den Shop, gleich zur Toilette, wird man von Blicken  aufgespiesst und steht als Häuselschmarotzer da. Okay, dann tankt man  halt vorher, mit voller Blase. Geht durch den Shop, mit platzender  Blase. Bezahlt den Kram, den man wollte oder auch der einem von kleinen  Mitreisenden abgeschwatzt wurde, wie z.B. eine Hello-Kitty Schneekugel  oder ein Dinosauriermegafuneis mit Kaugummisockel. Alles aus einem  Material, das spätestens bei Kilometer 4 nach Kaufort zersprungen ist  oder den Geschmack verloren hat.</p>
<p>Dann traut man sich auf die Toilette. Meist geht der Weg vorbei an  die Have-a-break or Coffee-to go Bar. Alles englisch auf einmal an den  Autobahntankstellen, alles starbucksig, alles urehip. Hier hängen dann  auch tatsächlich Stammgäste ab. Drei, vier Männer aus der Umgebung,  mittleren Alters. Manchmal ist auch eine Frau dabei, die hat immer eine  rauchige Stimme von den 30 Jahre/60 Tschick am Tag. Und die glotzen. Und  reden etwas in einem Dialekt, den man nicht versteht, auch wenn man  sogar ursprünglich aus der Gegend ist. Ich tippe daher auf eine  internationale Tankstellenjargon, der sich einem erst erschliesst, wenn  man selber Stammgast wird. Hat sich bei mir aber noch nicht ergeben, das  Hobby.</p>
<p>Wieso genau aber glotzen die? Man ist weder hochhackig noch  sandlermässig unterwegs, sondern im unauffälligen Reiseschlurfdesign. Es  handelt sich auch nicht um einen Bergbauernhof, sondern eine  Autobahnraststätte, also da sind eigentlich schon Menschen, die müssten  das gewöhnt sein. Und wenn man aus dem Klo zurückkommt glotzen die noch  immer. Sagen dann oft nichts mehr. Wenn ich nicht mit mir selber so  stimmig wäre, hätte ich denken können, es wäre meine Nase. Aber die ist  es wohl nicht. Keine Ahnung, keine Erklärung. Aber auf Tankstellen wird  wirklich übermässig geglotzt.</p>
<p>Naja. Und dann ist mir letztens beim Rausgehen auf die Strasse  aufgefallen, dass ich ein Stück Klopapier am Fuss mitschliff. Ein  langes, 4 Blatt, locker. Und weil immer geglotzt wurde, muss ich davon  ausgehen, dass ich bei jeden Tankstellen-mit-Klo-Besuch Klopapier am  Schuh hatte. Und eine weltweite Berühmtheit bin. The Toiletpaperlady.  Wahrscheinlich gibt es schon Facebookforen mit Fotos von mir. Papier am  Schuh in Lindau. Papier am Schuh in Ancona. Papier am Schuh in Lofer.  Suche jetzt diesbezüglich spezialisierte psychologische Betreuung.  Hinweise unter „Oft host a Pech“ bitte an den Verlag. Danke.</p>
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		<title>Like A Virgin</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Aug 2011 14:12:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi List</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/08/list_schild.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-25855" title="list_schild" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/08/list_schild-300x252.jpg" alt="" width="300" height="252" /></a><strong>Letztens bin ich ausgetickt.</strong> Also so richtig. Da wurde mir von dem Mobilfunkanbieter mitgeteilt, dass man ausgerechnet in meinem brandneuen Garten weder telefonieren noch eine Internetsituation herstellen kann. Gar nicht und gar keine.</p>
<p><strong>Jetzt habe ich aber den Garten</strong> genommen, um eine Schweinekohle übrigens, um dort mit dem Laptop auf dem Schoß im Gras zu sitzen, über die Hügel bis in die Stadt zu schauen und Weltliteratur zu schreiben, echte und wichtige übrigens. Wer kann das denn ohne Internet tun? Und ohne Handyempfang? Außerdem: Geht’s noch? Der Garten liegt zwar im Grenzbereich, aber doch in einer Millionenhauptstadt. Auf der ganzen Welt telefonieren sie überall und dauernd, am Berg, im U-Boot und sogar außerhalb, im All. Und ich habe ausgerechnet diesen einen Spot Erde ausgefasst, wo man im Zeitvakuum festsitzt, abgeschnitten von allem. Und dann sagt mir dann noch der Techniker des Netzbetreibers beim Lokalaugenschein: „Genießen Sie es. Hier können Sie leben wie in den Achtzigern.“</p>
<p><strong>Und da bin ich dann ausgetickt.</strong> „Will ich nicht!“, habe ich gebrüllt. „Will keinen Ballonrockgarten, Karottenhosengarten, Unrasierte-Achseln-Garten, Kajagoogoo-Garten, Schule-sitzenbleiben-Garten, diesen Ort, der mich in die gruselige Pubertät zurückzwingt und mich vielleicht sogar noch mal hinterm Haus Zigaretten rauchen üben lässt. Like a virgin. Scheiße!“ War ihm aber wurscht, dem Techniker, mein Gezeter.</p>
<p><strong>Zurück in der Stadt</strong> setzte ich mich in einen Schanigarten und zelebrierte meine Bedürfnisse. Facebookte, mailte, telefonierte – und chattete daneben. Mit frisch gekicktem Suchtzentrum lehnte ich mich zurück und schaute ein bisserl. Der Tischnachbar spielte ein wenig am Tablet-PC, wahrscheinlich neu, sichtlich spaßig. Die Radfahrerin schnatterte laut in ihr Headset. Eine Mutter telefonierte und winkte, ihr Kind kam auf sie zu, telefonierend und winkend. Autos fuhren vorbei, deren Fahrer vor sich hinbrabbelten, in kleine Mikrofone hinein. Teenager mit gigantischen Kopfhörern zogen vorbei und spielten jeder für sich an den Handys herum. Hm, Ich begann mich unwohl zu fühlen. Ist da irgendwer, der mit wem redet? Nein. Nein, niemand. Was ist denn passiert? Alle spinnen. Leute, die sich beim Essen simsen: „Schmeckt’s dir, Schatz?“ Affären, die auf Facebook beginnen, per Chat aufgegeilt und per SMS beendet werden. Ohne jemals erfahren zu haben, wie der andere zum Beispiel riecht. Kein direktes Ansprechen, Lieben, Verlassen mehr? Alles gefiltert, nichts mehr ganz echt? Ah ja, das kenn ich gut, als Tirolerin, das ist Religion. Und das iPhone ist eine Monstranz.</p>
<p><strong>Und dann fuhr ich dort hinauf in meinen Garten</strong> und schrieb was Nettes, da im Gras. War versöhnt. Der Goethe hat sich den Faust ja auch nicht zusammengegoogelt. Eben. Dann kamen Freunde und wir haben gegrillt. Die Kinder sind herumgekugelt und hatten grüne Knie. Dann wurde geredet, nichts Wichtiges. Kein Handy hat geklingelt. Guter Garten, mein neuer Garten, dachte ich. Liegt auch günstig. Like a virgin.</p>
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		<title>Straßenmampf</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Jun 2011 06:00:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi List</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/06/list_schild.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-23849" title="list_schild" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/06/list_schild-300x252.jpg" alt="" width="300" height="252" /></a><strong>&#8220;Man isst nicht auf der Straße!&#8221;</strong> Erinnert sich eigentlich noch jemand daran? Also mir wurde das noch gesagt. Bin auch extrem gut erzogen. Und es kostete mich immense Kraft, sich dem zu widersetzen. Aber so viel Punk war ich, dass ich gelernt habe, beinhart die Käsekrainer dort zu verspeisen, wo ich sie gekauft habe. Da lass ich mir nichts mehr erzählen. Kaugummi wird auch gekaut, schmatzend, wenn ich gut drauf bin, mitten in der freien Wildbahn. Und ich lasse diesbezüglich auch niemanden meinem Kind was sagen. Schon gar nicht, wenn es völlig zu Recht und daher vorsätzlich dieses scheußliche beigefarbene Kleid einer älteren Dame mit Weichseleis impft. Worauf die ernsthaft diese Worte exhumiert: „Man isst nicht auf der Straße!“</p>
<p><strong>Ich musste mich kurz sammeln.</strong> „Doch, tut man wohl!“, entgegnete ich dann pfiffig. Denn wir haben ja 2011 und nicht etwa 1811. Außerdem war dieses Beige der Wahnsinn, es ist das Altweiberbeige, das ausgerottet gehört. Sie nannte uns Rotzpippen, beide, und ging schimpfend und wirklich ganz hübsch weichseleisbeschmückt ihrer Wege.</p>
<p><strong>Mit der revoluzzerischen Befriedigung,</strong> völlig im Unrecht gewesen zu sein, stieg ich später in die U-Bahn ein. So und dort wurde mir dann übel, nämlich so richtig. Fetter Teenie mit noch fetterem Kebab-Alarm. Eine Zwiebelschlaraffenlandportion. Überhaupt, Essensgeruch in der U-Bahn. Oder in der Straßenbahn. Das kommt immer zu unvermutet und ungewollt. Ist immer unpassend. Das stecke ich in letzter Zeit immer schlechter weg. Irgendwie sollte man dort nicht essen dürfen. Ich verliess diesen Moloch der olfaktorischen Beleidigungen und wurde auf dem Gehsteig prompt vom Pommes-frites-Hagel getroffen. Scooterfahrer nach dem Mc- Donald’s-Besuch, die es nicht schaffen, den Fraß fußgehersicher zu balancieren. Ich begann leise zu nörgeln. „Muss das sein? Blödmänner. Gegessen wird am Tisch.“</p>
<p><strong>Derart bombardiert schaffte ich es</strong> gerade noch gesund zum Auto. Darin sitzt ein Familienmitglied und trinkt Kaffee. Der überraschte gerade punkto Hitze. Und wird mir über die weißen Sommergewänder gespien. Sauprolet, verwandter. Die Autofahrt begann schweigend. An der Kreuzung steckte ich mein Gesichtchen aus dem Fenster, um ein wenig Sonnentrost zu tanken. Da waschelte mir ein Apfelbutzen um die Ohren. Okay. Das Vorderauto lud Mist ab, als es anfuhr. Das gab mir den Rest. Was ist denn das für eine elende Welt der Unkultur, in der wir leben? Es gibt Essenszeiten und Essmöbel und Essgepflogenheiten. Wir sind hier doch nicht im Busch! Es reichte. Ich stieg aus.</p>
<p><strong>Verbrüht,</strong> nasenwund und obstverschmiert sitze ich seitdem auf dem Gehsteigrand. Da bleibe ich jetzt und passe unser Weichseleisattentatsopfer ab. Werde sie dann für das schöne Kleid loben und dessen leider schon seltenes, elegantes Fäkalienbeige. Ihr meine Daten geben wegen der Versicherung für die Reinigung. Ja, und mich bei ihr entschuldigen für das unerzogene Kind, mehrfach. Denn, man isst ja nicht auf der Straße. Echt nicht.</p>
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		<title>Schizomobile</title>
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		<pubDate>Tue, 10 May 2011 06:00:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi List</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/05/list_schild.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-22039" title="list_schild" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/05/list_schild-300x252.jpg" alt="" width="300" height="252" /></a><strong>Die Wahl des Verkehrsmittels</strong> ist imagegebend und persönlichkeitsstiftend. Nichts Neues zwar, aber interessant und auch unheimlich zu beobachten. Weil: Wie man sich bewegt, so ist man anscheinend. Als Fußgänger ist man eh so halbwegs man selber, außer man ist mit einem Kinderwagen unterwegs. Der lässt einen auf laute Flüche weit unter der Gürtellinie verzichten, wenn man von Skateboardfahrern geschnitten wird. Man bescheidet sich dann mit dem gestreckten Mittelfinger, der aber hoch in der Luft. Es soll ja schon bemerkt werden.</p>
<p><strong>In den Öffis wird man</strong> zu einer verblüffend kafkaesken Ameise. Da steht man dicht an dicht. Hört sich „Puh!“ sagen, wenn es heiß ist. Die anderen sagen auch „Puh!“. Allein auf der Straße sage ich nie „Puh!“. Ich denke mir höchstens was, dann aber eher „Na, Oida“ oder so was. In der U-Bahn schaut man sich auch einen Tick zu lange ein Handgemenge am Ende des Waggons an. Weil die anderen ja auch schauen. Und da schaut man halt mit. Gemeinschaftlich wieder. Irgendwann schreitet jemand beherzter ein und da denkt man sich dann eh prompt: stimmt! Man prügelt sich nicht! In der eigenen Wohnung würde man da schneller stutzig werden, wenn sich Teenies unterschiedlicher Couleur und Sprache minutenlang in die Pfeife hauen.</p>
<p><strong>Apropos Pfeife:</strong> Das jahrelange Fahren eines Daewoo Nexia hat mich zu einer farblosen, unauffälligen Frau gemacht. Wenn überhaupt, konnte ich nur diesbezüglich Aufmerksamkeit erheischen, weil ich immer auffallend gut einparkte. Ich bin eine Kipferleinparkerin. Ein Halbmond-Move, ich bin drin, egal, wie klein der Parkplatz ist. Aber hat eigentlich auch nie jemand als besonders fancy wahrgenommen.</p>
<p><strong>Und dann gab es da</strong> einmal die Testfahrt mit einem Sportwagen, nicht fragen, was genau, Alfa irgendwas. Gott, war ich schön. Ich war unerreichbar, ich war unbesiegbar, mein Name war Herkuline. Ich übertrat in einer Stunde mehr Verkehrsregeln als in den 15 Autojahren zuvor. Das Erlebnis ließ mich dann auch die Geschichte der bekannten TV-Moderatorin glauben, die in einem Sportcabrio die Wachau entlangfuhr. An einer Ampel schickte sich ein Mann an, ihr die Tasche vom Beifahrersitz zu angeln. Sie stürzte sich mit einer Vehemenz auf ihn, die für ihn gesundheitsgefährdend war. Angeblich hat man zwischen ihren Zähnen die Haare von seinem Arm gefunden, in den sie sich verbissen hatte. Wäre sie in einer Micra Mouse gesessen, vielleicht hätte sie sich beim Dieb freundlich erkundigt, ob er noch mit heimfahren wollte, sie hätte da noch ein Sparbuch.</p>
<p><strong>Da sind wir dann schon</strong> beim schneidigen Motorradfahrer, den man über die Landstraßen brausen sieht und bei dessen Überholmanövern man um Kleinfamilien der Gattungen Mensch, Hase und Reh fürchten muss. Sobald er in der Stadt sein Vehikel abgestellt hat, sieht man ihn alten Omis über die Straße helfen. Oder auch durchaus normal den Gehsteig benutzen. Nein, er latscht nicht mehr so nah an die Passanten auf, dass diese das Gefühl haben, sie werden gleich begattet. Durchs Helmvisier betrachtet nimmt man physikalische Gegebenheiten oft besonders selektiv wahr. Was den Vespafahrer genauso betrifft wie den Supersportler.</p>
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		<title>Die mit dem Hut</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Apr 2011 13:39:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi List</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/04/list_schild.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-20954" title="list_schild" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/04/list_schild-300x252.jpg" alt="" width="300" height="252" /></a><strong>Frühling.</strong> Der Hutfahrer ist wieder da. Der, hinter dem man ab sofort an jedem Sonntag verreckt, wenn man irgendwohin muss. Der unsere Gastritis zu verantworten hat. Sie müssen starke Persönlichkeiten sein, diese Hutfahrer. Nur jemand mit wahrem Stolz schafft es, völlig ungerührt dutzende, wimmernd bettelnde Drängelautos hinter sich zu sammeln, ohne auf die Idee zu kommen, auf die Seite zu fahren. Vielleicht sind sie auch nur Sadisten. Oder sie sind beides.</p>
<p><strong>Jemand aus meiner</strong> allernächsten Verwandtschaft ist so wer. Ist wohl einer der wenigen Menschen der Welt, der einmal von der Polizei aufgehalten und ermahnt wurde, aus Sicherheitsgründen einen Hauch schneller zu fahren. Man spiele hier nämlich nicht Liliputbahn. Sie, in diesem Fall ist es eine Dame, nahm sich das allerdings nur so lange zu Herzen und drehte auf einen 40er auf, bis sie um die Kurve war und der Polizist sie zumindest nicht mehr zu Fuß derglengen konnte. Dann bremste sie ab und hutfuhr ungerührt weiter.</p>
<p><strong>Ich habe sie gefragt,</strong> was sie denn so reitet, wenn sie so unsäglich dahinschnarcht. Es hätte was Meditatives, meinte sie. Sie gondle halt herum, erfreue sich an Gerüchen, Bäumen und sonstiger Landschaft und hänge ihren Gedanken nach. Okay. Ob es ihr auffalle, dass hinter ihr Heerscharen von Verkehrskollegen gefährlich abbremsen müssten? Ob sie denn das verzweifelte Blinken, später Hupen nicht bemerke? Und warum sie niemals, niemals Erbarmen habe und irgendwohin abbiege, um uns arme Schweine ein angemessenes Tempo fahren zu lassen? Weil sie sich daran gewöhnt hätte, an die Beschimpfungen. Außerdem trage sie zur Entschleunigung der Welt bei. Nein, von der Aggression spüre sie nichts. Sie säße ja in einem anderen Auto.</p>
<p><strong>Leider, ich konnte</strong> sie nicht im Namen unser aller Sühne um die Ecke bringen. Ich habe nur diese Tante Herti. Sie wegen des Fahrstils zu entsorgen, das gehört sich nicht. Außerdem hätte sofort jeder gewusst, wer’s war. Jetzt wird’s noch grässlicher. Es gibt auch Hutgeher. Denen stolpert man in engen Gassen partout hinein, wenn es über mehrere Minuten aus verschiedenen Gründen keine Chance gibt, zu überholen. Man räuspert sich und sagt Entschuldigung, ob man vielleicht ganz schnell vorbeidürfe. Danke schön. Vorsichtig drückt man sich vorbei und spürt die missbilligenden Blicke noch im Rücken, als hätte man keine Hose an, gar keine.</p>
<p><strong>Ja, meine Tante Herti</strong> ist auch Hutgeher. Frauen heißen dann trotzdem Hutgeher. So wie Angela Merkel der 8. Bundeskanzler ist. Sie beschreitet eine Fußgängerzone so, dass sich ein internationales Pfadfindertreffen ebendort auflösen muss, weil die Organisation zusammenbricht. Wann immer man zum Überholen ansetzt, macht sie einen Move, mit dem man nicht gerechnet hat. Vorbeikommen aussichtslos. Man kann es einfach nicht fassen, dass sich auf dieser riesigen, breiten Fußgängerzone nicht ein Weglein findet. Man schnappt über oder kehrt ins nächste Wirtshaus ein. Also, sobald Tante Herti nicht mehr den Eingang verstellt, weil sie natürlich genau jetzt die Karte im Aushang studieren muss.</p>
<p><strong>Und das all es ist noch gar nichts,</strong> wenn man sie einmal auf der Skipiste erlebt hat.</p>
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		<title>Battle of Ramsch</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Mar 2011 09:00:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heidi List</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_14171" class="wp-caption alignleft" style="width: 236px"><a href="http://www.wiener-online.at/2011/03/out-now-motorradmagazin-0311/"><img class="size-medium wp-image-14171" title="motorradmagazin_maerz" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/03/motorradmagazin_maerz1-226x300.jpg" alt="" width="226" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Erschienen im Motorradmagazin 03/11</p></div>
<p><strong>Ferienstau wiedermal.</strong> 30 Minuten für 3 km. Das ist unschnell. Vor  allem, wenn man doch schon längst aus der Stadt sein wollte. Das Kind  plärrt seit der ersten Ampel nach der Wohnung, weil es sieht nichts. Der  Sonnenschutz, Design „Pirat“, passend zum Kapperl und zu den  Gummistiefeln ist nämlich schwarz wie die Nacht finster. Da muss der  Ausblick halt leiden. Ist mir aber nicht unrecht, weil genau diese  Dinger an den Fenstern sind grässliche Bedürfnisschaffungsmaschinen.  Reklame für DVDs, Plüschtiere, Disneyworld. Überall sind sie dran und  werben für Nemo, die Sendung mit der Maus, die Muppets oder all die  gruseligen Prinzessinnen. Und vorrangig sind sie, bei allem Nutzen, eher  mehr Augenbeleidigung als sonst was.</p>
<p>Ein Blick nach links, Garfield überholt uns, zwar auch nur rollend,  aber mit hämischen Grinsen. Ihm nach folgt Winnie the Puh mit seinen  ewigen Honigtöpfen. Rechts vorne arbeitet Bob der Baumeister,  unermüdlich, gleich an 4 Fenstern eines Minivans. Wir schleichen weiter  und kommen neben Disneys unvermeidlicher Arielle zu stehen. So. Jetzt  kriege ich auch langsam Ameisen im Popo. Ich will sie alle nicht mehr  aushalten. Ausserdem, ist es denn wirklich so, dass sich der Nachwuchs  angesichts einer Tigerente am Fenster ununterbrochen und nachhaltig  zerkugelt? So ein kleiner Monet am Fenster, oder der Picasso in der  Stillebenphase schadet den Kindern doch nicht. Oder ein Basquiat, wie  cool wäre das denn? Überhaupt wüsste man, wie der andere so drauf ist.</p>
<p>Die Autos mit den Hundertwasser- oder Atterseedesigns kann man  ungerührt ausbremsen. Einen VW Käfer mit Frida Kahlo – Schmuck lass ich  in die Schlange rein. Das sitzt doch ein guter Mensch am Steuer. Der mit  dem Andy Warhol am Fenster wird vielleicht mein Finanzberater.  Geschmack und Sicherheit. Aber nein, die allgemeine Disneysuppe  verschmalzt uns die Sinnesorgane und wir wissen nur voneinander, dass  wir im alle Stau stehen und Kinder haben.</p>
<p>Also gut, weiter geht‘s, da da vorne ist gleich die Autobahn und dann  haben wir Ruhe. Aber jetzt kommt der Gipfel. Zwei SpongeBob Rollos  greifen uns an. Das geht nicht. Das ist Krieg. Und da will ich nicht  sein. Ich entziehe mich dieser Battle of Ramsch. Einigermassen  geschwächt biege ich in die nächste Seitengasse und befreie meinen Sohn  von dem Piraten. Glückliche Kinderaugen, sie strahlen hinaus in die  Freiheit und in die Welt – und bleiben prompt am nächsten Autofenster  hängen. „Mami! Ein Nackedei! Mit Busen!“ Oh. Wusste nicht, dass Hugh  Hefner auch Sonnenschutz designt.</p>
<p>Okay, Prioritätenänderung. Pirat wieder drauf, extra dunkle  Sonnenbrille für mich und weiter fahren. Ist mir lieber, das Kind  plärrt, als dass ich lange und halbwegs glaubwürdig referieren muss,  wieso die nackte Dame da am Fenster keine Socken anziehen muss, wo es  doch eigentlich noch so kalt ist, und er ja immer Socken anziehen muss  und das ist ja so gemein und ich wäre überhaupt eine böse Mami und  HungerDurstLulu..</p>
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