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	<title>WIENER &#187; Gerald Enzinger</title>
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		<title>Kinigadner, der bewegende Mann</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Jan 2011 07:00:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Enzinger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_10251" class="wp-caption alignleft" style="width: 236px"><strong><strong><img class="size-medium wp-image-10251" title="Heinz Kinigadner" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2011/01/kini-226x300.jpg" alt="Heinz Kinigadner" width="226" height="300" /></strong></strong><p class="wp-caption-text">Foto: Harald Wiesleitner, Sautnerfoto.com</p></div>
<p><strong>Die Nacht nach dem Tag</strong>, an dem er Weltmeister der Formel 1 geworden war, verbrachte Sebastian Vettel in einem weißen T-Shirt mit der Aufschrift Kini. Ein Tribut an einen Freund, der selbst Champion war, Motocross-Weltmeister der Jahre 1984 und 1985. Der Tiroler Heinz Kinigadner lebt seit 51 Jahren, aber die Geschichten, sie würden schon jetzt für mehr als nur ein Jahrhundert reichen. Seine Stärke ist, so sagt er selbst, sich selbst seelische Brücken zu bauen: „So habe ich mir gar nicht die Chance gelassen, an Misserfolgen zu lange herumzunagen.“ Heinz Kinigadner ist begnadet darin, Brücken zu bilden. Heute ist der Nationalheld der so freien frühen 1980er-Jahre die vielleicht am besten vernetzte Sportpersönlichkeit Österreichs. Dietrich Mateschitz nannte ihn in einem Sportmagazin-Interview „meinen besten Freund“, Niki Lauda ist sein Nachbar auf Ibiza, Gerhard Berger kommt gerne daheim im Zillertal mit dem Motorrad vorbei und Sebastian Vettel gehört, wie man von außen spürt, fast zur Familie.</p>
<p><strong>Doch der Mann, der von Menschen umringt ist</strong>, die Flügel verleihen, ist geerdet. Und die Brücke, die er jetzt baut, ist die wichtigste seines Lebens: er will Gelähmte wieder gehen lassen, ihnen eine Brücke bauen vom Rollstuhl hin in eine Zukunft auf zwei sich bewegenden Beinen. Es ist der große Kampf, seit jenem Samstag 2003, als sein Sohn Hannes gestürzt ist. Heinz Kinigadner hatte in seiner Karriere nahezu 50 Knochenbrüche, er war berüchtigt für seine wilden Stürze, für sein bedingungsloses Touchieren der Grenzen. Er hat alles überstanden. Und dann musste er miterleben, wie sein Sohn bei einem Allerwelts- Faller bei einem Hobbyrennen schwerst verletzt wurde. Motocross, das ist die Arbeiterklasse des Motorsports: Die Piloten haben Schwielen an den Händen, ihre Daumen sind offen. Wenn man hinter einem Konkurrenten herjagt, schießen einem Steine ins Gesicht, sie schlagen blutige Schrammen, der ganze Körper wird blau. Einmal, sagt Kinigadner, „hat es mich bei der <a title="Sport 10: Dakar Rallye - Es geht los" href="http://sport10.at/home/mehrsport/motorsport/622240/DakarRallye_Es-geht-los?from=rss">Dakar- Rallye</a> mit 150 km/h zerbröselt. Ich bin im Graben gelegen und habe meine Innereien schreien gehört. Mit letzter Kraft habe ich meinen Helm nach oben geworfen – und der Letzte, der an diesem Tag vorbeigekommen ist, hat ihn gesehen. Nur so bin ich gerettet worden.“</p>
<p><strong>Die Dakar-Rallye</strong>, die gefährlichste Motorrad-Veranstaltung der Welt, sie wurde zu seinem Schicksal: Immer wieder fuhr er den Gegnern auf dem langen Weg von Paris in die Hauptstadt Senegals auf und davon, doch jedes Mal scheiterte er. Und das meist in Führung liegend. Warum? „Weil ich immer einer war, der Improvisieren wollte, keiner der bedächtig plante. Ein Rivale hat mich mal als the opposite of organisation definiert.“ Improvisieren, das lernt man, wenn man in Uderns im Zillertal seine Kindheit verbringt, mit zwei Brüdern und drei Schwestern. Kini wächst in einer freien Welt auf, in der die Narreteien der Kinder noch nicht pädagogisch hinterfragt werden: „Beim Indianerspielen haben wir schon mal den Nachbarsbuben verkehrt an der Wäscheleine aufgehängt und erst nach dem Mittagessen wieder abgehängt.“ Oder „wir haben dem Kollegen des Vaters das Motorradfahren beigebracht – indem wir davor heimlich die Bremsen aus dem Moped ausgebaut haben.“ Ergebnis: „Es hat schön getuscht.“</p>
<p><strong>So verrückt die Kinis erscheinen mögen</strong>, so zielstrebig verfolgen sie – motiviert vom Vater – ihre Motocross-Karrieren: „Unser Traum war es, dass jeder von uns eine der drei WM-Klassen gewinnen würde.“ Heinz schafft es, als erster und bis heute einziger Österreicher. Der Empfang daheim in Uderns war, „als wenn der König heimkommt“ (sagt Bruder Klaus). Doch Tränen war längst Beigeschmack aller Triumphe: Zwei Jahre zuvor waren seine Mutter und seine Oma im Auto tödlich verunglückt, und jetzt sollte es nur mehr wenige Wochen dauern, bis sein Bruder Hans bei einem Rennen stürzte: „Ich bin nach einer eigenen Verletzung zu ihm hingehumpelt auf Krücken. Und da liegt er und sagt: Es ist aus, ich bin querschnittgelähmt.“ Der Rollstuhl, er ist oft das letzte „Zweirad“ im Leben eines Motocrossers. 2003 erwischt es Pit Beirer, den deutschen Superstar.</p>
<p><strong>Gemeinsam mit seinem Sohn Hannes</strong> besucht Heinz ihn in der Reha-Klinik. Bei der Rückfahrt ist Hannes tief betroffen. Zwei Tage später stürzt er selbst, als er einem Konkurrenten ausweichen will. Didi Mateschitz schickt einen Flieger zu Hilfe, Gerhard Berger organisiert einen Jet, damit Mutter Waltraud aus Ibiza einfliegen kann. Doch es wird rasch Gewissheit: Hannes ist gelähmt. Die Tragödie, die hat die zutiefst geerdete, herzliche Familie noch mehr zusammengeschweißt: Kein Problem, dass Heinz, seine Frau Waltraud und die Kinder Isabella und Hannes nicht gemeinsam in Angriff nehmen. Daneben aber hat der Sturz in den Rollstuhl das Leben im allgemeinen verändert. Heinz hat gemeinsam mit seinem Freund Mateschitz die Stiftung „Wings for Life“ gegründet. „Denn es wurde uns schnell klar, dass Querschnittlähmungen von der Pharmaindustrie vernachlässigt werden, weil es wirtschaftlich nicht rentabel ist.“ Und so packen sie an: „Unser Ziel ist es, die Forschung voranzutreiben, durch engen Kontakt mit Wissenschaftern und Ärzten in der ganzen Welt. Denn nur die Vernetzung der besten Köpfe bringt uns weiter.“ Menschen im Rollstuhl sollen wieder eine Chance haben, „aber ohne, dass wir mit falschen Hoffnungen spielen.“</p>
<p><strong>Doch es geht was weiter:</strong> „Früher war ich blauäugig optimistisch, jetzt bin ich wissend optimistisch.“ Auch wenn immer alles zu langsam geht: „Als Sportler denkst du in Metern und Sekunden, hier aber denken die Ärzte in Jahren.“ Dabei macht jeder Fortschritt, und ist er noch so klein, Sinn: Die Zahl der Menschen im Rollstuhl erhöht sich jährlich um 130.000, im Schnitt sind sie erst 33 Jahre jung, wenn es passiert. Das gilt es immer wieder zu sagen, um die Wissenschafter zu führen, um Geld einzutreiben („Jeder Cent geht in die Forschung“), aber auch um politische Rahmenbedingungen zu schaffen – wenn etwa die Stammzellenforschung wieder in den Fokus Ewig-Gestriger kommt. Bei aller Kraft in die Zukunft vergisst Kinigadner nicht auf die Gegenwart. Ist im Gegensatz zu früher immer bei seiner Familie, oder mit ihr auf Reisen. Hannes ist immer dabei, wenn man Vettel und Co. bei der Arbeit zusieht. Der Deutsche ist längst einer der Botschafter von Wings for Life. Es ist dieses „Life“, das bei Heinz Kinigadner an Bedeutung gewonnen hat.</p>
<p><strong>Auch weil es viele andere schmerzhafte Einschnitte</strong> gab: Als die Bäckerei des Vaters vor dem Ruin stand, als er Hodenkrebs hatte und kaum jemanden davon erzählte. Er fuhr heimlich Rennen in Amerika: „Die Konkurrenten lachten mich aus, weil ich zu wenig Kraft hatte, die Maschine bei 40 Grad aus dem Schlamm zu ziehen.“ Sie wussten ja auch nicht, dass er gerade seine zweite Chemotherapie hatte. Später, als es bekannt wurde, unkten viele „der Kinigadner fährt so verrückt, weil er dem Krebs davonfahren will und lieber auf der Maschine stirbt als an seinem Krebs. Aber da war was dran. Denn dort konnte ich die Tragödien meines Lebens vergessen.“ Die Kinigadners haben auch eine zweite Familie – KTM. Dort ist er Investor, besitzt einen großen Shop (siehe <a title="Kini.at" href="http://www.kini.at">www.kini.at</a>), ist Sportmanager. Im Jänner bei der Rallye Dakar kann die oberösterreichische Motorradschmiede zum zehnten Mal in Folge gewinnen.</p>
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		<title>Geadelt ist, wer Schmerzen kennt</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Nov 2010 11:19:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Enzinger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Boxen]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_9047" class="wp-caption alignleft" style="width: 206px"><img class="size-medium wp-image-9047" title="briggs_portrait" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2010/11/briggs_portrait-196x300.jpg" alt="Shannon Briggs (Foto: CC-BY-NC-SA Conekt)" width="196" height="300" /><p class="wp-caption-text">Shannon Briggs (Foto: CC-BY-NC-SA Conekt)</p></div>
<p><strong>Der Tod kommt am Geburtstag</strong>, Shannon Briggs, geboren 1971 in  Brooklyn, ist ein Kind, als seine Mutter an einer Überdosis Heroin  stirbt. Den Vater kennt er nicht, der Stiefvater verliert seinen  letzten Kampf ums Leben im Gefängnis. Klein-Briggs landet auf der  Straße, er ernährt sich von Abfällen. Hauseingänge sind sein Bett. Er  ist ein Auserwählter des Unglücks. Keiner, der den armen Buben in der  Gosse sieht, ahnt, dass dieser einmal vor 14 Millionen TV-Zeugen in  der hypermodernen O2-Arena in Hamburg auftreten wird. Und dort zu  einem Helden des Widerstands wird. Sie werden ihm der Show wegen auf  die Schlachtbank führen, ihn gegen Dr. Vitali Klitschko um die  Weltmeisterschaft im Boxen kämpfen lassen. Aber er ist, wieder einmal  in seinem Leben, ohne Chance: 302 Schläge prasseln auf seinen Körper  ein, jeder für sich krachend und laut. Im Krankendossier liest man  später: Brüche des Gesichtsknochens über beiden Augen, Riss des  Trommelfells, Sehnenabrisse im Bizeps. Doch Briggs kämpft bis zum  Ende, er geht nicht k.o.. Die Therapie beginnt auf der  Intensivstation. Dort, wo er den Tod schon fast riechen kann,  reloaded er sein Leben: als Briggs wieder aus dem Spital kommt, wird  er als Held gefeiert, ein Mythos, ein Widerstandskämpfer. Man lädt  ihn in Kinderkrebsstationen ein, in Hospize, ins Fernsehen. Er muss  uns begreifbar machen, wieviel ein Mensch ertragen kann. Warum es  immer wieder weiter geht. Wieso der Kampf des Lebens sich im Kampf  ums Leben auf das Wesentliche reduzieren läßt. Wie man, auch nach 302  Schlägen, von denen jeder für sich für einen normalen Menschen  tödlich sein kann, noch immer steht.</p>
<p><strong>Der Geadelte aus der Gosse.</strong> Der Grazer Filmregisseur Alfred  Schwarzenberger, der das Original-Drehbuch für den Kino-Hit &#8220;Die  unabsichtliche Entführung der Elfriede Ott&#8221; mitschrieb, hat den  Herren der Boxringe eine beeindruckende Hommage gewidmet. Sein Film <a href="http://steiermark.orf.at/magazin/immergutdrauf/kultur/stories/230231/"> &#8220;Die Faust&#8221;</a> wird von der Kritik hochgelobt, sogar eine Einladung zum  Filmfestival von Havanna, mitten im Mutterland des Boxens, steht an.  &#8220;Geadelt ist, wer Schmerzen kennt&#8221;, sagt Schwarzenberger, der wie  viele Künstler der Faszination Boxen erlegen ist. Und für den Film  sogar selbst begonnen hat, sich im Ring prügeln zu lassen: &#8220;Wer noch  nie onaniert hat, sollte keine Pornos drehen und wer über Boxen reden  will, muss es gefühlt haben.&#8221; Jetzt sieht er Boxen als Essenz des  Lebens: &#8220;In keinem anderen Sport kann Gut und Böse so verteilt  werden, ist der Kampf Mann gegen Mann so klar. Da gibt es nicht  einmal ein Netz dazwischen wie beim Tennis, da treffen nur Fäuste  aufeinander.&#8221; Während die meisten Kampfsportarten die Künste der  Selbstverteidigung zelebrieren, geht es beim Boxen nur darum, den  Gegner zu zerstören.</p>
<p><strong>Das Lexikon der Schmerzen.</strong> Und zerstört wurde Shannon Briggs bei  seiner Hinrichtung im Ring. Denn das Gehirn des Menschen ist weich  wie Pudding. Es ist umgeben von drei Hirnhäuten und einer Schicht  klaren Hirnwassers. Um den Gegner auf den Boden zu schicken, muss das  Gehirn auf 8,5 Meter pro Sekunde beschleunigt werden. Die  Erschütterung ist so groß wie bei einem Fahrradfahrer, der in voller  Fahrt und ohne Helm gegen eine Laterne prallt. Shannon Briggs  kassierte 302 Schläge. Muhammad Ali, der größte Boxer der Menschheit,  hat im Laufe der Jahre 3.000 Kopftreffer erlitten. Heute hat er, wie  so viele Boxer, Parkinson. Bei Mike Tyson berechneten Forscher einmal  eine Schlagkraft von 590 Kilo, wenn er aus dem Stand schlug. 140  Menschen sind seit 1990 nach Kämpfen gestorben. Doch in Deutschland  etwa ist der Sport populärer denn je. Was auch damit zu tun hat, dass  nationale Stars wie die Gebrüder Klitschko den Sport dominieren, aus  den USA nur mehr Schlachtopfer und Freaks geschickt werden, die in  den WM-Kämpfen keine Chance haben.</p>
<p><strong>Einer wie Rocky.</strong> Es sind Menschen wie Shannon Briggs. Der ist  Asthmatiker, aber in seiner besten Zeit haben sie ihn &#8220;The Cannon&#8221;  genannt. Er hat George Foreman besiegt und viele andere Große. Jetzt,  an diesem Oktoberabend in Hamburg aber, da hat er den Tod besiegt.  Schon redet er davon, einen Revanchekampf zu wollen. Hat ihm  Klitschko jegliche Erinnerung an die Schmerzen durch Zufügen neuer  Schmerzen rausgeprügelt? Er wird sagen: Auch der große Held Rocky hat  den letzten Kampf von Folge 1 verloren. Aber das war ein Film. Und  das Blut war nur rote Soße, und nicht der Vorbote unerträglicher Schmerzen.</p>
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		<title>Der Toto-Gewinner</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Nov 2010 07:10:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Enzinger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Formel 1]]></category>
		<category><![CDATA[Motorsport]]></category>
		<category><![CDATA[Toto Wolff]]></category>

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		<description><![CDATA[Sein Haar ist zerwuschelt, wie immer. Die Jeans sind vom Designer, zerrissen. Der Schreibtisch fast leer: eine Comic- Figur, zwei Post-its, die geordnet an der Platte kleben, ei&#8230; <a href="http://www.wiener-online.at/2010/11/der-toto-gewinner/" class="read_more">mehr</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img class="alignleft size-medium wp-image-8365" title="WIE351_totowolf_c_f1williams" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2010/11/WIE351_totowolf_c_f1williams-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" />Sein Haar ist zerwuschelt,</strong> wie immer. Die Jeans sind vom Designer, zerrissen. Der Schreibtisch fast leer: eine Comic- Figur, zwei Post-its, die geordnet an der Platte kleben, ein Notizblock, unliniert, zwei Kugelschreiber, ein Miniaturhelm von Ayrton Senna. Und eine Zeitungsseite, aus dem Wirtschaftsblatt herausgerissen. An der Wand ein Bild, das den Titel „Menschen“ trägt. Und gegenüber ein anderes: Es zeigt Dollarscheine, viele. Gebündelt. Dann noch ein kleines, ästhetisches Regal mit drei dünnen Büchern und zwei Modellautos. Wenn ein Büro die Seele und den Charakter des Menschen widerspiegelt, der darin arbeitet, dann haben wir es mit wem zu tun, der aufgeräumt ist. Und der noch genügend Platz hat für Träume und, ja, das ist vielleicht das erstaunlichste an seinem Ist-Zustand.</p>
<p><strong>Mit 38 ist Torger Christian Wolff</strong>, den alle <a href="http://www.totowolff.com">Toto</a> nennen, an einem Punkt angekommen, der so weit oben ist, dass man den Verdacht äußern könnte, es sei schon der Höhepunkt. Die prozentuelle Bemessung bereits erfüllter Kindheitssträume, sie würde einen Wert geben nahe an der 100er-Grenze. Obwohl er 1994 die Vision von einer eigenen Rennfahrerkarriere begraben hat, weil Karl Wendlinger im Koma lag und der gemeinsame Sponsor, eine Stahlfirma, nicht mehr wollte und nicht mehr konnte. Und weil er sah, dass er zwar einer der besten seiner Generation war, aber nicht der Beste. Und nur der würde es schaffen können. Es wurde Alexander Wurz.</p>
<p><strong>16 Jahre später ist er</strong> nun doch in der Formel 1 angekommen, im schnellsten, teuersten, glamourösesten Sport der Welt. Er ist Mitbesitzer des Williams-Teams, des dritterfolgreichsten Rennstalls aller Zeiten. In Autos dieser Marke sind Piloten wie Nigel Mansell, Nelson Piquet, Keke Rosberg, Jacques Villeneuve oder Alain Prost Weltmeister geworden, in einem Williams ist Ayrton Senna gestorben. „Anfang der 90er Jahre hatte ich einen Ferienjob in England, ich habe Büroartikel verkauft. Da bin ich immer mit dem Zug durch die Midlands gefahren, habe die Fabriken von Williams oder McLaren gesehen. Nie hätte ich auch nur davon geträumt, hier mal einfach reingehen zu können. Oder anders gesagt: es hat geschmerzt, nicht in diesem Umfeld zu sein.“</p>
<p><strong>Grove, England.</strong> Ein WIENER-Lokalaugenschein in der Fabrik von Williams. Sogar die Tujen sind so geschnitten, dass sie aussehen wie Rennautos. Unten im Keller lagern die Prunkstücke aus drei Jahrzehnten Formel 1. Und ein Bild der Teamgründer Frank Williams und Patrick Head aus dem Jahr 1976 vor ihrem ersten Renntransporter. Head trägt Schuhe mit einem großen Loch, er sieht aus wie ein armer Mann. Doch die Formel 1 wird ihn und seinen Geschäftspartner zu Millionären machen. Weil sie so hart arbeiten wie niemand sonst. Und da sie den richtigen Riecher haben – und ab 1978 die ersten sind, die Sponsoren aus Saudi Arabien dazu bringen, in die Formel 1 zu investieren. Übrigens entfernte Verwandte von Osama Bin Laden, aber das werden sie erst Jahrzehnte später erfahren.</p>
<p><strong>Innerhalb kurzer Zeit</strong> wird Williams zu einer Kultmarke: 1979 der erste Sieg mit Clay Regazzoni, 1980 der erste WM-Titel durch den Australier Alan Jones. Immer wieder gibt es Konzerne, die Williams erwerben wollen: Honda, BMW. Doch erst im November 2009 entschieden sich die beiden, erstmals Anteile ihres Lebenswerks abzugeben. Und sie wählten dazu – Toto Wolff. „Weil er ein echter Racer ist“, wie Frank Williams – der seit einem Autounfall 1986 im Rollstuhl sitzt – sagt. Nachsatz: „Und ein cleverer Geschäftsmann, scharfsichtig. Einer, der schmallipig und bescheiden redet, aber einer, der unsere Zukunft sichern kann.“ Der Mann, der für die Zukunft steht, er hat eine Vergangenheit, die keine Einbahnstraße ins ewige Glück war. Sein Vater stirbt, als Toto noch ein Kind ist. „Nicht jeder hat das Glück, als Waise aufzuwachsen“, zitiert Wolff einen französischen Philosophen mit bitterem Unterton: „Natürlich prägt dich so ein Erlebnis. Zum einen wirst du verbissener, zum anderen ist dir die Endlichkeit des Lebens bewusster. Ich bin jetzt 38 und mein Vater war nur drei Jahre älter, als er starb. Ich denke, er hat nicht gewusst, wie wenig Zeit er hat, seine Träume zu erfüllen.“</p>
<p><strong>Vielleicht ein Grund,</strong> warum der junge Wolff durchs Leben rast. Erst auf der Rennstrecke, dann in der Finanzwelt. Zwar stolpert er als Student der Handelswissenschaften eher zufällig in die Szene hinein. Er kommt zu einem Job als Trainee bei Raiffeisen in Warschau, als Sohn einer Polin hat er Startvorteile. Dann wechselt er in ein Stahlverarbeitungsunternehmen und als ein wichtiger Kunde vor dem Ruin steht, rettet er es selbst und beginnt die Mechanismen des Finanzmarktes zu verstehen. Im Sommer 1998 liest er im „Format“ die Story über einen Andreas Tobler, der als Jungunternehmer des Monats gewürdigt wird, weil er ein Spiel namens Industriegigant erfunden und eine Spielfirma namens JoWooD gegründet hat. Er fährt nach Rottenmann und schlägt Tobler einen Deal vor: „Ich habe nur wenig Geld, will aber Aktien von dir. Als Gegenleistung kann ich dir erstklassige Privat Equity Investoren bringen. Und dann gehen wir an die Börse.“ Tobler denkt, er habe es mit einem Verrückten zu tun. Wolff: „Aber er schlug ein.“ Toto hält Wort, bringt Investoren, schmeißt zum Börsengang eine rauschende Party (Börseexpress-Chefredakteur <a href="http://www.be24.at/blog/author/christian_drastil">Christian Drastil</a>: „Eine der wildesten aller Zeiten.“). Die neu gegründete Firma Marchfifteen wird zum Überflieger an der Börse, weitere geniale Investments mit Internet-Produkten wie sms.at und Technologiebeteiligungen wie sysis, Brainforce oder Solve direct bringen atemberaubende Gewinne.</p>
<p><strong>Und so kann sich Wolff bald</strong> mal eine Auszeit nehmen und zum Spaß wieder Rennen fahren – im Team mit Branchengrößen wie Karl Wendlinger, Dieter Quester oder Philipp Peter. Er steigt auch in die Rallyefirma des vielfachen Staatsmeisters Raimund Baumschlager ein, nimmt selber im Cockpit Platz – und rast bei der WM-Rallye in Deutschland 2006 sogar zu einer Sonderprüfungsbestzeit. Vor dem späteren WM-Sieger, den Finnen Jari-Matti Latvala&#8230;</p>
<p><strong>Wolff wird Hans-Werner Aufrecht vorgestellt</strong>, dem Chef des erfolgreichsten Teams in der Geschichte der deutschen Tourenwagen-Meisterschaft DTM. Der wird sein väterlicher Mentor, baut ihm zu seinem Nachfolger auf. Wolff wird neben Hans-Werner Aufrecht stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des boomenden Unternehmens, das eng mit Mercedes zusammenarbeitet. Und für das unter anderen Ex-Formel-1-Doppelweltmeister Mika Hakkinen fährt, der bald Wolffs Geschäftspartner in einer gemeinsamen Talente-Managementfirma wird. Und 2009 steigt Toto auch noch bei Williams ein, in den elitären Zirkel der Formel 1. Antrittsbesuch beim Grand- Prix-Zirkusdirektor Bernie Ecclestone (heuer 80) inklusive. Der englische Euro-Milliardär zeigt sich gleich von seiner sarkastischen Seite: „Hast du keine andere Idee, dein Geld zu verbrennen?“</p>
<p><strong>Und wieder stimmt</strong> Christian Drastils Erkenntnis: „Zur richtigen Zeit am richtigen Platz mit dem richtigen Auftreten.“ Das bemerkt auch die vermutlich schnellste Frau der Welt: Susie Stoddart, attraktive und sauschnelle DTM-Pilotin aus Schottland, checkt Anfang 2009 im privaten Wolff-Team ein, 2011 wird geheiratet. Some guys have all the luck. Freilich muss sich Toto in Zeiten wie diesen selbst Klarheit über andere Gefühle verschaffen.</p>
<p><strong>Bis jetzt war das Geschäftsmotto:</strong> rein-raus und mit schnellen Geld aussteigen. Jetzt, bei seinen Rennsport- Investments, ist aber plötzlich so was wie Emotion im Spiel. „Ich frage mich: Will ich das?“ In den nächsten zwei Jahren will er sich klar werden, was kommen soll: Langfristig Williams wieder zum Weltmeisterteam machen? Mentor Aufrechts Traum erfüllen und alle Kraft in HWA stecken, in eine boomende Tourenwagenmeisterschaft? Neue Aufgaben in der Formel 1 finden? Die Rallye- Weltmeisterschaft, seine eigentliche Liebe, besser vermarkten? Egal,was kommt, in Wolffs Revier wird weiter gejagt, die Millionen haben ihn nicht müde gemacht: „Ich sage immer: Abgerechnet wird mit 80. Was nützt mir meine Zwischenbestzeit, wenn die Leute eines Tages sagen: Der Wolff, der war mit 38 ganz gut. Aber wo ist er eigentlich jetzt?“</p>
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		<title>Der Überflieger</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Jul 2010 06:00:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Enzinger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sport]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4973" class="wp-caption alignleft" style="width: 295px"><a rel="attachment wp-att-4973" href="http://www.wiener-online.at/2010/07/der-uberflieger/orlando-duque-bosnia-dive-sequence/"><img class="size-medium wp-image-4973" title="Orlando Duque Bosnia dive sequence" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2010/07/Orlando-Duque-Bosnia-dive-sequence-285x300.jpg" alt="" width="285" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Predrag Vuckovic/Red Bull</p></div>
<p><strong>Die Uniform des freien Menschen ist eine Badehose.</strong> Mehr braucht Orlando Duque (35) auch nicht, wenn er in die Arbeit geht. Abgesehen von extra dicken Cojones, wie man ergänzen möchte. Denn das fliegende Waschbrett aus Kolumbien hat einen Job, der eine gewaltig lange Mut-Gasse zwischen Herz und Hirn voraussetzt. Orlando, den seine Verehrer naheliegenderweise als Duke verehren, ist Klippenspringer, der beste der Welt und aller überlieferten Zeiten. Er verdient sein Geld im Flug. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Manchmal beginnt dieser Flug auf einer Plattform in 34 Metern Höhe. Von dort gibt es nur zwei Optionen. Variante 1: umdrehen. Variante 2: springen, in 3 Sekunden von null auf 100 km/hbeschleunigen und in einen Becken springen, das von oben die gefühlte Größe eines Stecknadelkopfs hat. Triffst du es nicht, bist du tot. Triffst du, tut es weh. „Selbst das Wasser fühlt sich so hart an wie Beton.“</p>
<p><strong>Die harten Zeiten.</strong> Orlando Duque, er wurde nicht als Weltstar geboren. Sein Weg war ein weiter, das GPS seines Lebens spuckte eine höchst ungewöhnliche Route aus: Cali/Kolumbien – Gänserndorf – Kitzbühel – Hawaii. Und das im erst dritten Anlauf, denn die ersten beiden Traumkarrieren-Phantasiefilme endeten jeweils abrupt – durch Filmriss. Der erste selbst inszeniert. Denn die Vision als Nachfolger des legendären Wuschel-Monsters Carlos Valderama Kolumbiens nächster Fußballstar zu werden, scheitert am Platz, auf dem er als Knirps spielt. Oder genauer gesagt: an dem Schwimmbad neben dem Platz. Denn das dortige 3-Meter-Brett ist als Droge für Orlando ungleich reizvoller als Gras.</p>
<p><strong>Der Olympia-Alptraum.</strong> Was als Mutprobe beginnt, wird für acht Jahre zum neuen Lebenstraum. Jeden Tag schuftet Duque dafür, 1992 bei den Olympischen Spielen in Barcelona teilzunehmen. Und: Er schaffte die Qualifikation. Doch der Jubelsprung endet auf Granit: Der kolumbiansche Turmspringer-Verband kann sich die Reise nicht leisten, Orlando darf nicht nach Barcelona.</p>
<p><strong>Der Käfig eines Flugmenschen.</strong> Deprimiert erklärt Duque seinen Rücktritt und schreitet zur Selbstkasteiung. Er beginnt ein Informatik-Universitätsstudium und tauscht den Arbeitsplatz an der frischen Luft gegen einen harten Sitz auf der Hörsaalbank in seiner Heimatstadt Cali, einer Vier-Millionen-Einwohner-Metropole im Herzen Kolumbiens. Bis von einem Tag auf den anderen das Leben ein neues Drehbuch schickte. Beginnend mit einem Kulturschock.</p>
<p><strong>Die Reise nach Gänserndorf.</strong> Daheim in Cali bekommt Orlando von einem Agenten das Angebot, im Sommer in Europa zu arbeiten – als Stuntman im Safaripark Gänserndorf! „Ich hatte von Österreich noch nicht viel gehört, ok, außer dass es dort immer kalt sein soll.“ Er wohnt in einem kleinen Containerdorf in der Nähe des Geländes, wird zum Flug-Beamten. Erste Show: 11.30 Uhr. Zweite Show: 14 Uhr. Dritte Show: 17 Uhr. Dreimal pro Tag ein Star sein auf kleiner Bühne, freundlich von Familien mit Applaus verabschiedet. Der Schwierigkeitsgrad, das Risiko – von unten kaum abschätzbar: „Ich durfte von einem 25 Meter hohen Kran in ein Becken springen, das wie ein mit Wasser gefüllter Aschenbecher aussah.“ Drei Saisonen, von 1997 bis 1999 fliegt er für wenig Geld: „Aber es war in Schilling immer noch viel mehr als ich in Kolumbien in Pesos für irgendwas bekommen hätte.“ Die Beziehung zu Österreich wird intensiver, einmal erlebt er auch einen Winter in den Alpen: Er schenkt Getränke in einer Après Ski Bar in Kitzbühel aus. Obwohl er zu dem Zeitpunkt weder Deutsch noch Englisch spricht.</p>
<p><strong>Der Neustart.</strong> Doch die regelmäßigen Flug-Shows in Österreich haben wieder Lust auf mehr gemacht. Oder genauer gesagt: auf Meer. Orlando beschließt, sich nach einem Jahrzehnt des unfreiwilligen Chlor-Schluckens, der High-und-Cliff-Diving-Szene anzuschließen. 1999 beginnt er, ab 2000 ist er schon eine Legende. Statt in enge Becken geht es nun meist ins offene Meer, von Klippenin rund 28 Metern Höhe. Bei der WM in Kaunolu wird er zum Toni Innauer der Wasserspringer: für seinen letzten Sprung bekommt er von allen sieben Preisrichtern die Höchstnote 10,0! Und so steht der Junge aus Kolumbien, der eben noch in einem Container in Gänserndorf fror, im Buch der Weltrekorde.</p>
<p><strong>Das verflogene Jahrzehnt.</strong> Juni 2010, Hangar-7, ein Besuch bei seinem österreichischen Sponsor, der ihm seit Jahren Flügel verleiht. Das Programm ist dicht, alle reißen sich um Orlando. Längst ist aus dem Mauerblümchen, das Seite an Seite mit Artisten, Tierbändigern und Clowns arbeite, ein Mythos geworden. Sein verwegenes Äußeres, die langen Haare, der Waschbrettbauch, diese Kraft-Packung in seinen Muskeln. Und dieses Kontrastprogramm in seinem Lächeln. Er hat WM-Titel gewonnen, Rekorde gebrochen, Maßstäbe gesetzt. Etwa am Wolfgangsee, wo er aus 27 Metern Höhe einen dreifachen Rückwärtssalto mit zwei Schrauben hinknallte. Als Bemessungsgrundlage: Wir reden hier von der Höhe eines zehnstöckigen Wohnhauses. „Wobei dann wirklich jeder Meter alles ändert. Ob du von 27 Meter springst oder von 34, das ist wie eine andere Sportart. Und nur ein Feh- ler …“, sagt der Duke und vermeidet es, den Satz fertig zu landen.</p>
<p><strong>Die World Series.</strong> Red Bull hat die 2009 die World Series erfunden. Jetzt tourt er zwischen den Paradiesen der Mut-Tiere herum. „Wir alle leben unsere Leidenschaft aus. In der kurzen Zeit, in der wir in der Luft sind, genießen wir jede einzelne Sequenz, spüren sie. Und dann schlagen wir hart am Wasser auf, nach der letzten Sequenz, die aus Furcht und Ehrfucht besteht. Es ist unsagbar aufregend, immer wieder.“</p>
<p><strong>Das Gesicht einer Sportart.</strong> Dietrich Mateschitz hat zum WIENER immer wieder gepredigt, wie ein Sportler, der von Red Bull Flügel verliehen bekommt, beschaffen sein muss: „Er sollte nicht von der Sportart geprägt werden, er soll selbst diese Sportart prägen.“ Und das gilt für Orlando Duque, man kann ihn in einer Reihe mit dem Freestyler Travis Pastrana oder Surf-Ikone Robby Naish nennen. „Orlando hat den Cliffdivern ein Gesicht gegeben“, sagt Niki Stajkovic, Österreichs größte Sprung-Legende und als Juror bei allen Cliff Diving Events dabei.</p>
<p><strong>Der Rat an die Beckenrandspringer.</strong> Kann man so etwas kopieren? Oder, was müssen wir machen, um bei den Mutproben im Schwimmbad ähnlich cool rüberzukommen? Orlandos Rat: „Du solltest immer exakt wissen, wieviel du kannst. Es ist schaut einfach blöd aus, wenn du es übertreibst und dann wie ein Stein in den Pool plumpst. Die Mädchen sind da dann nicht so beeindruckt. Also mach nur, was dir Fun macht.“ Und ihm selbst macht das ganze Leben Spaß. Er hat es weit gebracht, bis hin zum Haus in Hawaii, in dem er mit seiner schönen Frau lebt. Und manchmal bekommt er dort Besuch von seinen alten Freunden aus dem Containerdorf in Gänserndorf. Und dann springen sie einfach mal ins Meer rein. Nur Elvis Presleys legendäres Klippenspringer-Epos Acapulco ziehen sie sich nie rein. Denn das wahre Leben ist besser als jeder Film.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="620" height="348" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.redbull.com/cs/RedBull/flash/RBPlayer.swf?data_url=http://www.redbull.com/cs/Satellite?c%3DRB_Video%26cid%3D1242871674703%26locale%3D1237398958898%26p%3D1238874343857%26pagename%3DRedBull%2FRB_Video%2FVideoPlayerDataXML" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="620" height="348" src="http://www.redbull.com/cs/RedBull/flash/RBPlayer.swf?data_url=http://www.redbull.com/cs/Satellite?c%3DRB_Video%26cid%3D1242871674703%26locale%3D1237398958898%26p%3D1238874343857%26pagename%3DRedBull%2FRB_Video%2FVideoPlayerDataXML" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object><br />
<strong></strong></p>
<p><strong>DIE FAKTEN<br />
</strong>Orlando Duque: Geboren am 11. September 1974 in Cali. 1992 für Olympia qualifiziert, aber aus finanziellen Gründen nicht angetreten. 1997 &#8211; 1999 Stuntman im Safaripark Gänserndorf, seit 1999 Cliff Diver. Weltmeister 2000, 2001, 2002, 2006. Spielffilmdebüt in der autobiographischen Doku „9 Dives“ 2006, Regisseur Mario Kreuzer. Red Bull Cliff Diving World Series Termine 2010: 24. Juli Kragerö, 8. August Polignano a Mare, 28. August: Sisikon, 12. September: Hilo. <a href="http://www.redbullcliffdiving.com">www.redbullcliffdiving.com</a></p>
<blockquote><p>Erschienen im WIENER 348 / August 2010</p></blockquote>
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		<title>Alaba sei mit uns!</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 14:32:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Enzinger</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2276" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><strong><strong><img class="size-medium wp-image-2276" title="alaba_steindy" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2010/03/alaba_steindy-200x300.jpg" alt="cc by Steindy" width="200" height="300" /></strong></strong><p class="wp-caption-text">cc by Steindy</p></div>
<p><strong>Er wollte nie einer</strong> von denen werden. Jetzt ist er stolz darauf. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/David_Alaba">David Alaba</a>, 17 Jahre alt, Profifußballer. Nicht irgendwo, sondern beim <a href="http://www.fcbayern.t-home.de/de/aktuell/start/index.php">FC Bayern München</a>. Dem meistgehassten Fußballklub Mitteleuropas. Und dem erfolgreichsten. Der junge Mann komprimiert auf 173 cm Körpergröße die Hoffnungen von Millionen Österreichern, es könnte irgendwann einmal besser werden mit unserem Fußball. Er ist ein Kind der Globalisierung: Der Vater ein Musiker aus Nigeria, die Mutter eine Philippinin, und er selbst ist in Wien-Stadlau aufgewachsen. Der Vater ist in einem Stamm in Afrika eine Art Prinz.</p>
<p><strong>David ist der jüngste</strong> österreichische Fußball-Nationalspieler aller Zeiten und er ist die größte Aktie in der Jugendabteilung des FC Bayern, die eine der besten des Planeten ist. Louis van Gaal gilt als einer der unnahbarsten Trainer der Welt. Seine Töchter müssen ihn siezen, weil sie sonst seinen Respekt untergraben würden. Der Niederländer gilt als kalt und grob – zu grob für den alterden Weltmeister Luca Toni, dem Liebling der Münchner Schickeria. Den schickte er ins Ausgedinge nach Rom. Wenn Louis van Gaal etwas gar nicht mag, dann ist es Schwärmen. Schon gar nicht von jungen Fußballern, Teenagern, die glauben, sie könnten mit ihrer Art, die Kugel zu bedienen, den Erdball erobern. Wenn Louis van Gaal von David Alaba spricht, schwärmt er trotzdem. Er sagt: „Neben Franck Ribéry und Arjen Robben ist Alaba der einzige echte Dribbler in der Mannschaft.“ Ribéry und Robben würden für jede Weltauswahl nominiert werden, David Alaba ist 17, ein Kind aus Stadlau.</p>
<p><strong>„Manchmal danke ich Gott für diese Gabe“</strong>, sagt David. Seit Jänner trainiert er in der Kampfmannschaft des Rekordmeisters mit, so früh hat seit Menschengedenken kein Spieler mehr den Sprung in die Elite-Auswahl geschafft. 9 von 10 Teenagern würden abheben, ein bisschen durchknallen und sich – ehe sie die Führerscheinprüfung machen – einen Ferrari kaufen. David Alaba sagt Sätze wie „Ich will immer besser werden“ und fährt in jeder freien Minute heim zu den Eltern nach Wien. Mit dem Zug.</p>
<div id="attachment_2277" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-2277" title="alaba_steindy2" src="http://www.wiener-online.at/wp-content/uploads/2010/03/alaba_steindy2-300x199.jpg" alt="cc by Steindy" width="300" height="199" /><p class="wp-caption-text">cc by Steindy</p></div>
<p><strong>Bemerkenswert an David Alaba ist</strong>, dass er ein sympathischer und unbeschwerter Junge ist. Weder verbissen noch leichtsinning. Er ist einer der wenigen Künstler, die es schaffen, auch außerhalb ihrer Bühne verspielt zu wirken. Und nicht unter der Lawine der Erwartungen anderer zu zerbrechen. Wenn Hermann Gerland, seit Jahrzehnten erfolgreicher Nachwuchs-Förderer des FC Bayern, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung über den deutschen Nationalspieler Piotr Trochowski spricht, redet er plötzlich von einem anderen: „Auf einen aus unserer Jugend freue ich mich jetzt schon. David Alaba heißt der. Der macht mir jetzt schon gute Laune.“ Van Gaal: „Er ist nicht gut. Er ist sehr gut.“</p>
<p><strong>David hat die richtige Mischung</strong> aus Gottvertrauen und dem eigenen Wissen, wo es lang geht. Die Entscheidungen, die er schon treffen musste, sie erinnern eher an Fantasien pubertierender Jungen. Vor zwei Jahren wurde er nach dem Nike-Cup in Manchester von Vertretern von Arsenal, Manchester United, Liverpool und Chelsea angesprochen. „Ein Angebot hätte uns sofort zu Millionären gemacht“, sagt Vater George Alaba. Doch der Nigerianer, der mit 24 wegen eines WU-Studiums nach Wien kam und mit seiner Dancepopgruppe „Two in One“ einen Hit landete, hat im Musikbusiness eines gelernt: „Wenn du gut bist und dich durchsetzt, dann kommt das Geld ohnehin von alleine. Groß zu kassieren, bevor du deine Leistung erbracht hast, ist unseriös.“</p>
<p><strong>So entschied sich David</strong>, der schon mit 15 im Kader der Austria Wien stand, für die Bayern. Obwohl er mal keiner von denen werden wollte: „Die hatten bei Jugendturnieren immer so ein Auftreten. Ich habe die Bayern gehasst. Sie sind mit den schönsten Anzügen gekommen und mit dem dicksten Bus und haben sich feiern lassen.“ Aber die Bayern haben auch eine zweite Seite: „Der Club ist von innen wie eine große Familie.“ Eine Familie, die ihn fördert. Keiner wurde in den letzten Monaten so gepusht wie Alaba, der im Jänner sogar mit ins Trainingslager nach Dubai durfte. Und beim Testspiel in der Säbener Straße gegen Ingolstadt für einen gewissen Franck Ribéry eingewechselt wurde. <a href="http://www.transfermarkt.at/de/ralf-muhr/aufeinenblick/trainer_5243.html">Ralf Muhr</a>, einst als Leiter der Nachwuchsakademie in Hollabrunn Förderer Alabas, war Augenzeuge: „Es war ein tolles Gefühl zu sehen, wie die beiden abklatschten. Der Bursche ist echt angekommen in der großen Fußballwelt.“ Muhr ist fasziniert vom Tempo des Alaba’schen Karriereverlaufs: „In der Akademie war er anfangs nicht überragend, aber mit 15 ist er explodiert. Da hat er alle anderen überholt. Auffallend: Er hatte nie Leistungsschwankungen, wie sie sonst bei jungen Spielern normal sind. Egal ob in der Halle oder auf dem Feld, ob gegen ältere oder gleichaltrige – er war immer gut.“</p>
<p><strong>Vielleicht auch, weil die Eltern</strong> wenig Druck machen. <a href="http://twitter.com/kropix">Hannes Kropik</a>, Sportmagazin-Journalist, hatte die Familie schon 1998 kennengelernt – weil er eine Story über den Hitparadenhöhenflug des Vaters schrieb: „Aber der eigentliche Star war ein Knirps im Bayern-München-Dress, der unaufhörlich Kunststücke mit seinem Ball machte. Damals ging er in die erste Klasse Volksschule.“ Der Bub träumte davon, Fußballer zu werden, später weniger: Als Achtjähriger zog er sich im ersten Training für den SV Aspern eine Leistenzerrung zu, dann wollte er nichts mit Vereinsfußball zu tun haben. Er spielte lieber bis Sonnenuntergang auf der Wiese.</p>
<p><strong>Aber er hatte zuviel Talent,</strong> die Asperner holten ihn zurück. Das ist keine zehn Jahre her. Jetzt trainiert er Tag für Tag mit Robben, Ribéry, Lahm, Klose oder Gomez. Und mit dem Ex-Barcelona-Star <a href="http://www.weltfussball.de/spieler_profil/mark-van-bommel/">Mark van Bommel</a>. Er ist im Moment sein Idol: „Er hat schon soviel vorzuweisen in seiner Karriere und ist doch so bodenständig. Und er gibt immer wieder Vollgas.“ Mit den Profis des FC Bayern zu trainieren, ist wie eine Ausbildung in Harvard: „Ich lerne jeden Tag in allen Bereichen dazu: taktisch, spielerisch, alles.“</p>
<p><strong>Für Ralf Muhr</strong> ist er „der letzte Universalspieler. Den kannst du überall hinstellen und er wird immer seine Leistung bringen. Egal ob links hinten, in der Innenverteidigung, defensiv oder offensiv.“ David Alaba hat die Gene, den Geist und das Genie zur Weltkarriere.</p>
<div>
<hr /></div>
<p><strong>DIE FAKTEN</strong><br />
David Alaba</p>
<p><strong>Seine Herkunft:</strong> Der Vater ist aus Nigeria (jetzt DJ im Beverly Hills), die Mutter von den Philippinen. David wird am 24. Juni 1992 in Wien geboren, wächst mit seinen Eltern in Stadlau auf.</p>
<p><strong>Seine Fussssball-Biograraphie:</strong> Von 2000 bis 2002 beim SVSV Aspern, dann bis 2008 bei Austria Wien (inkl. Frank-Stronach-Akademie in Hollabrunn). Seit 2008 bei Bayern. Erstes Spiel für die A-Mannschaft im August 2009 in einem Test. ÖFB-Teamdebüt am 14.10.09 gegen Frankreich.</p>
<blockquote><p>Erschienen im WIENER 343 / März 2010</p></blockquote>
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