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Das Weiß der Trikolore: Best of Friaul

Grigio, Friulano und Sauvignon blanc - Highlights vom Nachbarn.

Das Schöne am traditionellen Auftakt des Verkostkalenders, zu dem Wolfgang Obermaier ins Museumsquartier lud (weitere Termine 2013 unter: www.weintage.at), sind immer die Entdeckungen. Selbst der Organisator freute sich gleich neben mir an der Qualität bislang in Österreich wenig bekannter Produzenten, die durch das Schneechaos nach Wien gefunden hatten. Nachdem das Wetter den italienischen Gästen zusetzte, entschloss ich mich zum Voodoo-Trinken, es wurden also hauptsächlich Weißweine gekostet, um den Frühling herbeizuzaubern. Im Glas funktionierte das mit einigen der Italiener recht gut – nämlich den folgenden.

Ein Eindruck, den ich bereits 2012 als Verkoster bei „Friulano & friends“, der großen Sortenkost der Friulaner Weißweine, notiert hatte, bestätigt sich erneut. Die größte qualitative Streuung gibt es beim „Friulano“, wie der ehemalige Tocai heute heißt. Besonders typisch fiel der bei Iole Grillo in Prepotto aus: Bereits die Nase des 2011ers, der auf 40-jährigen Weinstöcken wächst, zeigte das typische, leicht an Käse erinnernde Duftprofil der Sorte. Momentan macht der Wein im Finish noch etwas dicht, die schöne Aromatik von kühlem Stahl gegen Ende verspricht aber einiges für die Zukunft. Ein weiterer Tipp aus dem Hause ist der Refosco, auch bei diesem Rotwein war eine leichte Eisennote zu spüren, die der ansonsten überaus saftigen Sortenrarität eine gute Struktur verleiht.

Immer einen Schluck wert ist der Friulano „Sbilf“ von Lis Fadis, in der Betonwanne gekeltert, und das liebvoll wie alles, was der stilsichere Alessandro Marcorin, Antiquitätenhändler und Eigentümer eines stilvollen Verkostraums (in Spessa bei Cividale) angreift. Der vollmundige 2010er trägt den Namen eines Kobolds, irrlichtert entsprechend zwischen Passionsfrucht, Mandelkeksen und Wacholder und ist gerade jetzt in feiner Form. Fazit: Für alles Gebackene eine Empfehlung als Speisenbegleiter, aber auch als Solist eine regelrechte Freude.

Wer die Region eher mit Pinot Grigio verbindet, findet die weiter oben schon angedeutete Entdeckung in San Floriano am Collio, einer an sich weitgehend „abgegrasten“ Gegend, wo es aber immer noch Grigios wie den von Marino Humar zu finden gibt. Nach Waldhonig und Kräutern duftend und bereits hier seine 14 Volumsprozente nicht verleugnend, überrascht er am Gaumen mit einer deutlichen Mineralität. Immer wieder zeigt er darüber seine Muskeln, dank einer säurig-herben Konstante (Orangenzeste) entdeckt man aber immer neue Facetten. Dazu sorgt seine schöne Länge für ein Trinkvergnügen, das man mit Grauburgundern alten Zuschnitts – oft eindimensional und für die schnelle Erfrischung gemacht – nie verbunden hätte.

Damit wir auch den Sauvignon nicht vergessen, den mittlerweile viele preisbewußte Genießer den steirischen Vertretern vorziehen, sei noch ein herausragender, aber untypischer Vertreter gewürdigt. Die ausgewählten Trauben des Weinguts Aquila del Torre werden für den „Vit Dai Maz“ im Barrique gereift, statt grasiger Aromen kommt so ein fast cremig-runder Sauvignon ins Glas. Aromatisch klar auf der herben Seite, sorgt vor allem der Grapefruit-Touch für die Frische, die wuchtige Weine wie diesen vom Abgleiten in die Breite und Fadess bewahrt. „Jenseits der Katzenpisse“, könnte man für alle Weinfreunde, denen der Sauvignon durch diese Duftnote verleidet wird, hinzufügen.

Ein bisschen etwas von allem brachte der „Bianco Pe Ar“ mit, der aus der schönsten Weißweinserie der vertretenen Winzer stammt. Bei Edi Skok überzeugte bereits beim Pinot Grigio (leicht mineralisch, süffig und rund) das Preis-Leistungsverhältnis und die Sortentypizität. Skoks Cuvée aus San Floriano bringt Chardonnay (60%), den Grigio (30%) und Sauvignon blanc (10%) in zweit-befüllten Barriques zusammen, was den letzten aromatischen Schliff verleiht. Flieder, Earl Grey und Bienenwachs laden in der Nase ein zum Kosten, der erste Schluck schillert zwischen Apfel und Birnen mit einer leichten Vanillenote. Die reife Art begeistert trotz der Jugend (2011) des Weines und macht ihn zu einer Empfehlung mehr für die sommerliche Einkaufsfahrt zum Nachbarn.

Bezugsquellen:

  • Iole Grille, Friulano 2011, EUR 10 ab Hof, www.vinigrillo.it
  • Lis Fadis, Friulano „Sbilf“ 2010, EUR 18,90 beim Braunauer Händler “Vino365”, www.vino365.com
  • Marino Humar, Pinot Grigio 2011, EUR 7 ab Hof, www.humar.it
  • Aquila del Torre, Sauvignon blanc Selektion „Vit Dai Maz“, EUR 17 ab Hof, www.aquiladeltorre.it
  • Weingut Skok, Pinot Grigio 2011 bzw. „Bianco Pe Ar“ 2011, EUR 7,50 bzw. 10,50 ab Hof, www.skok.it

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Monday, 20.05.2013, 09:06 Uhr

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Roland Graf
Mag. Roland Graf weiß als Wein-Kenner und Genussspezialist stets, wo der Bartl den besten Most herholt, welcher Winzer Top-Weine keltert und welche Küche gerade begeistert. Und verrät es regelmäßig im WIENER. (Foto: Bami Hoffmann)

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