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Kliener Wochenrückblick, 18. 1. 2013

Übermorgen ist es endlich so weit – die Schlacht ums Heer wird entschieden. Da werden sich viele in der Wahlzelle fragen: Und wo kommt das Kreuzerl für die Abschaffung hin?

Denn viele sind verunsichert: Brauchen wir überhaupt noch ein Heer? Europa ist zusammengerückt, der kalte Krieg ist vorbei, und die jungen Männer sind heute eh alle so dick, dass sie keine fünf Kilometer mehr zu Fuß gehen können. Ohne Zweifel: Die Gefahr, dass albanische Panzer das Marchfeld überrollen, ist ungefähr so groß wie die Gefahr, dass bei der Polizei der Rassismus ausstirbt. Und wie heißt die Waffe, die beim österreichischen Bundesheer am häufigsten verwendet wird? Gulaschkanone.

Aber die Abschaffung des Heeres steht ja nicht zur Debatte. Die Wehrpflicht ist es, auf die viele verzichten wollen. Das Bundesheer hilft im Katastrophenfall, sagen sie – und das ist gut so. Aber was nützen Panzer bei Hochwasser? Und Gewehre gegen Muren? Oder will man mit Kanonen die Lawinen erschießen? Da würde ein unbewaffnetes Bundesheer genügen. Und nach dem Ende der Wehrpflicht wäre wohl endlich auch das Garde-Pony Geschichte. Derzeit müssen in der Wiener Maria-Theresien-Kaserne nämlich zwei Grundwehrdiener das Garde-Pony betreuen. Und vom militärischen Rang her ist das Pony den Rekruten übergeordnet. Das ist halt beim Heer oft so: dass der mit weniger im Hirn mehr zum Sagen hat.

Was angeblich auch gegen die Wehrpflicht spricht: Wenn die Gleichstellung der Frauen durch ist, müssten diese genau so zum Heer wie Männer. Dann haben wir den Krieg der Geschlechter! Denn was machen eine Frau und ein Mann, die sich beim Heer verlieben? Sie müssen um ihre Beziehung kämpfen. Obwohl das vielleicht so schlecht gar nicht ist. Für Paare ist es ohnehin das Wichtigste, die Kunst der Kriegsführung zu erlernen. Das bisschen Liebe ergibt sich dann nebenbei. Was allerdings zu beachten wäre: Wenn Frauen tatsächlich auch zu Heer und Zivildienst müssten, kann websingles.at zusperren!

Also ist das Berufsheer die Lösung? Aber ein Berufsheer ist viel teurer als viele behaupten. Die Summen, die derzeit genannt werden, reichen doch gerade, um genügend Leute ins Heer hineinzuquatschen. Das fragt man sich ja überhaupt – wie werden diese Werbekampagnen aussehen? Hier ein paar Ideen für Slogans:

  • I want you for Austrian army!
  • Ist dir fad? Werd Soldat!
  • Erst ein Doofi, dann ein Profi!
  • Weil Gott den Mann zum Kämpfen schuf, / geh her, und mach es zum Beruf!
  • Du fühlst dich klein? Dann komm zum Heer! / Hier bist du selbst als Trottel wer.

Also ist die wichtigste Frage: Wieso entscheidet nicht die Politik selber über die Zukunft des Heeres? So schlecht, wie diese Volksbefragung vorbereitet ist – für beide Lösungen keine echten Konzepte, keine Detail-Informationen für Interessierte, nur Emotion statt Sachlichkeit – das ist eine  Frechheit gegenüber den Bürgern. Oder wie man auch sagen könnte: Feigheit vor dem Feind!

Und: Die Politiker können sich ja nicht einmal selber entscheiden. Einmal meint Darabos: “Für mich ist die Wehrpflicht in Stein gemeißelt. Mit mir als Verteidigungsminister wird es kein Ende der Wehrpflicht geben.” Und ein paar Monate später ist wieder ein Berufsheer das Heil des Landes. Was will man dazu sagen? Naja, Darabos war Zivildiener. Wie soll sich der auskennen? Kann der überhaupt schießen? Höchstens ins eigene Knie…

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Wednesday, 22.05.2013, 20:50 Uhr

Autorenprofil Peter Klien

Peter Klien
Peter Klien ist zwar in Hollabrunn in Niederösterreich geboren, wuchs aber ab seinem 5. Lebenstag in Wien auf. Die weiteren Stationen eines bewegten Lebens: Schauspieler, Kabarettist, Autor für die ORF-Late-Night-Show "Willkommen Österreich", Lektor für altgriechische Philosophie an der Universität Wien, Pressesprecher im Österreichischen Bibliothekenverbund. Reicht nicht? Eben. Deshalb schreibt er jetzt für wiener-online. (Foto: Bernhard Noll)

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