Bourbon: „Ildefonso“ aus dem Eichenfass
Wie die Japaner eine Südstaaten-Legende wieder flott machen.
Wenn ein neuer Destillen-Eigentümer als erstes sämtliche Bestände aus den Supermärkten zurückkauft, darf man sich über die Qualität getrost Sorgen machen. Genau das tat Kirin (der japanische Brauerei-Gigant) mit seinem Neuerwerb „Four Roses“ vor 10 Jahren. Dabei hatten Europäer immer Glück, sie wurden aus dem Stammhaus in Kentucky beliefert, während die US-Kunden mit einem Blend, der nur das romantische Rosen-Label trug, versorgt wurden. Mittlerweile erweitert die Marke ihr Portfolio bereits im Sinne eines Upgradings. Allerdings hat man bisher der Versuchung Flavoring widerstanden. [Außer Protokoll ein Satz, wohin die Aromatisierung führen kann: Für 2013 ist beim Mitbewerb ein Bourbon-Honey angekündigt, den ich bereits kosten durfte – schmeckt wie eine Bailey’s gefüllte Mannerschnitte. Man hofft auf weibliche Käuferschaft … ]
Aber zurück zum „Single Barrel“ aus Kentucky, bei dem ich dank süßer Aromen in der Nase schon einen ähnlichen Verdacht hatte. Amaretto, „Créme brulée“, vor allem aber viel Nougat‚ („Ildefonso“) und ein Hauch Kardamon und Muskat waren zu erschnuppern. Doch hier täuscht die Nase, denn nach einem sanften Beginn meldet sich ab dem Mittelstück der 50%ige Alkohol, um im Finish einer Toffee-Muffin-Mischung zu weichen. Wie immer bei diesen Alkoholgradationen wirkt der zweite Schluck deutlich harmonischer, auch etwas Kokos kommt nun am Gaumen durch.
Noch stärker wird die Schoko-Kokos-Paarung beim seltensten Stück in der Four Roses-Familie, der „Limited Edition 2012“. Gerade 96 Flaschen des 12 Jahre gereiften Fassstärken-Whiskeys (55,2%) kommen in Österreich in den Handel. „So nah wie irgendwie möglich zum Geschmack direkt aus dem Fass zu kommen, war das Ziel“, flüsterte mir Brand Ambassador Dan Priseman. In der Nase fallen vor allem die roten Früchte auf, Himbeeren, zarte Herzkirsche und Erdbeeren werden von Muskat und eben einem satten Kokosakzent garniert („Bounty“, um auch hier im Süßwarenregal Anleihe zu nehmen). Am Gaumen findet sich Vanille wieder, vor allem aber ein deutlich pfeffriger Akzent, der langsam übergleitet in das von Waldhonig, Zimtstangen und Kokos geprägte Finale. Fazit: Ein vielschichtiger Bourbon, der den Hausstil – ungewöhnliche Duftnoten, milder Beginn und alkoholsattes Finish – klar zeigt, dabei angenehm und runder ist als viele Single Malts, aber kein „Schmeichler“.
Bezugsquelle:
- Four Roses, Single Barrel um 35,99 bei Killis, www.killis.at bzw. Four Roses „Limited Edition 2012”, um EUR 129 bei Ammersin (schnell sein, 40 Flaschen verfügbar!), www.ammersin.at


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