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Wir sind geblendet vom Edel-Metall

Mixen unterscheidet sich vom Zusammenleeren dadurch, dass ersteres schwierig ist. Dies einmal vorweg, damit wir die Hardcore-Fraktion nicht gleich zu Beginn verlieren. Denn es geht zwar um schottischen Whisky, aber eben um zwei in Österreich neue Blends. Während bei einer Rotwein-Cuvée keiner die Hände zusammenschlägt und auch keine Blaufränkisch only-Zirkel bekannt sind unter den Konsumenten, sieht das bei den Single Malt-Verfechtern schon anders aus. Also, damit es heraußen ist: Johnnie Walker, in Barkreisen auch JW abgekürzt, hat seine Farbpalette um zwei weitere Töne erweitert.

Schön langsam gehen die Farben aus, will man nicht irgendwann beim Pink Label landen, aber das nur nebenbei (die Kindheit in der Maler-Werkstatt bricht gerade durch, verzeihen Sie). Inzwischen verkosten wir den „Platinum Label“, der auch optisch etwas hermacht. Der aus mindestens 18 Jahre alten Whiskies „geblendete“ Platinerne zeigt tatsächlich Facetten vieler Whiskystile, was ja im Idealfall einer der Vorteile des Blendings sein kann. Neben der Karamellnote, die gemeinsam mit der „dry smokiness“ den Hausstil prägt, kitzeln vor allem medizinale Töne die Nase. Ja, ihr Freunde der Insel-Malts, selbst Torf kommt da kräftig heraus. Der erste Schluck zeigt noch diese Aromen, aber der rauchig-scharfe Beginn weicht allmählich einer angenehm runden, fast cremigen Empfindung (sagen wir: Milchkaffee). Anis kommt durch und andere Gewürze wie Piment. Kurz: Der platinene Walker verändert sich noch schön, das ist auch gewollt, mehr dazu dann etwas weiter unten.

Die preisgünstigere Variante der neuen Edelmetall-Labels stellt die Gold-Reserve dar. Auch aromatisch spricht einiges für seinen vorweihnachtlichen Einsatz. Denn die Karamell- und Blockmalz-Noten (da lachen die Kinder der 1970er!) in der Nase haben auch am Gaumen süße Entsprechungen. Pfeffernüsse heißt die Schnittmenge, die sich aus den Eindrücken röstig/würzig/süß ergibt, aber auch Cornflakes lassen sich herausschmecken. Wie immer gilt aber auch hier, dass die „second wave“, wie es die JW-Verkoster so gerne nennen, abzuwarten ist: Der zweite Schluck, bei dem die subtileren Aromen sich langsam vorarbeiten im Glas.

Und wer sich auch mit Lektüre beschenken will zu diesen Blends, dem sei der Krimi „Smokeheads“ (Doug Johnstone, BTB-Verlag) empfohlen: Herrenrunde, viel Whisky und ein wenig Horrorshow, den der Männertrip läuft kräftig aus dem Ruder. Wohl bekomm’s!

Bezugsquelle:

  • Johnnie Walker „Gold Label Reserve“, EUR 40,20, bzw. J. W. „Platinum Label“, 84 EUR, bei Del Fabro, www.delfabro.at

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Monday, 20.05.2013, 20:49 Uhr

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Roland Graf
Mag. Roland Graf weiß als Wein-Kenner und Genussspezialist stets, wo der Bartl den besten Most herholt, welcher Winzer Top-Weine keltert und welche Küche gerade begeistert. Und verrät es regelmäßig im WIENER. (Foto: Bami Hoffmann)

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