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Jungwein und andere Premieren

Traditionelle Sorten liefern Neuigkeiten aus der Thermenregion.

Vibrierende Alpenkräuter in der Nase lassen erst langsam die fruchtigeren Aromen aus dem Glas steigen: Zarte Rosenmarille und etwas Bananenmilch (!), später auch filigrane Zitrusfrüchte, vor allem Limette. „Ein schwieriger Wein“, ließen die Blindverkoster nach dem ersten Schluck wissen – und hatten recht damit. Denn der in der Amphore gereifte Rotgipfler-Weißburgunder aus dem Hause Landauer-Gisperg entzieht sich gängigen Geschmacksmustern. Gelbe Ringlotten, dazu wieder die Kräuterwürze (intensiv wie im Almdudler) und ein zartes Bitterl im Finish machen die „Weiße Amphore“ so außergewöhnlich. Nichts für die „Zisch-frisch“-Fraktion, aber eine fast vibrierende Cuvée, die den Wein-Horizont erweitert.

Nein, es ist kein Chardonnay im Barrique! Die Oppulenz, die exotische Fülle – Papaya, kandierte Ananas – und der Honigduft weisen nicht fürs Erste nicht unbedingt in die Thermenregion. Doch die Kraft des zweiten neuen Weines sollte nicht überraschen, stehen am Lehmboden des Harterbergs traditionell auch schwere Rotweine wie der Merlot Leo Aumanns. Allerdings hat Christian Fischer hier auch seinen Rotgipfler „Premium“ stehen, der nach acht Monaten im 500-Liter-Fass nun erstmalig präsentiert wurde. Cremig, mit viel saftiger Mango und etwas weißer Schokolade, wird er momentan noch sehr vom Holz getragen. Man darf aber bereits jetzt die Menüfolgen komponieren, die er ab kommendem Jahr kongenial begleiten wird.

Aber auch in Rot gibt es News von der Südbahnstrecke. Genauer gesagt, ist der junge 2012er da. Mittlerweile stellt die – ich sag’s noch mal: rote – Cuvée der acht Burgundermacher eine echte Therapie dar, um mein angeborenes Vorurteil gegen Jungweine abzubauen. Weichselsaft lautet der erste Geruchseindruck, dazu kommt Cassis und viel Nougat. Die Sorten der Cuvée aus St. Laurent (Würze), Pinot Noir (Eleganz) und Blauem Portugieser (Fruchtigkeit) kommen tatsächlich abwechselnd durch: Mit einem zarten Anflug von Kirschmarmelade mit Thymian im Finish zaubern die Burgundermacher dann sogar eine provencalische Note ins Glas. Und auch, wenn’s draußen schneit, gehört dieser Wein sommerlich-kühl genossen – oder am besten statt all den „staubigen“ Weißweinen zum Gansl.

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Saturday, 25.05.2013, 19:48 Uhr

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Roland Graf
Mag. Roland Graf weiß als Wein-Kenner und Genussspezialist stets, wo der Bartl den besten Most herholt, welcher Winzer Top-Weine keltert und welche Küche gerade begeistert. Und verrät es regelmäßig im WIENER. (Foto: Bami Hoffmann)

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