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Déjà bu: Neues aus der Champagne

Prickelndes für Einsteiger und Royals beim Schauwein-Feiertag.

Ziemlich gut wird Champagner-Freunden das Jahr 2012 in Erinnerung bleiben. Denn aufgrund einer Terminumstellung fand die Leistungsschau der französischen Häuser gleich zwei Mal statt. Schließlich wollte Veranstalter „Falstaff“ die Freunde des Prickelns nicht von Februar 2012 bis Oktober 2013 warten lassen. Gut so, denn es gab wieder Neues aus den Kellern von Reims, Epernay und Co.

Joseph Perrier hatte bei der Gründung 1825 seine Weinberge in Châlons-en-Champagne, heute ist man „der Letzte Mohikaner“ im Arrondisment, wie das Haus selbst über den Standort schreibt. Der Qualität des kleinen Produzenten tut das keinen Abbruch, die „Cuvée Royale“ etwa stellt ein einziges Plädoyer dar, nicht auf den Champagner-Anlass zu warten, sondern ihn ruhig öfter zu servieren. Schon in der Nase ist er bemerkenswert lebendig, Apfel und etwas kreidige Noten kommen hier durch. Vor allem aber begeistert das Frucht-Säure-Spiel des relativ gleichmäßig aus Chardonnay (35%), Pinot noir (35%) und Pinot Meunier (30%) hergestellten Schaumweins. Selbst wer von reifem Champagner bisher wenig hielt (was es nicht mal so selten gibt), kann an diesem unkomplizierten Brut Freude haben.

Ebenfalls einen schönen Einstieg in die Champagner-Welt bietet der „Esprit Brut“ von Henri Giraud. Mit 70% Chardonnay-Anteil sind wir eher auf der „weißen Seite“ des Champagner-Geschmacks zuhause, was bedeutet, dass sich Brioche und Orangenschale im Duft, sowie eine schöne Cremigkeit am Gaumen durchsetzen. Die 30% Pinot in der Assemblage setzen ergänzende zarte Akzente, etwa eine zarte Kirschblüten-Note im Duft. Mit seiner frischen Perlage bietet er einen unkomplizierten Champagner für wenig Geld.

Punkto Rosé war einmal mehr kein Vorbeikommen an Billecart-Salmon. Schon die Nase oszilliert zwischen Creme-Noten und Fruchtigkeit wie eine Bäckerei-Auslage voller Fruchtplunder. Der Verdacht liegt nahe, dass hier ein ganzer Korb an saftig-sauren roten Früchten in der Flasche steckt: Konkret sind es Ribisln, Erdbeeren und Kirschen, die sich abwechseln. Dazu kommt eine unglaublich feine Perlage, die dem gesamten Wein eine Zugkraft verleiht, die mit Süffigkeit nur unzureichend beschrieben wird.

Und wo wir gerade bei der Oberliga sind: Pol Roger, den sich die britischen Monarchie-Darlings Kate und William zur Vermählung schmecken ließen, hatte die wohl vielschichtigste Serie mitgebracht. Ein feinperlig-eleganter Blanc de Blancs aus dem Jahr 2000 stand dem kräftig-cremigen Jahrgangschampagner des Ausnahmejahrgangs 2002 gegenüber, sie alle – sowie auch der an Mandarinen erinnernde Brut – wurden getoppt vom „Winston Churchill“ 2000. Nach elf Jahren auf der Hefe hat er eine Struktur entwickelt, die einem Säure, Extrakt und weinige Reife wie in drei Akten nacheinander präsentiert. Mit jedem Schluck entdeckt man eine neue Seite dieses momentan ganz großartigen Weins.

Bezugsquelle:

  • Joseph Perrier, „Cuvée Royale Brut“, EUR 39,90 bei VINOpolis, www.vinopolis.at
  • Henri Giraud, „Esprit Brut”, EUR 29,40 bei Gawein Bruckner, www.gawein.at
  • Billecart-Salmon, „Brut Rosé”, EUR 63,30 bei Kracher Fine Wine, www.kracherfinewine.at
  • Pol Roger, „Brut”, EUR 45, „Vintage 2002“, EUR 65, „Blanc de Blancs“, EUR 70 sowie „Winston Churchill 2000“, EUR 135 bei L. Derksen & Co., www.derksen.at

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Monday, 20.05.2013, 00:56 Uhr

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Roland Graf
Mag. Roland Graf weiß als Wein-Kenner und Genussspezialist stets, wo der Bartl den besten Most herholt, welcher Winzer Top-Weine keltert und welche Küche gerade begeistert. Und verrät es regelmäßig im WIENER. (Foto: Bami Hoffmann)

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