Das große Gähnen
Seyffenstein statt Sido – kein durchschlagender Erfolg. „Die große Chance“ (DGC) im ORF wird zum großen Gähnen.
Rudi Roubinek alias Seyffenstein hat sich als Juror Mühe gegeben und wacker geschlagen (wenn auch nicht so Aufsehen erregend wie Sido gegen Heinzl). Trotzdem ist DGC ohne den Rüpel-Rapper made in Germany nur halb so lustig. Immerhin leben Casting-Shows sowohl von ihren Kandidaten, für die man sich fremdschämen muss, als auch von ihren Jury-Mitgliedern, die gnadenlos verbale Watschen austeilen.
In beiden Fällen hat sich der ORF schon vor der sogenannten Prügel-Affäre schwer getan. Mit den Kandidaten verfährt man aufgrund des öffentlich-rechtlichen Auftrages vergleichsweise höflich – das schmälert natürlich Fremdschämen und Schadenfreude auf Zuschauerseite. Und wie es sich für einen braven öffentlich-rechtlichen Sender gehört, musste man Sido nach dem Zwischenfall mit Heinzl den Spitz geben. Ein Privatsender hätte, um es knistern zu lassen, beide Protagonisten in die Jury gesetzt.
Damit sind wir beim eigentlichen Dilemma: Braucht ein öffentlich-rechtlicher Sender, dessen Boss aus Geldmangel über eine „Haushaltsabgabe“ (also über das Kassieren von noch mehr Gebühren) nachdenkt, eine Castingshow? Für Braunschlag zahle ich gerne. Aber für das große Gähnen? Nein. Beziehungsweise um mit den DGC-Jury zu sprechen: vier Minus!
P. A.


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