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Torf, Baikonur und die innere Heizung

Forscher-Drang und -Trank: Single Malt mit „Laika“-Nostalgie.

Let’s face it: Es wird wieder kalt hierzulande. Das mag viele Nachteile haben, aber man greift im herbstlichen Wetter auch wieder zu Flaschen, die man den Sommer lang unbeachtet ließ – die Schnapsbar ist wieder offen! Und wie ein Meteorit schlägt hier ein Neuzugang ein: „Galileo“, die Limited Edition von Ardbeg. Die kosmologische Metaphorik hängt mit einem spannenden, vor allem aber P.R.-trächtigen Forschungsprojekt zusammen, das das Islay-Whiskyhaus gerade durchführt.

Eine Flasche Ardbeg und getoastete Eiche traten vom Raumhafen Baikonur aus den Weg ins Weltall an. Auf der Raumstation ISS wird zwei Jahre lang untersucht, wie die Alterung, der wir Erdenkinder so schöne Aromen verdanken, unter schwerelosen Bedingungen voranschreitet. Das Design von Flasche und Karton zitiert die kosmonautische Ästhetik, dass es nur so eine Freude ist; sogar ein Hund mit Flughelm zitiert am Etikett Laika, das erste Säugetier im All (so weit wir halt wissen, liebe Ufologen).

Viel wurde unter Whiskyfreunden schon über diesen limitierten Forscher-Trank spekuliert, nun lässt sich nachkosten, wie die Weltall-Hommage schmeckt. Vorausgesetzt, man ist schnell und hat das entsprechende Kleingeld. Denn die Preise variieren über den deutschen Richtpreis (EUR 70) hinaus recht deutlich, auch 129 Euros werden im österreichischen Handel verlangt, allerdings gibt es auch nur wenige Flaschen für die Alpenrepublik.

„Eindeutig Islay“, lautete der erste Verkosterschrei, die berühmte torfige Note aller Ardbegs steht auch beim „Galileo“ im Vordergrund. Sind Jod und Rauch einmal in den Hintergrund getreten, schälen sich Cornflakes und Toffee aus dem Bukett an Geruchswahrnehmungen. Der erste Schluck bringt auch Preiselbeere und eine angenehme Süße zum Vorschein, ohne diese wären die 49% Volumsprozente, mit denen der Whisky im Finish „anschiebt“, wohl etwas zu viel des Guten. Kräftig bleibt der Neuzugang in jeder Phase, für Einsteiger in Sachen Malts sollte er daher nicht eingeschenkt werden. Für den Kenner, der schon alles hat, wird er eine Entdeckung sein. Und für alle, die im Pullover frösteln, hätten wir hier eine edle und willkommene innere Heizung anzubieten.

Bezugsquelle:

  • Ardbeg „Galileo“, EUR 99 bei Caledonia, www.caledonia.at
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    Roland Graf
    Mag. Roland Graf weiß als Wein-Kenner und Genussspezialist stets, wo der Bartl den besten Most herholt, welcher Winzer Top-Weine keltert und welche Küche gerade begeistert. Und verrät es regelmäßig im WIENER. (Foto: Bami Hoffmann)

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