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Kliener Wochenrückblick, 17. 8.

Norbert Darabos folgt Hans Krankl als Prophet der Volksgesundheit. Die ÖBB folgen ältesten Erkenntnissen. Nur wer folgt dem Bi Ba Butzemann?

Peter KlienDie Olympia-Pleite war für Norbert Darabos schwer zu ertragen. Da fliegt er extra ein paar Tage nach London, damit er mit den Gold-Helden der Nation vor der Kamera High-Five macht – und was passiert? Die lassen ihn dort böse einfahren! Nur logisch, dass der Sportminister Satisfaktion verlangt. Geld soll es ab sofort nur mehr für erfolgsversprechende Sportler geben. Wie in der DDR. Gäbe es eine ähnliche Regelung für Politiker, wäre Darabos statt Verteidigungsminister wohl nur mehr Zivildienstbeauftragter in Kroatisch-Minihof. – Zusätzlich brauchen wir die tägliche Turnstunde in der Schule, sagt der Minister. „Die solln kürzen de Lateinstunden. Heit mußd no immer lernen Latein. Wer braucht Latein? Schwachsinn!“ So hat das ein anderer Reformer vor Jahren formuliert. „Turnen – dann sind unsere Kinder ned dick! Turnen – dann san unsere Kinder gesund!“ Dazu vielleicht noch die tägliche Physikstunde – dann wird Österreich auch bald Nobelpreissieger. Hans Krankl hatte schon Recht: „Da beginnt die Wurzel …allen!!!“ – Dabei hätte ja Darabos selbst die Medaillen holen können. Er hätte nur selber Sportler werden müssen. Zumindest laut Markus Rogan. Denn mit so wenig im Kopf wäre er bestimmt höchst erfolgreich geworden.

Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann in unserm Land herum. Dideldum. Frank Stronach geht dieser Tage und sucht alte Politiker für seine neue Partei. Den ersten Mandatar hat er schon gefunden. Gerhard Köfer, Bürgermeister von Spittal an der Drau, ist aus der SPÖ ausgetreten und sitzt jetzt als wilder Abgeordneter im Hohen Haus. Was aber machen wilde Abgeordneten eigentlich? Gehen sie wild unfrisiert ins Plenum? Schlagen sie Kollegen wild am Gang? Oder rülpsen sie wild ins Mikrophon? Viel ärger: Sie haben eine eigene Meinung! (Wobei: Manche putzen auch im Ausland Statuen!)

Die Österreichischen Bundesbahnen haben vor kurzem viele Bahnlinien der Ostregion auf Rechtsverkehr umgestellt. In einer eigenen Broschüre informieren sie genau über den Grund für die Aktion (und es wird wirklich nur ein Grund genannt): “Die ersten Bahnstrecken im Gebiet der k.k. Monarchie waren auf Linksverkehr ausgerichtet. (…) Bald stellte sich heraus, dass der Linksverkehr für den Lokführer eine erschwerte Sicht auf die Signale mit sich brachte. Da der Heizer links und der Lokführer rechts auf der Lok stand, behinderte der Kessel die Sicht auf die links von der Strecke angeordneten Signale.“ Das darf natürlich nicht länger so bleiben. Schließlich möchte man mit der Dampflok keine Probleme haben – wenn einmal der Strom ausfällt! Besonders schön aber der Schlusssatz: „ Bereits 1909 begann man daher schrittweise mit der Umstellung auf Rechtsverkehr.“ So ist das: Für die wirklich wichtigen Dinge sind auch hundert Jahre oft ein bisschen wenig Zeit!

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Saturday, 25.05.2013, 07:15 Uhr

Autorenprofil Peter Klien

Peter Klien
Peter Klien ist zwar in Hollabrunn in Niederösterreich geboren, wuchs aber ab seinem 5. Lebenstag in Wien auf. Die weiteren Stationen eines bewegten Lebens: Schauspieler, Kabarettist, Autor für die ORF-Late-Night-Show "Willkommen Österreich", Lektor für altgriechische Philosophie an der Universität Wien, Pressesprecher im Österreichischen Bibliothekenverbund. Reicht nicht? Eben. Deshalb schreibt er jetzt für wiener-online. (Foto: Bernhard Noll)

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