Big Time
Er war 26. Ich nicht. Sein Fahrrad passte wunderbar in den Kofferraum meines kaputten Volvos und das war nicht das einzige, was scheinbar von Natur aus zusammengehörte.
Claude war ein Mann mit einem französischen Vornamen und den besten Vorrausetzungen für gehobene Stellungen und anstrengungsloses Vergnügen in jeder Lebenslage: Grundausstattung XXL. Erfahrungsgemäß KEINE Selbstverständlichkeit bei einer Körpergröße von 1,92. Mein Entzücken beim Auspacken dieses Geschenks war verständlicherweise riesig. Dafür war der Rest eher minimalistisch: Kein Vorspiel, keine Koseworte, kein Frühstück. Sex ohne Worte, lebenshungrig, unrasiert. Eine Matratze im WG-Zimmer, ein Schlafzimmer ohne Fenster, die dreckige Rückbank eines sehr gebrauchten Wagens für ganz frische Triebe. Mir hat’s gefallen. Von Liebe war nie die Rede.
“Michael, honestly, you can play golf … with your hands behind your back!”
George Clooney über die beachtliche Grundausstattung von Schauspielerkollege Michael Fassbender zu sehen in voller Lebensgröße in Shame.
Als ein heißer Sommer mit Sexualproviant zu Ende ging, musste ich zur Kenntnis nehmen, dass dieses knackige Gemüse nicht winterhart war: “Aber ich liebe dich nicht”, haucht Claude unerwartet und ganz unpassend in medias res. Er hat mich tief berührt. Allerdings nicht mit seinen Worten. “Kein Problem. Ich lieb dich doch auch nicht”,seufze ich wahrheitsgemäß, aber etwas vorschnell. Ich war hier definitiv noch nicht fertig!
Ich wäre für soviel Ehrlichkeit immer dankbar gewesen. Claude nicht. Wenig später trennten sich unsere Wege am Wiener Naschmarkt für immer. Das Au-revoir war im Gegensatz zum Gustostück eher kurz. Für lange Abschiedsszenen bin ich nämlich zu stolz. “Können wir Freunde bleiben?”, wollte er mit Tränen in den Augen wissen.
“Freunde, Chérie, habe ich mehr als genug!”


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