Frau Silvia und der Italiener im Icebag
Sommer-Hits 3: Ist Rot in dieser Saison tatsächlich das neue Weiß?
Um es mit einem modischen Bild zu sagen: Der Seidenschal, mit dem sich Mit-Vierziger plötzlich überall sommers schmücken, hat einen ähnlichen Effekt. Er putzt den Träger auf und verändert ihn zumindest ein wenig. Ähnlich wirkt der italienische Einschlag im Falle dieses Weins. Es ist zweifellos Blaufränkisch, den wir im Glas haben, aber in dieser jugendlichen Gestalt wäre der in der Regel weit eindimensionaler.
In der Nase ist es vor allem die Weichsel, die sich breit macht, daneben hat noch ein rotbackiger Apfel Platz genommen, und erst nach und nach kommt Tabakwürze dazu. Beachtlich neben der Säure zeigt sich beim Blaufränkisch-Nebbiolo aber die Frucht, eine kühle, nicht ganz reife Weichsel, die den „Alpha“ nicht nur alphabetisch, sondern auch in der Weinreihenfolge vorreiht. Idealer Aperitif-Wein würde man prosaisch sagen.
Man kann es auch anders sagen und daher sei die Vorgeschichte nachgereicht: Als mir Silvia Heinrich, sympathische Winzerin in Deutschkreutz, den „Alpha“ übergab, meinte sie „Rot ist das neue Weiß“. Mit etwas Mut zum Kühlen von Rotwein stimmt das tatsächlich. Dafür gibt es bei Heinrichs auch den „Icebag“ zu erstehen, eine Vasen-artige Hülle, die sich mit Eiswürfel füllen lässt. Sieht beim Servieren stylisch aus und macht optisch schon neugierig bzw. bringt ins Gespräch: „Äh, ihr habt da einen Rotwein eingekühl“. Womit auch klar sein dürfte, warum ein roter Burgenländer in unseren Sommer-Wein-Charts auftaucht.
Bezugsquelle:
- WG J. Heinrich, „Alpha“, EUR 8,50 im Landmarkt Steurer/Neufeld oder ab Hof, www.weingut-heinrich.at


Ein guter Wein im Icebag – gerne, das hat ja noch Stil, aber dem Trend mit den Seidenschals hinterherzulaufen finde ich grausam.