Damien Rice im WUK
Knapp zehn Jahre nach der Veröffentlichung seines ersten Albums „O“, welches Damien Rice Anfang des Jahrhunderts rasch in den Olymp der Singer-Song-Writer katapultierte, gab er nun sein erstes vielerwartetes Konzert in Wien. Anstatt dem Hype wie auch den großen Erwartungen, die sich einem Jahrzehnt aufgebaut hatten, adäquat zu begegnen, entschieden sich die Organisatoren unverständlicherweise jedoch dafür, den Abend ein wenig zu sabotieren und damit dem Künstler und seinen Fans gleichermaßen zu schaden.
Der als Showcase angelegte Abend fand im großen Saal des WUK statt und wurde im April innerhalb von vier (!) Minuten ausverkauft. Was normalerweise ein sehr positives Zeichen für die Nachfrage nach einem Künstler ist, lag in diesem Fall an künstlicher Verknappung erster Güte. Lediglich knapp 200 Personen wurde ins bestuhlte WUK gelassen und damit vielen Fans die Möglichkeit genommen, einen der Größten dieser Generation in diesem Genre live zu sehen. Schon mehrere hundert Meter vom Veranstaltungsort entfernt wurde man von jedem um Karten angebettelt, in einer beachtlichen Menge vor dem Eingang bot ein verzweifelter Fan gar 300 Euro für eine Karte.
Im Saal war der Druck der komprimierte Freude und Erwartung aber auch Ungeduld schon physisch spürbar und führte zu allerlei negativen Vorfällen, die den Eindruck des Abends mehr als trübten. Zwischenrufe und peinliche Dialoge mit dem Künstler durch das Publikum, sowohl zwischen als auch während der Songs, Tanzen und Singen einzelner Über-Fans, die in dem ruhigen akustischen Setting ihrer überbordenden Freude keine anderen Ausdruck verleihen konnten und auf diese Art sowohl andere Zuhörer verärgerten, als auch respektlos gegenüber ihrem angehimmelten Star wirkten. Bezeichnend war das plötzliche schallende Gelächter der beiden Kellner im Foyer, das in einen der ruhigsten Momente eines berührenden Songs hereinbrach – die Türe war nicht geschlossen und ihnen war wohl fad geworden, denn ohne Pause und sitzend wagten sich nur wenige während des zweieinhalb Stunden dauernden Abends an die Bar.
Damien Rice selbst war gut gelaunt, erzählte Geschichten zu seinen Songs, während er zwischen seiner Gitarre und einem Fender Rhodes wechselte. Dabei scheute er keinen der klassischen Singer-Song-Writer Tricks, er spielte im Dunkeln, unverstärkt an der Bühnenkante, orchestrierte einen Zuschauerkanon (sehr zu Erleichterung des singbereiten Publikums), führte eine Konversation mit dem Publikum in erstaunlichem Deutsch, holte zwei Fans samt „Guglhupf“ auf die Bühne und illustrierte mit ihnen bei 2 Flaschen Rotwein einen Song, nahm Songwünsche entgegen und spielte zweimal Zugaben. Dabei arbeitete er sich durch seine gesamten Klassiker auf dem Erstlingswerk „O“ und einige ausgewählte Stücke des Nachfolgers „9“. Zusätzlich glänzte er mit starken neuen Songs und unveröffentlichten Material, das jedoch auf Grund der hohen Fandichte im Saal niemandem fremd war.
So fanden sich die stärksten Momente des Abends dann, wenn Damien Rice einfach nur spielte, ohne Schnörkel und ohne Ablenkung, mit purer Emotion – wenn das Rundherum Nebensache wurde, das Publikum, der Saal, die Gimmicks – dann wurde er der Erwartung mehr als gerecht und vermochte zu bezaubern. Es bleibt zu hoffen, dass die Organisation ein einsehen haben, und spätestens zum nächsten, imminenten Album von Damien Rice sowohl dem Musiker als auch dem Publikum einen besseren und vor allem größeren Rahmen bieten – beide hätten es sich sehr verdient.


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