Sündige Liebe
Neu im Kino: "Tabu - Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden" erzählt die Geschichte des österreichischen Lyrikers Georg Trakl, der seiner Muse rettungslos verfallen ist. Die Frau, die ihn beflügelt und in den Wahnsinn treibt, ist seine eigene Schwester.
Margarete Trakl (Muriels kleine Schwester Peri Baumeister) ist jung, begabt und bildschön. Die Pianistin mit der brillanten Technik und dem makellosen Körper hat viele Verehrer. Ihr Herz gehört aber nur dem einem: Ihrem Bruder Georg (eine Naturgewalt: Lars Eidinger).
Als unverstandener Poet fristet Georg in Wien ein elendes Leben als Pharmaziestudent. Zwar fühlt er sich nicht zum Apotheker berufen, aber die Gelegenheit, schnell Rauschmittel ranzukommen, ist günstig. Seine Gedichte finden nur undankbares Publikum. Während im heimatlichen Salzburg Schwester Gretl (Peri Baumeister) sehnsüchtig seine Ankunft erwartet, kommen in Wien nur die Dirnen (darunter Schell ermittelt-Star Katharina Strasser), mit denen er seine Zeit totschlägt, in den Genuss von Georgs Poesie.
Als Gretl in Wien einen Studienplatz an der Musikakademie erhält und damit in Georgs Nähe zieht, fordert das Schicksal der beiden einen längst fälligen Tribut: Bruder und Schwester sind einander in leidenschaftlicher Liebe zugetan. Was bisher krampfhaft unterdrückt wurde, bahnt sich fern der Salzburger Familie ekstatisch den Weg in die Wiener Freiheit: Lust, Verzweiflung, Verzückung und die wahre Verbundenheit zweier großen Künstler wird zu einem exzessiven und alles verschlingenden Rausch der Gefühle, der künstlerische Höhenflüge ermöglichst und gleichzeitig fatale Folgen nach sich zieht . . .
Filmkritik
Peri Baumeister wurde für ihre Darstellung der Margarete Trakl 2012 als beste Nachwuchsschauspielerin mit dem Max Ophüls-Preis ausgezeichnet. Baumeister zeigt Grete als unbeugsame Schönheit, die sich selbst treu bleibt und bereit ist, daran zu Grunde zu gehen. Auch nachhaltig beeindruckend: Lars Eidingers Interpretation von Trakls weltberühmten Gedichten.
Kleiner Schönheitsfehler: Für die “österreichische Note” sorgt weder das Drehbuch, noch die beiden Berliner Hauptdarsteller. Nur Petra Morzé, als hartherzige und verständnislose Mutter der Inzest-Geschwister, bringt mit ihrer nasal-weinerlichen Stimme etwas österreichisches Flair in die Story.


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