WIENER
Blog

Wie überlebt man eine Weinmesse?

Ein paar praktische Trink-Anregungen für die bevorstehende „VieVinum“.

Alle zwei Jahre lockt die Hofburg Weinfreunde zur „VieVinum“, diesmal von 2. bis 4. Juni (Sa & So 12-18 Uhr | Mo 11-18 Uhr). Ein Fest für die Gäste, viel Arbeit für die Winzer, aber auch eine einmalige Begegnungsmöglichkeit mit der gesamten Branche. Wie man sich stilvoll durch die zu kostende Fülle schlägt, sei hier kurz angeschnitten. Es geht bei den Tipps nicht um Snobismus und eine klare Abgrenzung zu den „Staubsaugern“, also jenen Zeitgenossen, die um kleinen Preis, möglichst aber gratis, Magen und Leber auf Trab halten. Große Verkostungen – und die VieVinum ist mit 500 Ausstellern hierzulande die größte – ermöglichen etwas, das die Probe im Keller nicht leisten kann: Sie bieten einen Querschnitt. Diese Möglichkeit sollte man möglichst lang aufrecht und ohne Lallen nutzen können. Daher fünf Anregungen für alle „Rookies“ im Verkosten großer Mengen.

Die wichtigste Regel: Haben Sie einen Plan! Egal, ob Sie sich eine Rebsorte oder Region im Detail anschauen wollen, bleiben Sie dem Konzept treu. Das klingt einfach, aber wir sind oft schlicht zu höflich. Kennt man einige Winzer, winkt bald irgendwo jemand und das  zugehörige „den muaßt kosten“ kann man nur schwer ausschlagen. Sollte man aber, wenn Sie Ihren Gaumen nicht minütlich neu kalibrieren wollen: In eine Veltiner-Tour streut man keinen Zweigelt Barrique ein. Also zunächst einmal die Weißweine, dann was Rotes. Es ist nicht verboten, Winzer mehrmals zu besuchen, nur den selben Wein nachzuverlangen, wird Ihnen keine Freunde eintragen.

Nutzen Sie den Katalog! Sie müssen es zwar nicht machen, aber mitschreiben hat Sinn. Die Alternative führt sonst zu wenig brauchbaren Aussagen der Marke „Da hab ich letztens was getrunken, aus dem Traisental, super war des“. Für den Hausgebrauch empfiehlt sich eine Kürzel-Systematik, die aus Plus und Minus besteht, damit lässt sich besonders Eindrucksvolles oder „so gar nicht meines“ ideal markieren. Doppelplus ist der Höchstwert, ergänzt um Bewertungen nach dem 20- oder 100-Punkte-Schema wissen Sie dann auch am Tag danach, was auf die Wunschliste gehört. Nur bitte, werten Sie nur, was Ihnen über 17 bzw. 88 Punkte wert scheint. 11, 12, 56, 72 und ähnliche Wert sind letztlich nur Nuancen des Grauslichen, dafür ist die Zeit zu schade.

Wasser und Brot sind keine Strafe. Planen Sie auch Pausen ein, neutralisieren Sie den Gaumen mit einem Stück Brot oder Mineralwasser. Vor allem, wenn Sie Sorten oder Weinstile wechseln. Der tanninbefleckte Zahn nach der Rotwein-Verkostung ist kein gutes Messgerät für die Qualität einer Trockenbeerenauslese. Außerdem bietet eine ganze Genussmeile vor der Hofburg Labung und „Unterlage“.

Trinken Sie keine Etiketten! Wahre Menschentrauben bilden sich immer vor den „big names“, schließlich lassen sich rare Weine, die man sich mangels Einkommen nicht einlagert, hier schön verkosten. Erstens heißt es lange warten, zweitens sparen die Winzer zu recht bei diesen Weinen und drittens entgeht einem in dieser Zeit so manche Entdeckung. Für Neugierige heuer zu empfehlen wäre in der Hofburg das Gastland Kroatien. Von urtümlichen Graševinas aus Slawonien bis zum „gemachten“ Wein vom vielfliegenden Önologen Michel Rolland aus Dalmatien wartet hier einiges abseits der gewohnten Stilistik. Noch exotischer wird es beim russischen Wein aus Krasnodar am Westufer des Schwarzen Meers.

Keine Angst vor Spuckern. Seltsame Gebräuche werden Sie auch kennen lernen, rituell gebrauchte Tonschalen, bisweilen an den Besitzer gekettet, sehen in der Hofburg. Das alte Streitthema „spucken oder nicht“ hat mit diesen Behältnissen zu tun. Bei Proben schluckt man den Wein nicht, sondern gibt ihn nach dem ersten Kosten wieder von sich. Dafür gibt’s die Schüttkrüge, in die auch nicht getrunkene Reste kommen – oder eben Pötte der Marke „Töpfern für blutige Anfänger 1“ Spucken sieht grauslich aus, ist es bei aller Professionalität auch. Speichelfäden lassen sich nicht vermeiden, sind aber nie schön anzusehen. Wer den ganzen Wein, seine Lebendigkeit bis in den Abgang, kennen lernen will, sollte gar nicht spucken. Und auch Spucker sind irgendwann angeschlagen, so viel also zur längeren Stehvermögen.

Karteninfo:

Im Vorverkauf können Besucher ihre Eintrittskarten um minus 25 Prozent (Euro 30,- statt an der Tageskasse Euro 40,-) erwerben.

  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • Posterous
  • del.icio.us
  • Tumblr
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
Shortlink:

 

Userkommentare

Keine Kommentare zu diesem Artikel | Kommentar schreiben

wiener-online.at

Die offizielle Website des WIENER

Männer - Zeitgeist - Lifestyle - Kultur

Sunday, 19.05.2013, 11:58 Uhr

Autorenprofil Roland Graf

Roland Graf
Mag. Roland Graf weiß als Wein-Kenner und Genussspezialist stets, wo der Bartl den besten Most herholt, welcher Winzer Top-Weine keltert und welche Küche gerade begeistert. Und verrät es regelmäßig im WIENER. (Foto: Bami Hoffmann)

» Alle Beiträge von Roland Graf » Private Webseite

Jetzt in Ihrer Trafik!

Das Mai-Heft u. a. mit folgenden Themen:

  • Claudia Kottal
  • Sven Regener
  • Gottfried Helnwein
  • Klüpfel&Kobr
» ZUM HEFTABO

Eventkalender

  • no upcoming events
Weitere Online-Angebote der Styria Media Group AG:
Börse Express | Die Presse | ichkoche.at | Kleine Zeitung | sport10.at | typischich.at | willhaben | WirtschaftsBlatt
//wiener-online.at