Nun zum Wetter
Bilanz eines verlängerten Wochenendes. Georg Lux schreibt über Gott, die Welt und seine sechsjährige Tochter Lucia.
Jede Berufsgruppe hat ihren Schutzpatron. Über uns Journalisten (bzw. über die braven unter uns) wacht zum Beispiel der Heilige Franz von Sales. Der Vatikan hat ganz genau geregelt, wer im Himmel für wen auf Erden zuständig ist. Und obwohl dies – im Unterschied zu den offiziellen Jobs der Heiligen – nicht dokumentiert ist, glaube ich, dass es auch einen Schutzpatron für eine ganz besonders leidgeprüfte Gruppe von Angestellten gibt: für die Kollegen, die immer zu spät dran sind, wenn es darum geht, sich an einem Fenstertag frei zu nehmen.
Um ihr Wohlbefinden kümmert sich der Heilige Petrus, der hauptberuflich fürs Wetter zuständig ist. An verlängerten Wochenenden sorgt er mit schöner Regelmäßigkeit für schlechtes Wetter. Wolken und Regen für die Urlauber, angenehme und ruhige Bürostunden für die Diensthabenden – Petrus sorgt für ausgleichende Gerechtigkeit. Darauf kann man sich verlassen.
Leider kommt es manchmal zu Verwechslungen. Die Folge sind ganz normale, aber trotzdem verregnete Wochenenden. Meine sechsjährige Tochter Lucia hat das längst durchschaut. „Wie lange dauert es, bis wir wieder frei haben?“, fragt sie jeden Montag auf dem Weg zum Kindergarten. Die Antwort darauf gibt sie sich mittlerweile selbst: „Ich weiß schon, wie das läuft. Fünf Tage Kindergarten und dann zwei Tage schlechtes Wetter.“
Trotzdem, lieber Petrus, wird dir das Kind sicher nicht böse sein, wenn es doch einmal anders sein sollte. Amen.


Userkommentare