Die Seele ist ein tiefer Sumpf
Eine kurze, aber dringliche Theatergruselempfehlung: Das bernhard ensemble übertrifft sich selbst mit der Umsetzung eines aberwitzigen Projekts, das es – so der Anschein – sich seit Jahren erträumt haben muss.
Ernst Kurt Weigel und Grischka Voss verknüpfen in ihrer neuesten Arbeit „weit.way.land“ Schnitzlers derzeit in vielen deutschsprachigen Theatern besonders beliebten Klassiker „Das weite Land“ mit David Lynchs „Lost Highway“ – und mit der eigenen erbarmungslosen Sicht auf die Familienstrukturen der westlichen Gegenwart. Die Seele ist ein tiefer Sumpf, Hofreiter ein österreichischer „American Psycho“-Bateman mit unkontrolliertem Gesundheitssucht und seinem Freund Mauer als Coach (nicht als Arzt), Genia ein apathisches Luder im roten Kleid. Sie erhalten Videos des toten Korsakow, der mit Genia eben keine Affäre hatte.
Von den beiden Stoffen ausgehend wurde wild assoziiert, echte Textzitate sind nur eine Handvoll übriggeblieben, die Handlungen werden dennoch auf finsteren Nebenstraßen zusammengeführt. Alles ist möglich, und doch profiliert sich fast jede einzelne Szene, wenngleich weich gespielt und natürlichst gesprochen mit Ecken und Kanten, als müsste sie genau so sein.
„weit.way.land“ hat atmosphärisch viel Lynch, zwischenmenschlich viel Schnitzler. Aber das Beste ist, wenn man sich mit beiden nicht auskennt, keine Fragen stellt, sondern sich dem gänzlich eigenwilligen und auf seine Art furiosen Schauspiel hingibt, da alle fünf Akteure ihre wohl seit langem persönlichsten und besten Performances hinlegen, allen voran Ernst Kurt Weigel als erschreckend grotesker und doch so gar nicht übertriebener Hofreiter.
Weitere Termine: 13., 14., 17., 20., 21., 24., 27., 28. Jänner 2012, jeweils 19:30 Uhr im OFF-Theater (7., Kirchengasse 41).









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