Jeder ist Dichter
Ein Buch, ein Spiel - ein bildschönes Vergnügen für alle, die Lust am Geschichtenerfi nden haben. Absolute WIENER-Empfehlung.
Als Dr. Thomas Hunt die schöne Diana sah, kam er gerade aus dem OP. Die vergangenen zwölf Stunden hatte er damit verbracht, einen Mann, der sich bei einem rätselhaften Unfall mit einer Axt den linken Unterarm abgetrennt hatte, wieder zusammenzuflicken. Er war kurz davor zusammenzuklappen, doch angesichts Dianas umwerfenden Auftretens begann sein Herz zu hüpfen wie ein durchgeknalltes Känguru. In seinem Bauch spürte er ein wohliges Kribbeln. Bis sie ihn anfuhr: „Warum hast du diesem Idioten das Leben gerettet? Ein bisschen weniger Einsatzbereitschaft hätte mir gut getan – das wirst du mir büßen.“ Sie zückte eine Pistole und drückte ab. „Schade“, dachte Dr. Thomas Hunt, „ich hätte gerne ein bisschen mehr Zeit mit ihr verbracht.“
Diese Geschichte habe ich nicht geschrieben, sondern gewürfelt. Ja, genau – gewürfelt. 36 Würfel lieferten die Basis dafür. Die Würfel zeigen unterschiedliche Icons, also symbolhafte Bildchen, die in drei Minuten zu einer Story zusammengefügt werden sollen. In meinem konkreten Fall waren es: Filmklappe, Ameise, Känguru, Axt und Pistole. 192 Bilder sind es insgesamt; für alle Schlaumeier, die gerade nachrechnen, ob sich das bei 36 Würfeln ausgeht: es gibt vier Sonderwürfel. Und die Erfinder dieses Spiels, die Gebrüder Frei, sind überzeugt, „192 Bilder reichen für alle Geschichten dieser Welt“. Wer Icon Poet probiert hat, ist geneigt, das zu glauben.
P.S.: Spielen mehrere, trägt jeder seine Kurzgeschichte vor – wer die meiste Zustimmung erhält, gewinnt.








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