Jane Eyre
Graue Maus im Herrenhaus? Die unscheinbare Hauslehrerin Jane Eyre (Mia Wasikowska) erliegt dem spröden Charme ihres Dienstherren Mr. Rochester (Michael Fassbender). Aber unstandesgemäße Romantik stößt im Spukschloss Thornfield Hall auf wenig Gegenliebe...
Mrs. Reed (Sally Hawkins) hat ihre Nichte, das kluge Waisenkind Jane Eyre, nie geliebt. Widerspruch aus dem Mund des trotzigen Kindes duldet sie auch nicht. Und so entledigt sich die hartherzige Tante leichtfertig zuerst ihres Versprechens, das sie ihrem Mann am Totenbett gegeben hat, und dann ihres wehrlosen Mündels. Das “undankbare Pflänzchen” Jane Eyre landet im Internat Lowood, einer grausamen Besserungsanstalt für Mädchen, die vollkommen auf sich allein gestellt sind. Hier herrschen strenge Sitten und bittere Armut. Alle Schülerinnen, die die sadistischen Qualen, die Stockschläge und die Schwindsucht überstehen, erhalten jedoch eine Ausbildung, die sie als Erzieherinnen qualifiziert.
Mit 18 tritt Jane Eyre (Mia Wasikowska) ihre erste Stellung als Erzieherin an. Die Adresse ist der Herrensitz Thornfield Hall, ein abgelegenes Schloss mit seltsamen Bewohnern und gespenstischen Vorkommnissen. Janes Schützling ist Adèle, ein kleines französisches Mädchen, das der Hausherr eher aus Mitleid als aus echter Zuneigung bei sich aufgenommen hat. Der mürrische Lord Rochester (Michael Fassbender) ist fast nie zugegen und wenn doch, dann hält es kaum jemand in seiner Gegenwart aus.
Nur Jane hält seinem kritischen Blick und seinen kritischen Fragen stand. Ihre gemeinsamen Gespräche vor dem Kamin verbinden zwei Seelenverwandte, die jeder für sich, die Last der Vergangenheit mit sich zu tragen scheinen. Aber das Feuer lodert nicht nur im Kamin. Eines Nachts wird Jane von Brandgebruch geweckt. Die Vorhänge im Schlafgemach von Lord Rochester brennen lichterloh. Ihr beherzter Einsatz rettet dem Schlummernden das Leben. Als sie Zimmer verlässt, sind zwar die Flammen längst gelöscht, das Feuer in ihrem Herzen aber umso heftiger entbrannt.
Das Geschwätz der Haushälterin Mrs. Fairfax (Judi Dench) reißt Jane jäh aus ihren Domestiken-Träumen. Seine Lordschaft wäre im Begriff seine zukünftige Braut, die liebliche Miss Blanche Ingram (Imogan Poots), eine verarmte Adelige, auf Thornfield Hall begrüßen. Bedauerlicherweise ist das nicht das einzige Geheimnis des verführerischen Lords…
Filmkritik
Ganz egal wie oft Jane Eyre schon verfilmt wurde, diese Adaption hat es in sich: Mia Warsikowska springt gekonnt von Tim Burtons Alice im Wunderland ins Charlotte Brontës nebeliges Yorkshire.
Judi Dench als Haushälterin mit ihrer Warmherzigkeit für die verborgenen Schönheiten von Thornfield Hall erwärmen kann, gibt es hier dennoch nur eine Attraktion: Der verlogene Hausherr, Michael Fassbender rührend und zutiefst verbittert zugleich.
Cary Joji Fukunaga (hier im Interview!) hat ganze Arbeit geleistet. Seine Jane Eyre ist rebellisch, klug und bleibt sich mit jeder Faser ihres Spitzenhäubchens treu. Wunderbar! Garantiert kitschfrei, unglaublich spannend und perfekt besetzt. Fast besser als lesen…
Ab 2.12.2011 im Kino.








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