Das Karamell der Rockstars
Lehrreich: Whiskey-Trinken mit der "Southern Belle" Mrs. Tolley
Wasserklarer Whiskey? Definitiv “not for sale”, warnt das Label auf der kleinen Flasche, die Lynne Tolley mitgebracht hat. Der geheimnisvolle Stoff stammt direkt aus Lynchburg/Tennessee, von wo ihn die Urgroßnichte von Destillerie-Begründers Jack Daniel’s mitgebracht hat. Gemeinsam mit ihr gehen wir eine Verkostung lang der Frage nach, was den Rockstar-Whiskey geschmacklich ausmacht.
Die oben erwähnte, durchsichtige Testversion erinnert an Rhum agricole von den französischen Antillen, schon der Duft ist recht süßlich. “Sagen Sie nie Bourbon zu ihm”, ermahnt Mrs. Tolley zwischendurch, und erläutert die beiden Schritte, die nun folgen. Zunächst läuft der Roh-Brand durch eine meterdicke Holzkohle-Schicht. Diesem Charcoal Mellowing, das den Geschmack schon weniger blumig ausfallen lässt, folgt die Fasslagerung, die das typische Karamell-Aroma der “Old Nr. 7″ beisteuert. Noch deutlicher wird das beim ersten Schluck “Gentleman Jack”, der ersten Neuentwicklung nach gut 100 Jahren, den eine zweite Filtration “weichspült”.
Eine nette Überraschung hat die Südstaaten-Lady auch für alle Single Malt-Snobs: Die gebrauchten Jack Daniel’s-Fässer gehen unter anderem zu Glenmorangie nach Schottland. Die aus Georgia stammenden Eichenfässer sind über Gasflammen so stark getoastet, dass sie auch nach dem Einsatz in Lynchburg genug aromatische Kraft besitzen. Besonders der länger im Fass gelagerte Single Barrel zeigt die Vanillenoten des Holzes, duftet weiter nach Kokosstangerl – hocharomatisch wie guter Rum. Schade, so 72% aller Jack Daniel’s-Konsumenten ihn nie pur, sondern nur in Begleitung von Cola kennen, seufzt Mrs. Tolley noch.
Bezugsquelle:
Jack Daniel’s Gentleman Jack (Euro 24,99) bzw. Single Barrel, Euro 31,99 bei Interspar, www.weinwelt.at








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