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Kunst

Schnappschuss mit Pinsel

Attila Adorján bannt die Menschen aus den Modezeitschriften auf Leinwände und überantwortet sie der Ewigkeit. Ein so moderner wie traditionsbewusster Künstler spricht über das Leben von Bildern und das Leben in Ungarn.

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Mit seinem vielversprechendsten Künstler kommuniziert Galerist Martin Suppan über eine Dolmetscherin, denn die einzige Fremdsprache, die der in Vác bei Budapest lebende Attila Adorján gelernt hat, war Russisch, und das in den Achtzigern unfreiwillig. Seine wichtigste Sprache ist jedoch universell, wenn auch ungewöhnlich: Adorján malt Models aus Modezeitschriften, ausdrucksstark und präzise. „Ein cooler, ruhiger Typ, fleißig und verlässlich“, schwärmt Suppan. „Mit ihm habe ich noch Einiges vor.“ Suppans Frau und Mitarbeiterin Claudia fasst den Erfolg des sympathischen, bescheidenen Malers zusammen: „Er kommt bei den Leuten an, weil er von zeitgenössischen Dingen erzählt, aber mit traditionellen Mitteln.“

Für das WIENER-Gespräch ist Attila Adorján extra nach Wien gereist und hat gleich ein paar neue Bilder mitgebracht.

WIENER: Herr Adorján, wie entstehen Ihre Bilder?

Attila Adorján: Die Massen an Bildern, mit denen wir zu tun haben, wandern nach kurzer Zeit in den Mistkübel. Sie werden zu Abfall, und nichts davon bleibt in einem übrig. Das Lebensgefühl, das diese Bilder uns darbieten, übersetze ich in meine Sprache, indem ich jene Details herausgreife, die mir etwas über unsere Zeit sagen, und aus drei bis fünf Fotos ein Bild zusammenstelle. Dieses Bild kann ich so vor der Vergänglichkeit bewahren. Während ich versuche, mich an die Welt anzupassen, für die diese Fotos stehen, kreiere ich eine neue Welt. Gleichzeitig steckt sehr viel Ironie in meinen Bildern. Sie erzählen von Körpern und ihrer Abwertung, und davon, wie man diese marionettenhaften Kunstfiguren, die da ausgenutzt werden, veredeln kann.

Was interessiert einen Maler an Mode?

Aus der Modewelt stammen eigentlich nur die Menschen. Diese Fotos bieten eine Konzentration von Dingen, die sehr charakteristisch für die heutige Welt sind, daher kann man darüber sehr viel ausdrücken.

Gibt es ein System, wonach sie die Fotoelemente zusammenstückeln?

Bevor ich mir die Fotos suche, weiß ich schon ungefähr, wie das Gemälde aussehen wird. In mir ist eine Grundkonzeption vorhanden, etwa ein inneres, nicht in Begriffe zu fassendes Gefühl. Beim Blättern stoße ich auf Punkte, die eine Art Déjà-vu in mir auslösen, ein „Hoppla, genau das brauche ich!“ Dann greife ich aus den Fotos die relevanten Details heraus.

Wissen die Models, dass es ein Gemälde von ihnen gibt?

Es wäre tatsächlich schön, wenn sich jemand mal in einem Bild wiedererkennen würde. Aber ich glaube kaum. In unserer vom Internet geprägten Welt ist ein Foto ein allgemeiner Gebrauchsgegenstand. Wer kann sich denn heute noch erinnern, was vor fünf Jahren in der Vogue oder der Marie Claire erschienen ist?

"Lit-Up" von Attila Adorján

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Attila Adorján: Geboren 1968, lebt und arbeitet in Vác, Ungarn, und zählt dort bereits zu den bedeutendsten gegenständlichen Malern der Gegenwart. Von 21. November bis 19. Dezember 2011 sind in der Galerie Suppan Contemporary (1010 Wien, Habsburgergasse 5) seine neuesten Gemälde ausgestellt.
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Tuesday, 22.05.2012, 15:44 Uhr

Autorenprofil Martin Thomas Pesl

Martin Thomas Pesl
Martin Thomas Pesl, geboren 1983 in Wien, arbeitet von ebenda aus als Sprecher, Übersetzer für Deutsch, Englisch und Ungarisch, sowie seit 2008 als Autor für den WIENER.

» Alle Beiträge von Martin Thomas Pesl » Private Webseite

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