Rares in einem Jahr des Winzers
Thermenregion: Üppig ging 2010 gar nicht, exotische Rotgipfler muß man suchen (wir wurden fündig)
Ein wenig hat es gedauert, bis die „to drinks“ der Thermenregion Top 100 hier online gehen. Der Grund lag in der schwierigen Situation, in der sich gerade die Paradesorten Zierfandler und Rotgipfler 2010 befanden. Auch nach dritter Durchsicht der Kostnotizen blieb wenig über. Säure statt Exotik wäre zwar ein sehr kurz gegriffener Befund, doch das Kernproblem umfaßt diese Verknappung recht gut. Während man bei den Rotwein-Winzern mit den großen Pinot Noirs aus dem Jahr 2009 eine Serie an wirklich schönen Burgundern ausschenkte, wurde es bei den regionalen weißen Spezialitäten ein so genanntes „Jahr des Winzers“. Es war Können gefragt, Erfahrung nicht weniger: 2010 is, what you made of it.
Wer früh lesen ließ und damit auf Nummer Sicher ging im Regenjahr, hatte schwache 12% Alkohol, starke Säure und teilweise an Sauvignon blanc erinnernde grüne Aromen im Duft. Auf der anderen Seite standen bei der Gebietsverkostung bis knapp an die 15% Alkohol reichende Spätlesen, wobei diese Power auch nicht immer die fehlende Frucht kaschieren konnte.
Wehmütig konnte man vor allem werden, wenn man die wenigen 2009er, die es als Reserven in die Verkostung geschafft hatten, kostete. Da war alles da, was die Freunde an den ausschließlich hier wachsenden beiden Sorten schätzen: Etwa beim 14%-igen Spätrot Rotgipfler von Franz und Hannes Hofer aus Gumpoldskirchen. Doch Lamentieren nützt ohnehin nichts, zumal die Aussichten auf 2011 grandios sind wie schon lange nicht mehr. Bis dahin bleibt dem Rotgipfler-Freund der Griff zu den jugendlichen Altmeistern der Region. Karl Alpharts Rodauner Top Selektion präsentiert sich mit der gelbfruchtigen Art (Reineclaude, Apfel) zwar etwas anders als in heißeren Jahren, der Alkohol und langer Hefekontakt verleiht (14,5%) ihm aber Kraft und Lagerpotential, saftig und mit viel Schmelz ist der Lagenwein des Traiskirchners ohnehin.
Für den Alltagsgebrauch und die kleinere Brieftasche gab es aber einen anderen Favoriten, Othmar Biegler aus Gumpoldskirchen überzeugte. Sein generelles Credo – „die Trauben bleiben bis zum allerletzten Zeitpunkt auf dem Stock“ – machte sich speziell im frucht-armen 2010er Jahr bezahlt. Bereits in der Nase verspricht der Rotgipfler Brindlbach die gewohnte Exotik dieser Sorte. Am Gaumen ist es vor allem das Spiel zwischen Säure und Frucht, das begeistert. Irgendwo zwischen Ananas und Mango pendelt sich die Aromatik ein, dazwischen blitzt die schöne Frische durch. „Harmonie ist wichtig“, lächelte Biegler angesichts des kollektiven Verkoster-Lobs im Museumsquartier. Definitiv, er hat sie 2010 perfekt in die Flasche gebracht.
Bezugsquelle:
- Franz Hofer, Spätrot Rotgipfler Reserve 2009, Euro 12 bei www.weingut-hofer.at
- Weingut Biegler, Rotgipfler Brindlbach 2010, Euro 8,80 bei www.weingut-biegler.at









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