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Gebt den Kindern das Kommando!

Heuer gibt es gute Gründe, auch als Jungwein-Verweigerer mit seiner Gewohnheit zu brechen

Als ordentlicher Wein-Blogger sollte man allmählich ein paar Worte zum aktuellen Jahrgang verlieren, seit Martini (für wenig Heiligen-affine LeserInnen: 11. 11.) darf man das ja auch quasi offiziell. Normaler Weise mache ich mich immer per Rundruf in den Weingütern über die Lese schlau, man ist ja nicht der Karl May des Weinbaus. Heuer war das nur insofern eher unergiebig, weil alle Winzer – von der slowenischen Grenze bis zum Hitzepol des Jahres 2011, Andau im Seewinkel, vom Wagram bis ins Südburgenland – unisono vom gesündesten Traubenmaterial sprachen, das seit langem gelesen wurde. Wer auf hohem Niveau jammern will, kann lediglich den hohen Alkohol beklagen. Somit wäre das auch schon wieder das Kolumnen-Ende.

Doch es gibt natürlich auch einen anderen Weg, sich der Ernte 2011 zu nähern, der vermeintlich logisch ist, unter Kennern aber wenig geschätzt wird: das Kosten der Jungweine. Meist säurige Wasserl, nicht mehr als flüchtige Eindrücke dessen, was nicht mit den “guten” Sorten im Keller reifen durfte. Bouvier und Rivaner (Müller-Thurgau) sind hier die Klassiker, die man ansonsten kaum kennt, weil sie eben als unkomplizierte “Junge” dienen und wenig mehr. Klingt hart, ist es aber heuer nicht. Denn der sonnenverwöhnte Jahrgang macht die Vorboten des Weinjahres zu ganz ordentlichen Gradmessern, wie die Verkostung “Junger Österreicher” zeigte. Von den 100 teilnehmenden Winzern hier ein paar Highlights für alle, die den heurigen Wein auf den Tisch stellen wollen.

Ein Musterbeispiel, wie 2011 der Jungwein schmeckt, lieferte der Langenloiser Winzerhof Sax mit seinem Rivaner. Trotz der Frische weist der einen gewissen Zuckerextrakt auf, der bereits dem Jungwein Schmelz verleiht. Das Spiel zwischen der erwünschten, von der Säure getragenen Frische und der Fruchtigkeit prägt auch den “Rivaner Primeur” des Gaweinstaler Weingutes Schober. Im Duft springt der Golden Delicious-Apfel aus dem Glas, 7 Gramm Restzucker bilden eine üppige Grundierung, die sich immer wieder mit dem schönem Säuregerüst abwechselt. Da greift man gleich zum nächsten Glas.

Wenn ein Winzer seinen Wein als “eigenwillig” bezeichnet, ist oft Vorsicht angebracht. Genau mit diesem Wort charakterisierte Christian Zeilinger seinen “Jungen Hohenwarther”. 70% Rivaner und 30% Frühroter Veltliner ergeben in diesem Fall aber eine echte Weinüberraschung. Reife Aromen, die an Marzipan erinnern, prägen die Nase des balancierten Weins. Am Gaumen saftige Banane und etwas weisse Schoko ? steht sicher noch bis kommendes Frühjahr toll da!

Gefunden! Der ideale Rosé

Bei roten Jungweinen war der Bogen, den der Connaisseur darum macht, ein besonders weiter. Auch hier hat 2011 aber phantastische Dinge ermöglicht. Insofern möchte ich kurz persönlich werden und von der schein bar nie endenden Suche nach einem idealen Rosé im provencalischen Stil berichten. Eine junge Gobelsburgerin teilt meine Emotion dafür, weil es der erste Wein war, den Vater Egmont Höfinger Tochter Johanna nach ihrem Studium in Geisenheim selbständig keltern ließ. “Mein Baby” nennt sie ihn daher seit 2008. Der aktuelle Zweigelt Rosé wird jedenfalls nicht als Saftabzug gepresst und ist (auch deshalb) ein großer Wurf: Himbeer- und Zitronenduft erinnern an den legendären “Paiper”, die Säure ist nie zuviel, bis ins Finish bleibt eine schöne Paprikawürze spürbar, die für eine Frische sorgte, die diesen Rosé ganz außergewöhnlich macht. Nicht verschwiegen sei auch der “Zöbinger Kogelberg”, der weisse Jungwein des Hauses aus Grünem Veltliner und Rivaner, der mit Kalkmineralik und Limetten-Frische sicher auch unter den Top-10-Weinen der Präsentation war.

Ebenfalls in Rot beeindruckte das Stift Klosterneuburg, das einen St. Laurent aus der weltgrößten Riede dieser Sorte, der Stiftsbreite, als “Jungen” servierte. Für Kenner ist bereits nach dem ersten burgundischen “Stinkerl” klar, dass hier eine schöne Interpretation der Spezialsorte des Klosterguts wartet. Tatsächlich ruft der filigrane Laurent mit seiner Würze nach einem Begleiter wie Gänsefleisch, etwa Rillettes oder einem Confit d’oie, jedenfalls etwas ohne Geflügelhaut oder Röstaromen, die den zart-fruchtigen  “Jungen Klosterneuburger” nur beleidigen würden.

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Tuesday, 22.05.2012, 15:32 Uhr

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Roland Graf
Mag. Roland Graf weiß als Wein-Kenner und Genussspezialist stets, wo der Bartl den besten Most herholt, welcher Winzer Top-Weine keltert und welche Küche gerade begeistert. Und verrät es regelmäßig im WIENER. (Foto: Bami Hoffmann)

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