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Kolumnen

Endlich dreissig!

Immer wenn neue Tempolimits errichtet werden, freut sich das Staatssäckel. Schließlich werden damit ganz automatisch erkleckliche Einkommensquellen erschlossen, die wir Autofahrer gerne mit Nachschub versorgen.

Schön, wenn man von einer aufmerksamen Stadtregierung immer wieder Themen für die wutmenschige Autokolumne aufgelegt bekommt, auf dass einem nicht fad wird. Grad noch haben wir uns an dieser Stelle über die unnötigen Parksheriffs aufgeregt (schnell zwei Pantoloc gegen die Magensäure), bekommen wir schon das nächste Hölzel geworfen, auf dass wir uns den Säureblocker in die Venen stessen dürfen. Stichwort (schnell noch eins eingeworfen) Tempo 30 in ganz Wien.

Die große Frage

Nein, es folgt nun nicht die verzweifelte Schimpfkanonade des frustrierten Motoristen in Richtung der viertelgrünen Stadtregierung. Es geht viel mehr um die Frage: Was bringt ein rot umrandetes, rundes Taferl mit einem feschen Dreissiger in der Mitte, wenn nicht gleich dahinter der nicht minder fesche Herr Inspektor mit der frisch angeschafften Laserknarre auf einen lauert?

Bestechend ehrlich

Der autobewaffnete Irre, der innerstädtisch im dreistelligen Stundenkilometerbereich herumhoolt und so Kinder oder alte Leute vom Zebrastreifen räumt, wird von mehr Dreißiger-Zonen kaum bekehrt werden. Und wer in den nämlichen Straßenzügen bislang mit einem entspannten 60er dahinmurgelte, wird das auch weiterhin tun. Es geht also nicht um mehr Sicherheit in der Stadt, sondern um mehr Kohle im Staatssäckel. Und wenn uns das Organ – das übrigens auch lieber im Kommissariat Fidschigogerln spielen würde als draußen in der Kälte Lasersheriff zu spielen – mal wieder für einen gemächlichen 45 km/h-Inzident auf der knapp dreispurigen Ketzergasse in Wien-Liesing 70 Euro abknöpft, hat ein weiteres, unnützes Tempolimit in unserer schönen Stadt seinen Job perfekt erledigt.

Gelegentlich verhaspeln sich sogar die ungeschickteren Öffentlichkeitsarbeiter des Polizeiapparates; immer dann, wenn so viele neue Radargeräte angeschafft wurden, dass das eine Presseaussendung wert wäre, ist bestechend ehrlich von einer „Umsatzsteigerung“ die Rede, die durch die neuen, tollen Geräte erzielt werden könne. Und damit bringt sich der Irrsinn der ganzen Chose herrlich selbst auf den Punkt. Denn eigentlich sollten Verkehrsstrafen die Einhaltung der jeweiligen Tempolimits sanktionieren, nicht irgendwem irgendwelche Umsätze bescheren.

Na so wirst ned oid

Pantoloc gibt’s jetz übrigens auch mit Erdbeergeschmack. Schon probiert? Ich sollte jenen Polizisten ernst nehmen, der mich letztens in einer der neuen 30er- Zonen mit 48 laserte und mich, nachdem ich ihm meinen ganzen diesbezüglichen Frust auf die uniformierten Schultern lud, mit einem freundlichen Knuff auf die Schulter straffrei weiterfahren ließ. Mit den Worten: „Regen’s Ihna ned so vüü auf. Sonst werd’n S’ ned oid…“

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Tuesday, 22.05.2012, 15:31 Uhr

Autorenprofil Franz J. Sauer

Franz J. Sauer
Der Sauer. Automobilfetischist, Original, Chefredakteur des "Motorradmagazins", Gelegenheitsblogger auf "Zeit im Blog 21".

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