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Film

Der Gott des Gemetzels

Menschenrechte? Friedensverhandlungen? Aussöhnung? Wozu? Mal ehrlich: Wenn dem eigenen Nachwuchs bei einer Schulprügelei die Zähne ausgeschlagen werden, gibt’s Krieg. Christoph Waltz, Kate Winslet, Jodie Foster und John C. Reilly als bissfreudige Kampfhunde trainiert von Roman Polanski.

Ein Elternabend ohne Alkohol ist nie lustig. Nancy (Kate Winslet) und Alan Cowan (Christoph Waltz) können ein Lied davon singen. Freiwillig sitzen der süffisante Anwalt und die distanzierte Börsenmaklerin ja NICHT im kitschigen Wohnzimmer von Penelope (Jodie Foster) und Michael Longstreet (John C. Reilly). Die Cowans wurden “vorgeladen“. Der Grund: Ihr 11-jähriger Sohn Zachary hat dem Longstreet-Buben bei einer Schulrauferei zwei Schneidezähne ausgeschlagen.

Ihren selbst gebackenem Kuchen teilt die humorfreie Friedensaktivistin Penelope beim “Gespräch unter zivilisierten Menschen“ genauso unaufgefordert aus wie ihre selbstherrlichen Erziehungsratschläge. Kein Wunder, dass so viel aufgesetzte Freundlichkeit bei den zynischen Cowans nicht gut ankommt.

Für die Zahnarztkosten möchten die Cowans gern aufkommen, einen emotionalen Preis wollen sie aber nicht bezahlen. Was so idealistisch als ungezwungenes Zusammentreffen zur Aussöhnung begonnen hat, endet bald – als endlich auch der Scotch in strömen fließt – in einem Gemetzel von unvorstellbarem Ausmaß.

Warum? Die Vier finden einander sprichwörtlich zum Kotzen!

Filmkritik:

Wer Eltern in die Pflicht nimmt, kann sich gleich auf ein Donnerwetter gefasst machen. Yasmina Rezas umjubeltes Theaterstück “Der Gott des Gemetzels” hat mit seinen messerscharfen Dialogen die Theaterhäuser von Paris (mit u.a. Isabelle Huppert), London (mit u.a. Ralph Fiennes), Zürich (Michael Mertens), Wien (Maria Happel, Christiane von Poelnitz) bis zum Broadway (Marcia Gay Harden, James Gandolfini) vor Schadenfreude zum Wiehern gebracht. Ein Kinderspiel für Roman Polanski aus dieser brillanten Vorlage und mit dieser Star-Besetzung einen guten Film zu machen.

Auch wer die Dialoge schon auswendig kann, sollte sich eine Kinokarte kaufen: Nichts ist Schöner als Waltz, Winslet & Co dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig die Haare ausreißen.

Ab 24.11.2011 im Kino.
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Tuesday, 22.05.2012, 15:25 Uhr

Autorenprofil Catherine Gottwald

Catherine Gottwald
Catherine Gottwald, geboren 1970. Freie Autorin und Journalistin.

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