Schicksalsbegegnung
Vor der Wien-Premiere ihres Programms „Triest“ (heute im Stadtsaal) plaudern Manuel Rubey und Thomas Stipsits mit dem WIENER über Vorbilder, Größenwahn und Freundschaft. Die Story von zwei Männern, die sich gefunden haben.
Über die Band Mondscheiner und den Falco-Film ist Manuel Rubey zum Theater gekommen. Dort ist er nicht so ganz glücklich. Also versucht er sich doch lieber wieder in einem ganz neuen Genre: dem Kabarett. Ein junger, alter Hase auf dem Gebiet macht es möglich: Der steirische Kabarettist Thomas Stipsits hat mit Manuel Rubey ein Programm geschrieben. Dabei ist eine große Freundschaft entstanden: eine „Bromance“ durch und durch, wie auch im Interview deutlich zu erkennen ist.
Wieso könnt gerade ihr beide so gut zusammenarbeiten? Auf Manuel Rubeys Homepage ist von einer Schicksalsbegegnung beim Dreh zu David Schalkos „Wie man leben soll“ die Rede.
TS: Der Manuel bläst das immer bissl groß auf! Nein, ich glaube, dass es durch die Unterschiedlichkeit der Charaktere so ist, die eine Mischung ausmacht. Es war ja wirklich eine Schicksalsbegegnung: Es gibt Momente im Leben, wo man jemanden trifft und – das klingt jetzt sehr pathetisch – das Gefühl hat, den kennt man schon sein Leben lang. Da gibt es ein Verständnis auf der ganzen Linie. In meinem Fall war das so, als wir uns getroffen haben.
MR: Wenn man diesen Menschen einmal trifft, muss man zugreifen. Wir hatten das Glück, dass David Schalko damals noch langsamer gedreht hat als heute und wir acht Stunden Stehzeit hatten. Das hat gereicht, um einander derart ins Herz zu schließen, dass wir dann tatsächlich drei Tage später mit dem Schreiben angefangen haben. Wir sind sehr unterschiedlich und haben trotzdem wahnsinnig viel gemeinsam.
Worin bestehen denn die Gemeinsamkeiten?
MR: Da könnte man jetzt eine Liste erstellen. Ich fange einmal an, ganz frei: Wir sind beide leidenschaftliche Vinylschallplattensammler, wir nehmen die gleichen Medikamente, wir haben beide dieses Faible für eine Leichtigkeit, weil wir wissen, dass dieses Leben eben grundsätzlich nicht so einfach ist…
TS: …wir haben beide ein Faible für ältere Frauen, …
MR: … wir haben beide eine Fußballvergangenheit, wobei meine eine rein fiktive ist und Thomas tatsächlich U15-Nationalgoalie war.
Wenn zwei Menschen zusammen etwas produzieren, was normalerweise eine Person macht, kommt die Frage auf: Wie soll das gehen?
TS: Bei uns hat das sehr gut funktioniert. Wir haben nie so gearbeitet, dass wir gesagt haben: Jetzt schreibst du was, und ich schreib was, und wir schicken einander das per Mail hin und her.
MR: Gesagt haben wir es, aber gemacht haben wir es nie.
TS: Gut, dass das nicht funktioniert hat. Ein Jahr lang haben wir uns einmal die Woche getroffen und versucht, das Programm gemeinsam zu erarbeiten. Einfach einmal anzuimprovisieren. Wir sind nämlich beide Bauchtypen. Wenn es aus dem Bauch kommt, ist es vielleicht rotziger, aber authentischer. Oft sind diese verkopften Sachen zwar irrsinnig super formuliert, aber es spreizt sich halt, wie wenn ein Tier raunzt.
MR: Mir war halt wichtig, dass es nicht das nächste Soloprogramm vom Thomas ist, wo ein Sidekick dabeisteht. Das wäre für beide nach hinten losgegangen. Ich halte den Thomas ja auch für den besten Schauspieler unter den Kabarettisten. Es ist uns von Anfang an darauf angekommen, dass das, was alleine nicht geht, sprich: mit einem anderen zu spielen, hervorgekehrt wird. Davon lebt der Abend auch: permanente Statusgeschichten, immer einer, der den anderen fertig macht. Wir spielen die gleichen Figuren beide. Das geht solo nicht.
TS: Wichtig war uns auch, dass es die klassische Struktur „Der G’scheite und der Blöde“ nicht gibt.
Es sind also beide – g’scheit?
MR + TS: Und auch sehr blöd!
Der Name „Triest“ bringt in Österreich die Assoziation mit: Mei, als wir noch groß waren, war dort unser Adriahafen, unsere Flotte. Da steckt was Melancholisches drin.
MR: Ich finde, das steckt in allem Österreichischen drinnen, in der Fußballnationalmannschaft genau wie im Kulturbetrieb: Wir wären alle gerne ein bisschen größer als wir sind! Ob das jetzt noch real empfunden oder genetisch über die Muttermilch mitgekommen ist, sei dahingestellt. Aber dieser Komplex, dass alles irgendwann einmal ein bisschen größer, schöner, stärker, erfolgreicher war, ist im Österreicher immanent, daher in uns beiden natürlich auch. Wir haben beide einen Hang zur Melancholie, vielleicht sogar – wobei ich großen Respekt vor Leuten habe, die wirklich an dieser Krankheit leiden – mit einem leicht depressiven Einschlag. Funktioniert aber ganz gut, wenn man sich dieser Geschichte über Humor nähert.
TRIEST: Wenn man Rubey und Stipsits über Melancholie reden hört, könnte man meinen, das „e“ im Titel ihres Programms könne raus. Nach einer Vorpremiere lässt sich sagen: Keine Angst, es ist lustig genug! In Teil 1 spielen sie (neben Komparsen, Kärntnern, Kabinenchefs) zwei Künstler aus verschiedenen Welten, die auf einer Schiffsreise peinlicherweise in dieselbe Kabine gebucht wurden. Unfreiwillig unter einer Decke erzählt man einander Schmerzliches aus der Pubertät. Nach der Pause werden Idole aus Jugend und Gegenwart heraufbeschworen, von Hader (der Kabarettgott gibt seine Off-Stimme her) bis Georg Friedrich (sehr witzige Parodie!). Nicht g’scheit gegen blöd: pointiert-steirisch vs. intellektuell schwadronierend. Der Mix geht nicht immer auf, aber: Bis zu Premiere kann sich viel ändern, im Kabarett ist alles erlaubt, und „Indien“ ist eh unerreichbar. Ab 28. 10. 2011 im Stadtsaal. www.stadtsaal.com







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