WIENER
Blog

Kliener Wochenrückblick, 28.10.2011

Die Woche war besonders hart für alle, die - wie Peter Klien - online publizieren. Dann nämlich, wenn sie sich ausrechnen, wie oft die Kosten der eigenen Website in jener der Parlamentswebsite enthalten sind. Da helfen auch keine Plüschbären mehr.

Es war eine harte Woche. Zum Beispiel für Europa. Und doch merken die Lenker des Kontinents (gibt es die?), dass man nicht einfach weiter wursteln kann wie bisher. Selbst Angela Merkel und Nicolas Sarkozy wollten in Anbetracht der Griechenland-Krise ihre Krisenland-Kriege bis auf weiteres aussetzen. Jüngstes und schönstes Zeichen: Merkel hat Sarkozy anlässlich der Geburt von dessen Tochter einen Plüsch-Bären überreicht. Hoffentlich hat sie ihm halt nicht gleich auch noch einen aufgebunden.

Hart war diese Woche auch für den Steuerzahler. Denn wie der Rechnungshof heraus gefunden hat, hat sich das österreichische Parlament eine neue Homepage geleistet – um summa summarum 1,9 Millionen Euro. Ganz egal, wie viele Schnittstellen zu programmieren und wie viele Daten einzubinden waren – komplette Fassungslosigkeit kann den Zustand nur ungenau beschreiben, der einen im Anbetracht dieser Zahlen befällt. Da war ja die vierseitige Eigenwerbung von Karl-Heinz Grasser mit 280.000 Euro noch ein richtiges Schnäppchen (und ohne Beitrag des Steuerzahlers). Schwer aus der Hüfte (aber doch) wage ich zu behaupten, dass alles das um ein Zehntel des Geldes ebenfalls möglich gewesen sein muss. Wenn, was zu befürchten steht, auch in anderen Dingen das Hohe Haus mit höherer Sorgfalt die höchsten Kosten sucht, ist nicht auszuschließen, dass selbst den gemütlichen Wiener eines Tages die Wut würgt. Occupy Renner-Ring!

Vor diesem Hintergrund wundert es nur wenig, dass der Nationalstolz der Österreicher im Schwinden begriffen ist. Obwohl der gerade im Fußball wichtig wäre. Dort haben wir gewissermaßen ein Henne-Ei-Problem: Wird das Nationalteam so wenig unterstützt, weil es so wenige Erfolge feiert? Oder ist es deswegen erfolglos, weil es so wenig unterstützt wird? Der Staat wird zu härteren Mitteln greifen müssen. Ich rege an: Wer nicht bedingungslos zu unserem Team steht, soll in Zukunft seinen Pass zurückgeben müssen. Hier geht es um Größeres als Kosten-Nutzen-Rechnungen. Okay – es ist Unsinn, sagt die Vernunft. Aber: Es ist was es ist, sagt die Liebe. (Und das sind jetzt nicht einmal meine Worte…)

  • email
  • Facebook
  • Twitter
  • Posterous
  • del.icio.us
  • Tumblr
  • Google Bookmarks
  • LinkedIn
Shortlink:

 

Userkommentare

Keine Kommentare zu diesem Artikel | Kommentar schreiben

wiener-online.at

Die offizielle Website des WIENER

Männer - Zeitgeist - Lifestyle - Kultur

Tuesday, 22.05.2012, 15:07 Uhr

Autorenprofil Peter Klien

Peter Klien
Peter Klien ist zwar in Hollabrunn in Niederösterreich geboren, wuchs aber ab seinem 5. Lebenstag in Wien auf. Die weiteren Stationen eines bewegten Lebens: Schauspieler, Kabarettist, Lektor für altgriechische Philosophie an der Universität Wien, Verwalter wissenschaftlicher Datenbanken im Österreichischen Bibliothekenverbund. Reicht nicht? Eben. Deshalb schreibt er jetzt für wiener-online. (Foto: Bernhard Noll)

» Alle Beiträge von Peter Klien » Private Webseite

Jetzt in Ihrer Trafik!

WIENER

Das Juni-Heft u.a. mit folgenden Themen:

  • Die Schmäh Brüder
  • Jason Stathame
  • Ulrich Seidl
  • Ein Museum im Meer
» ZUM HEFTABO

Eventkalender

Weitere Online-Angebote der Styria Media Group AG:
Börse Express | Die Presse | ichkoche.at | Kleine Zeitung | sport10.at | typischich.at | willhaben | WirtschaftsBlatt
//wiener-online.at