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Forcher

Es ist Zombie-Ball

Wenn Zombies Musik machen, freut das selbst die Popgötter. WIENER-Kolumnist Eberhard Forcher über sein glückliches Leben mit den Untoten und wie er ein echtes Meisterwerk entdeckte.

Obwohl … Zombies sind ja von vornherein nicht unbedingt heiß aufs Tanzen, wie man hört. Die liegen lieber auf der faulen Haut. Für wilde Partys haben sie normalerweise nicht wahnsinnig viel übrig. So ersparen sie sich immerhin den Morgen danach sowie die mühsamen Überlegungen, wo sie denn nun den Kopf verloren haben. Meine Freundin hat mir gerade eben erklärt, sie würde niemals einen Club aufsuchen, in dem Zombies verkehren. Alleine die Vorstellung, einer der fahlen Gesellen könnte ein Auge auf sie werfen macht sie schaudern. Brrrrr … Deckung!

Faible für Untote

Ich selbst habe ja seit meiner Kindheit ein gewisses Faible für die wieder zum Leben erweckten Untoten entwickelt. Alleine die Tatsache, dass sie ihrer Seele beraubt, völlig willenlos durch die Gegend torkeln mussten, erweckte in mir ein gewisses Mitgefühl. Immerhin ist mir in meiner ersten (und zugleich auch letzten) Tanzstunde ganz ähnliches Unbill widerfahren. So gesehen kein Wunder, dass ich mich auch in meiner musikalischen Sozialisierung vom Zombiethema ganz besonders angesprochen sah.

Da war etwa meine Erstbegegnung mit Screaming Jay Hawkins, den ich in der Fox Tönenden Wochenschau offenen Mundes dabei beobachten durfte, wie er in einem brennenden Sarg auf die Bühne gebracht wurde, dem er schließlich gemeinsam mit einem sprechenden Totelschädel entstieg. Dazu die unkoordiniert wirkenden Bewegungen und sein furchterregendes Organ. Damit hätte er durchaus auch als Synchronstimme bei George A. Romero anheuern können. Ja … der Mann war ganz nach meinem Geschmack, wenngleich noch kein echter Zombie.

Aber dann … durch Zufall entdeckte ich im Plattenschrank meines Freundes jene Platte, auf die ich insgeheim immer gehofft hatte. Ich meine, wenn eine Band sich  The Zombies nennt, was konnte da schon schiefgehen? Das Album trug den vielversprechenden Titel „Odessey And Oracle“ und war nur beim ersten Reinhören ein klein wenig enttäuschend, weil ich insgeheim auf eine Überdosis psychedelischer Gruseleffekte gehofft hatte. Davon gab es zwar herzlich wenige, dafür aber ein höchst faszinierendes Sammelsurium an herrlich ausgefallenen Rocksongs, denen geradezu verschwenderisch viel pure Magie anhaftete. Die Platte lief von da an tagein tagaus, rauf und runter und meine tollpatschigen Versuche, dazu zu tanzen, wären heute auf Youtube ein wahrer Clickbuster. Schön, dass ich nicht der einzige bin, der dieses Meisterwerk der Zombies bis heute in Ehren hält. Paul Weller benannte es als sein definitives Lieblingsalbum, die Foo Fighters haben es in ihren iPods auf Powerplay und für Tom Petty-Keyboarder Benmont Tench gibt es überhaupt nur zwei Alben: „Seargent Pepper“ und „Odessey And Oracle“. Mein Exemplar freut sich jetzt schon auf eine Ehrenrunde zu Halloween.

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Friday, 24.05.2013, 11:29 Uhr

Autorenprofil Eberhard Forcher

Eberhard Forcher
Musiker, DJ, Radiolegende - und jüngste Erweiterung der WIENER Kolumnistenriege. Anhören: "Solid Gold" (Ö3, Sonntag, 19.00-22.00 Uhr) und "Forcher`s Friday Music Club"(Ö3, Freitag, 22.00 -0.00 Uhr).

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