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Film

Die Einsamkeit der Primzahlen

Das Erstlingswerk des Physikdoktoranden Paolo Giordano ging 2008 in Italien 1,5 Millionen mal über den Ladentisch. Saverio Costanzo verwandelt den sperrigen Bestseller in eine packende Parabel über den unerträglichen Druck der Seele, die Macht der Isolation und die süße Sehnsucht nach Erlösung.

Als sich ihre Wege in der Schule zum ersten Mal kreuzen, sind  Mattia und Alice vom Leben schon schwer gezeichnet: Alice trägt eine Narbe von einem Schiunfall am linken Bein und Mattia kann das Verschwinden seiner Zwillingsschwester nicht überwinden, für das er sich verantwortlich fühlt. Beide waren zum Zeitpunkt der traumatischen Ereignisse unschuldige Kinder. Unfähig, dem Druck standzuhalten, den die Erwachsenen ihnen aufgezwängt hatten.

Als Außenseiter gebrandmarkt, von Schuldgefühlen gepeinigt , sucht jeder der beiden auf seine Art Schutz vor den Anforderungen einer Gesellschaft, in der es keinen  Platz für Loser gibt. Zuflucht findet der hochbegabte Mattia im Studium der Mathematik. Alice, als “Hinkebein“ verspottet, scheitert am Versuch sich einer Gruppe gleichaltriger Mädchen anzupassen. Was bleibt, ist die Sehnsucht.

Mattia und Alice (brillant: als Erwachsene dargestellt von Luca Marinelli und Alba Rohrwacher) fühlen sich zueinander hingezogen. Aber nur ihre Seelen scheinen sich leidenschaftlich zu küssen. Wie bei Primzahlenzwillingen, die ganz nahe nebeneinander stehen, sich aber nie  wirklich berühren, bleibt die Erfüllung dieses brennenden Verlangens aus. Oder kriegen sich die beiden am Ende doch?

Filmkritik

Noch nie war Weltschmerz so lustvoll und ausdrucksstark gespielt, kunstvoll verpackt und spannend aufbereitet. Alba Rohrwacher überzeugt mit der Verletzlichkeit eines aus dem Nest gefallenen Vogels und Luca Marinelli als einsamer Wolf ist Herz zerreißend. Beide Darsteller wurden zu recht für diese Spitzenleistung ausgezeichnet.  Auch Isabella Rosselini beeindruckt als Mattias todtraurige Mutter. Kurz: Diese Gleichung geht voll und ganz auf. (Mehr über den Roman von Paolo Giordano lesen Sie hier)

Ab 7.10.2011 im Kino. Webtipp: www.primzahlen-derfilm.de
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Tuesday, 22.05.2012, 15:00 Uhr

Autorenprofil Catherine Gottwald

Catherine Gottwald
Catherine Gottwald, geboren 1970. Freie Autorin und Journalistin.

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