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Beim Burgunder-Macher

Ein Tattendorfer Vorgeschmack auf die große Thermenregionskost zeigte den Jahrgang 2010 „in progress“.

Kommende Woche steht die große Verkostung der „Thermenregion Top 100“ an, einen der drei Winzer, die besonders oft in der lokalen Vorkost punkteten, besuchte ich vorab – den Tattendorfer Georg Schneider. Für den Ort galt lange die Charakteristik, wie sie für Sooß konstatiert wurde. Allerdings hat man sich der gemeinsamen Stärken besonnen und mit den „Burgundermachern“ ein modernes Label gefunden, an das man sich architektonisch erst anpassen muß. Qualitativ paßt es aber, wie nicht nur Schneider zeigt.

Äußerst erfreulich beginnt die Verkostung mit einem Gemischten Satz. Frische zeigt bereits die Nase an, Holunderblüte und Limette sind zu merken. Der aus fünf Sorten, vor allem dem fürs Aroma wesentlichen Traminer, zusammengesetzte Starter erfrischt mit seiner Zitrusnote, dennoch braucht einem auch im kommenden Frühjahr darum nicht bang sein, für den „G’mischten“ immer ein gutes Zeichen. Ebenfalls aus dem Jahrgang 2010 stammt der Chardonnay. Die Kalkschotter-Böden, denen er entstammt, merkt man in der leichten Mineralik, die gut zu der saftigen Frucht paßt. Etwas Buttrigkeit steht einem Chardonnay immer, in diesem Falle sorgt sie für einen Duft nach Tiramisu und Salzkaramell. Wie alle Nicht-Reserve-Weine eine Empfehlung in Sachen Preis-Leistung (Euro 6,50)!

Der Rotgipfler Taglsteiner 2010 erinnert im Duft an die ungesunde Kinder-Nascherei „süßer Speck“, also eine Art Austro-Marshmallow, dazu gesellt sich McIntosh-Apfel. Dem Jahrgang entsprechend ist auch die Säure einigermaßen hoch, doch die Lage bringt stets sehr langlebige Weine hervor. Die hohe Aromatik wird momentan noch etwas maskiert, wie bei Kollegen Stadelmanns „Tagelsteiner“ mit einem „e“ mehr (Schneider ist dank Zukauf Reb-Nachbar des Traiskirchners) empfiehlt sich zweijährige Kellerruhe.

Unkompliziert rot

Den roten Einstieg liefert die schöne Sorte Blauer Portugieser, nach der Menge immerhin auf Platz drei der Rotweinstatistik, aber kaum in guter Qualität zu finden: Vogelbeere und fast selchige Würze in der Nase, am Gaumen unentschieden zwischen Schmeichelei und Würze. Trinkt sich unkompliziert und macht Lust auf das nächste Glas, hier schenkte Schneider seinen „kleinen“ St. Laurent ein. Der 2009er  duftet nach Schokokuchen und Kirsche, dazu kommen dezentere Wacholder-Noten. Am Gaumen packt gleich einmal der Fruchtcharme zu, auch hier „Schwarzwälder Kirschtorte“ zu merken, mit seiner runden Art (ein Teil reifte in Barriques) klingt der Wein mittellang aus.

Bei einem Mitglieder der Burgundermacher-Gruppe darf aber natürlich der Pinot noir nicht ungekostet bleiben; Erdbeer-Strudel steigt als erster Duft aus dem Glas, gepaart mit feiner Würze (u. a. Krenwurzel). Im Mund zeigt sich der 2008er fast ätherisch leicht, erst spät meldet sich hier die Würze, die den Wein bis ins Finale trägt.

Dass er es auch kräftiger kann – immerhin hat er auch in Australien hospitiert – beweist dann die Cuvée noir, in der der Cabernet mit 50% die Hauptrolle spielt.  Mit dem zwischen Frucht (Brombeere satt) und Würze (grüner Paprika, Minze, auch Eukalyptus) wechselnden Duft zeigt der 2008er, wo die Reise hingeht. Am Gaumen ist er in Summe noch etwas jugendlich, die Paprikaaromen sind auch hier zu spüren, dazu denkt man an Ribisln, sowohl was deren rote Frucht, als auch die Säure betrifft. Kann noch einiges zulegen, am besten regelmäßig nachkosten!

Bezugsquelle:

Georg Schneiders Weine liegen – mit Ausnahme der Cuvée noir (11 Euro) deutlich unter 10 Euro, selbst der Pinot (Euro 7,50), alles bei www.weingut-schneider.co.at

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Tuesday, 22.05.2012, 14:54 Uhr

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Roland Graf
Mag. Roland Graf weiß als Wein-Kenner und Genussspezialist stets, wo der Bartl den besten Most herholt, welcher Winzer Top-Weine keltert und welche Küche gerade begeistert. Und verrät es regelmäßig im WIENER. (Foto: Bami Hoffmann)

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