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Sex

Zungenschlag

Manche Männer schwören drauf, für andere ist es unvorstellbar. Doch wer sich gerne einen blasen lässt, sollte sich vielleicht auch mal dafür revanchieren und die Dame des Herzens mündlich verwöhnen.

Es gibt unzählige Anleitungen zum guten Blowjob. Für den mündlichen Liebesdienst an Frauen gibt es nicht mal ein nettes Wort (bloß das unsägliche medizinische „Cunnilingus“), und gute Tipps kann man selbst in jenen Magazinen mit der Lupe suchen, die sonst immer alles über Sex zu wissen vorgeben. Dabei hätte es ein Großteil der Männerwelt dringend notwendig, mal in die Grundlagen der oralen Verwöhnung eingeführt zu werden. Nichts für ungut, Männer, aber genauso wie vielen Damen schadet es auch euch sicherlich nichts, im Fach „Erotik“ das eine oder andere Thema zu vertiefen.

Zunächst beginnt alles ganz harmlos, denn am besten nähert der Herr sich den entscheidenden Körpergegenden seiner Gespielin in großen Kreisen, erforscht zuerst die weitere, dann die nähere Umgebung – Bäuchlein, Schenkel, Leiste, aber auch Steißbein und Pobacken sind ein lohnenswertes Forschungsgebiet – mit Lippen, Zunge, Händen, Fingern: eben mit allem, was Vergnügen bereiten kann. Bei allem, was er in der Folge tut, sollte er auch weiterhin daran denken, dass die Dame nicht nur aus Klitoris besteht.

Erst wenn er das weibliche Temperament einigermaßen in Wallung gebracht hat, sollte sich der Kavalier dem Ziel seiner Begierden nähern, und zwar in seinem ureigensten Interesse. Ist er zu früh dran, verschreckt er die Dame unter Umständen und/oder er muss später frühzeitig w-o geben, weil seine Zunge dem nötigen Marathon nicht standhalten kann. Empfehlenswert ist jedenfalls, die Beste durch Küssen und Lecken an der Innenseite der Oberschenkel und sanftes Knabbern an den großen Schamlippen noch ein wenig auf die Folter zu spannen, bevor man sich ins Lustzentrum vorwagt.

Die ersten Minuten der galanten Bemühungen sind jedenfalls entscheidend dafür, ob beide Seiten die Sache genießen können oder ob sie so mühsam wird, dass die Dame lieber unbeleckt bleibt. Daher sollte er besonders aufmerksam darauf achten, was bei seiner Bettgefährtin gut ankommt. Hier ist es natürlich schwierig, zu verallgemeinern, da die Vorlieben von Frau zu Frau verschieden sind. Die wenigsten Frauen stehen jedoch darauf, wenn der Herr seine Zunge zu stark anspannt, dann ist sie zu hart und wirkt wie ein Reibeisen. Am bestens ist wohl, sich durch sanftes Variieren an ihre Lieblingsvariante heranzutasten: ganz sanfte Berührungen, leichtes Kreisen, schnelleres Hin- und Herwedeln oder kräftigerer Zungenschlag.

Manche Klitoris ist so empfindlich, dass die zugehörige Frau gar keine direkte Berührung verträgt, nur Umkreisen und daneben auf und ab Lecken. Andere stehen auf sanftes bis heftiges Saugen an Klitoris und kleinen Schamlippen, und wieder andere mögen es, wenn ihre Schamlippen mit den Zähnen (sanft!) beknabbert werden. Was es auch ist: Merken und beim nächsten Mal noch besser machen.

Um vergebliche Liebesmüh zu ersparen, sei noch darauf hingewiesen, dass es selten was bringt, die Zunge in die Vagina zu stecken. Besser ist ein Finger, der am Scheideneingang sanften Druck nach unten ausübt und im Inneren der Dame nach oben massiert (also am sagenumwobenen G-Spot). Ebenso sinnlos ist es, Luft in die Scheide zu blasen (das kann sogar gefährlich werden).

Viele Frauen brauchen kurz vor dem Höhepunkt ein Ausmaß an Druck und/oder Tempo, mit dem die beste Zunge kaum mithalten kann. Wenn die Gespielin in dieser Phase daher lieber auf Handbetrieb umstellt, sollte der Kavalier nicht beleidigt sein: Das sagt meistens nichts über seine Liebeskünste aus. Sollte seine Zunge vorzeitig erlahmen, so kann er versuchen, die Zunge still zu halten und seinen Kopf zu bewegen. Das mag vielleicht seltsam aussehen, aber in den wenigsten Fällen hat man Publikum (auch die meisten Damen haben ihre Augen dabei geschlossen). Außerdem ist es in dieser Position auch möglich, dass die Gespielin ihren Unterleib nach Belieben rotieren lässt und so ihrem Liebsten unter die Arme (?) greift.

Worauf Mann nicht verzichten sollte: viel Feuchtigkeit. Speichel ist durchaus erwünscht, er rundet die Sache sozusagen ab (aber bitte nicht sabbern oder spucken!). Was Mann jedoch unbedingt unterlassen sollte: Jegliche Art von Bemerkungen über Aussehen, Geruch oder Geschmack der weiblichen Intimgegend, es sei denn, sie ist 100prozentig positiv und kann nicht missverstanden werden. Die meisten Damen sind in diesem Punkt nämlich sehr empfindlich und viele können aus den unterschiedlichsten Gründen nicht einmal hören, dass sie „delikat schmecken“ – sie haben schon genug damit zu tun, die Sache einfach hingebungsvoll genießen zu können.

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Tuesday, 22.05.2012, 14:53 Uhr

Autorenprofil Caroline Klima

Caroline Klima
Caroline Klima lebt als Autorin, Übersetzerin und Lektorin in Wien – Spezialgebiete Geschichte, Psychologie & Comics. Als langjährige Erotik-Kolumnistin im Netz (u. a. „CaroLines“ seit 1999!) heizte sie den WIENER-Lesern mit ihrer KlimaZone zunächst auf dem Papier ein - und nun auf wiener-online.at.

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