Zeitgeist und Kunst
Music Monday: Gute Bands braucht das Land! The Proud steht in den Startlöchern. Der WIENER traf Frontfrau Clara Blume und sprach mit ihr über Austro-Kulturgut und spanische Klischees.
Von Madrid nach Wien: Clara Blume und Pablo Cebrian sind das musikalische Uhrwerk von The Proud. Gemeinsam schreiben und produzieren sie sämtliche Songs.
Ist eure Musik stolz?
Clara Blume: Ja, sie ist stolz, weil sie mit sehr viel Selbstbewusstsein kreiert wurde, denn wir haben uns bewusst gemacht, welche Art von „Kunst“ wir schaffen wollen. Dann kommt noch der Schmäh des stolzen Spaniers dazu, das hat mehr mit den Figuren in der Band zu tun. Stolz hat zwei Facetten: Er hat etwas Elegantes und strahlt aus, dass man weiß, was man will und sich nicht alles gefallen lassen muss. Andererseits steht er einem oft im Weg und verhindert, dass man über seinen eigenen Schatten springt. Der spanische Stolz ist ein bisschen von beiden Welten.
Ihr lebt nicht in der selben Stadt…
Drei von uns sind in Madrid, zwei auf Teneriffa und ich bin Pendlerin. Es hat offensichtliche Nachteile, man kann sich nicht spontan zum Jammen treffen. Man muss bei jeder Arbeitssession sehr konzentriert und mit Zeitdruck arbeiten, was gleichzeitig ein Vorteil ist: Es entsteht eine unglaublich kreative Energie, weil man den Drive nicht verliert. Wir haben sieben Songs in sieben Tagen gemacht, die alle aufs Album kommen. Am dritten Tag bist du so in Fahrt, dass du verdammt gut singst und spielst. Es fließt einfach, alles ist aus einem Guss.
Besteht weniger Gefahr, dass die Songs überproduziert klingen?
Bei einer Überproduktion handelt es sich um etwas, das so oft fragmentiert, in seine Einzelteile zerlegt, readjustiert und an allen Ecken und Enden poliert wurde, dass es jeglichen spontanen Charakter verliert und unauthentisch ist. Niemand ist davor gefeit, es ist ein schmaler Grad. Die Anforderung, einen ständig innovativen und progressiven Sound zu finden, der gleichzeitig Individualität ausstrahlt, macht es schwierig. Wie findest du das, ohne sofort mit anderen verglichen zu werden, ohne dass es gekünstelt wirkt?
Welche Hürden muss man als neue Band nehmen?
Die Schwierigkeit ist, das Ding an den Mann zu bekommen. Wir warten auf das Feedback der EP. Es gibt viele Variablen zu beachten in dieser Branche. Es kann z.B. zeitgleich ein Projekt herauskommen, dass dir ähnlich, aber schon jahrelang etabliert ist. Es gibt viele Unsicherheitsfaktoren. Unser Hintergedanke war, dass man nicht gleich alle Argumente auf eine CD gibt. Wenn dann nichts passiert, ist der Frust sehr groß. Es geht auch darum, ein gutes Label zu finden, das hinter einem steht. Gutes Management und Promotion ist heutzutage einfach das wichtigste.
Ist das musikalische Schubladendenken in Österreich größer als in Spanien?
Ich denke nicht. Es gibt wie bei uns einen großen Mainstream-Sender, der den Ton angibt. Der größte Unterschied ist, dass nationale Produkte dort mehr gepusht werden, auch mit Geld. Die Spanier konsumieren nur spanische Popmusik – und ein bisschen Coldplay. Grundsätzlich fehlt in Österreich, dass nationale Produkte tatsächlich ins Radio kommen. Es gibt die drei Auserkorenen im Jahr, die gespielt werden. Dabei bleibt’s, es gibt eben keine 40%-Klausel! Der ORF könnte sich sowas einfallen lassen, das würde der lokalen Musikindustrie gut tun. Popmusik ist vielleicht nicht das Steckenpferd unseres Kulturbetriebs, das ist die Klassik. Aber moderne Musik ist ebenso Zeitgeist und Kunst. Sie verkommen zu lassen ist ein grober Fehler. Ich kann verstehen, dass die Klassik die Gallionsfigur ist, sie hat sicher das meiste Identifikationspotential für unsere Kultur. Nichts desto trotz wirtschaften wir uns selbst herunter.
THE PROUD ist ein Projekt der Wiener Singer-Songwriterin Clara Blume und dem Madrider Produzent und Musiker Pablo Cebrian. Außerdem spielen internationale Größen wie Julio Tejera, Matias Eisen, Aaron Johnston (Brazilian Girls) und Savino Di Vietro in der Band. Am 1. Oktober präsentiert das Sextett ihr Debutalbum live im Radiokulturhaus. Die EP mit ersten Eindrücken ist ab jetzt erhältlich, das Album folgt voraussichtlich zu Weihnachten.

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