Schweizer Wein: Grüezi im Glas
Nicht nur der Franken ist momentan hochstehend, auch die Schweizer Weine legen zu
Der Schweizer Wein ist so etwas wie das Phantom der Keller. Nicht erst seit dem Franken-Höchststand verirrt sich kaum etwas aus der mengenmäßig durchaus beachtlichen Produktion der Eidgenossen nach Österreich. Die bekannte Ausnahme zur Regel sind die Pinots von Martha und Daniel Gantenbein, die praktisch im Alleingang das CH-Segment der Top-Gastronomie hierzulande füllen. Aber nicht um sie, sondern den “Veltliner” Helvetiens, geht es heute. Chasselas. Die Traube hat einen nicht immer einwandfreien Ruf, weil halt wirklich viel mindere Qualität produziert wurde – wie eben bei uns vom Veltliner der Vor-DAC-Zeit.
Im Rahmen einer Tour durch die Schweizer Weingebiete servierte Blaise Duboux vergangene Woche natürlich auch diese Traube, macht sie in seiner Heimat am Genfer See doch 90% aus. Die einst von den Zisterzienser-Mönchen angelegten Rebanlagen in Calamin bringen relativ viel Lehm mit. Dementsprechend grundiert, brachte der erst im Juni gefüllte 2010er Chasselas auch ein beachtliches Rückgrat mit. Gelbe Früchte, aber auch Apfel und leichte Vanille im Duft, dazu eine erfrischende Säure am Gaumen und straffe grüne Apfelfrucht sorgten für einen frischen Einstieg in die Sorte.
Der Chasselas: Besser als sein Ruf
Die noch feingliedrigere Variante lieferte dann die zweite Spitzenappelation Dézaley. Dort wurzeln bei Önologen Duboux die über 25 Jahre alten Reben tief in einer steinigen Lage, was dem Wein Würze verleiht: Im Duft folgen auf die erste Bisquit-Note reife gelbe Früchte und ein merklicher Kalk-Akzent. Der 2009er zeigt eine feinmineralische Säure, im Abgang auch ein gewisses Bitterl, in jedem Fall aber eine beachtliche Länge. Noch kräftiger, durch langen Hefekontakt, ist die Cuvée aus Marsanne blanche und Chardonnay (40%) aus dem Jahr 2010. Keineswegs überholzt, stellt der erst kurz gefüllte Dézaley Grand Cru den Paradetyp eines kräftigen Weißweins dar, der weder mit Kokos und Ananas prunken will, noch dem Neue-Welt-Stil nachhechelt.
Seit 17. Generationen sind die Duboux im Weinbau tätig, entsprechend kundig führte Blaise durch die teils verwirrende Vielfalt an einheimischen Weinen und Synonymen (Chasselas etwa ist anderswo als Gutedel bekannt). Petite Arvine hat sich nur im Wallis gehalten, rund 150 Hektar sind es hier noch, die mit der weißen Traube mit der charakteristischen salzigen Note bestockt sind. Die von Axel Maye 2009 gefüllte Version erinnerte etwas an den Rotgipfler, exotischer Duft (u. a. Kokos), saftiges Spiel zwischen Säure (Rharbarber) und süßen Aromen (Cavaillon-Melone) machen den Wein zum idealen Begleiter der Asia-Küche. Lediglich im Finish riss der Petite Arvine ein wenig ab.
In Sachen Rotwein durfte da natürlich der Merlot aus dem Tessin nicht fehlen. Die in Balerna beheimatete Kellerei der Fratelli Corti konnte mit dem “Leneo Riserva”, dessen Name auf Weingott Bacchus anspielt, (noch) nicht ganz überzeugen. Allerdings legt der 21 Monate im Faß gelagerte Merlot auch noch zu, wir kosteten den 2008er. Die schöne Eukalyptus-Nase und die Himbeer-Aromatik am Gaumen lässt aber Bestes erwarten.
Ein Stück Österreich
Die kurioseste Entdeckung in Blaises Selektion der Schweizer Weine war übrigens eine heimische “Eroberung”. Es gibt ihn seit neuestem, den Zweigelt-Anbau in der Schweiz. Zwar nur im bescheidenen Ausmaß, aber immerhin. Je ein Drittel Merlot, Pinot noir und eben Zweigelt wird bei der hart an der österreichischen Grenze gekelterten Cuvée Burgwein verschnitten, wobei der Merlot praktisch nicht zu schmecken war. Jugendlich und mineralisch, fast laut, setzt sich der Zweigelt durch. Vom Pinot stammt eine gewisse Finesse dieses ungewöhnlichen Weins aus der Deutsch-Schweiz, der den Österreicher in der Kostrunde natürlich stolz machte.
Bezugsquellen:
Blaise Duboux, Calamin Grand Cru 2010 (ca. Euro 15.-), Dézaley “Haut de Pierre” 2009 (ca. Euro 23.-) bzw. Dézaley Grand Cru 2010 (ca. Euro 26.-): alle bei www.blaiseduboux.ch
Simon Maye et fils, Petite Arvine 2009, Euro 20.- bei www.simonmaye.ch
Fratelli Corti, Merlot del Ticino 2008, ca. Euro 35.- bei www.fratellicorti.ch
Schmid-Wetli, Cuvée “Burgwein” 2009, ca. Euro 21.- bei www.schmidwetli.ch









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