Perfektion ist langweilig
Eine Innsbrucker Berlinerin redet Wienerisch. Mirjam Weichselbraun spricht im WIENER über zuckende Augenbrauen, dunkle Tage eines Sonnenscheinmädchens und ein Idol namens Michael Knight.
Tirolermadel, Naturmensch, Sonnenstrahlenlächeln. Das passt schon alles zu Mirjam Weichselbraun. Nur mit ihrer Lebenseinstellung hat ihr gängiges Image im Grunde wenig zu tun. „Viele sehen mich eben gerne in einer bestimmten Rolle“, so die TV-Moderatorin. Festnageln lässt sich Weichselbraun deswegen noch lange nicht: „Ich bin so viele auf einmal“, sagt sie. Für den WIENER war die gebürtige Tirolerin und leidenschaftliche Wahlberlinerin anlässlich ihres 30. Geburtstags am 27. September einen Tag lang einfach Mirjam Weichselbraun. Eine junge Querdenkerin, die ihre funky MTV-Zeiten aufleben lässt, erzählt, wie sie ihre Selbstzweifel bewältigt und sagt, warum sie heute mehr Frau ist als früher.
Stellen Sie sich vor: Eine Live-Show anlässlich Ihres runden Geburtstags. Mit welchen Worten würden Sie anmoderieren?
Hilfe, bitte keine Live-Show zu irgendeinem meiner runden Geburtstage, es sei denn der 80. Und nachdem ich das Geburtstagskind wäre, soll da mal wer anderer moderieren.
Der 30er ist ein markantes Datum. Welche Gedanken gehen Ihnen anlässlich Ihres Runden durch den Kopf?
Ich mache mir da wirklich nicht so viele Gedanken. Es sind eher andere, die mich immer drauf ansprechen. Klar, auch ich empfinde, dass sich 30 ganz schön erwachsen anhört, aber ansonsten ist mir das relativ egal. Im Gegenteil, ich mag mich jetzt lieber als noch vor einigen Jahren.
Was zum Beispiel?
Ich geh’ entspannter mit meinem Job um, finde kleine Fehler während einer Sendung nicht mehr schlimm. Irgendwie relativieren sich mit der Zeit ein paar Dinge, das ist gut. Rein optisch mache ich mir auch nicht mehr so viele Gedanken. Ich mag mich einfach nur wohlfühlen.
Sie haben eine beeindruckende Karriere im Entertainment- bzw. TV-Business hingelegt. Was empfinden Sie heute, wenn Sie sich auf YouTube Ihre ersten Moderationen bei VIVA plus anschauen?
Ich schau’ mir die nicht an. Natürlich finde ich aber manche Sachen besser, manche schlechter. Ich hab eben früh mit der Moderation begonnen und den Entwicklungsprozess konnte man im Fernsehen auch sehen. Ich komme inzwischen besser mit meinen Fehlern klar.
Was hat Sie da gestört und wie lernt man damit umzugehen?
Das waren Kleinigkeiten, wie Versprecher oder einfach die falschen Interviewfragen. Man lernt gar nicht aktiv besser damit umzugehen, aber irgendwie erkennt man, dass solche Dinge auch überhaupt kein Problem sind und dass es nichts Langweiligeres gibt als Perfektion.
MIRJAM WEICHSELBRAUN, geboren 1981 in Innsbruck. Erste Gehversuche in der Medienbranche 1998 bei Radio Antenne Tirol. Bekanntheit erlangte die Tirolerin bei der Wahl zum BRAVO-Girl 2000, danach wechselte sie zum Fernsehen und moderierte für Tirol TV kurzzeitig die Kultursendung „Das Magazin“. 2001 heuerte Weichselbraun beim damals neuen Sender Viva Plus in Köln an und moderierte das Format „Cologne Day“. Anschließend ging sie zu MTV nach München, wo sie bis 2007 tätig war. Als der Sender 2004 nach Berlin übersiedelte, zog auch Weichselbraun um. Seit 2003 moderiert Weichselbraun für den ZDF ein Online-Magazin zur Wetten, dass...?-Show. 2004 stand sie mit „Expedition Österreich“ erstmals im ORF vor der Kamera. Für den Staatsfunk moderiert sie ab 2005 „Dancing Stars“, später den „Life Ball“ und zuletzt den „Opernball“. Weichselbraun lebt abwechselnd in Innsbruck und in Berlin. Parallel zur Moderation ist sie auch als Sprecherin und Schauspielerin tätig. Im Kinofilm „Hangtime – kein leichtes Spiel“ spielte sie die weibliche Hauptrolle.

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