Notlügen
Nicht immer ist es in einer Beziehung angebracht, die volle Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen. Smarte Antworten auf brisante Fragen...
Natürlich will hier niemand der Verlogenheit das Wort reden. Es gibt kaum etwas, womit man einer Beziehung endgültiger den Todesstoß versetzen kann als dauernde Lügereien. Denn wenn der andere draufkommt, geht die Vertrauensverletzung tief. Doch auch manche Wahrheiten können verletzen – völlig sinnlos und überhaupt nicht notwendig. Darum übe man sich rechtzeitig in eleganten Antworten auf Fragen, die man besser eh nicht so gerne ehrlich beantwortet haben möchte…! Zum Beispiel:
„Was denkst du gerade?“
Eine der berühmtesten und zugleich indiskretesten Fragen der menschlichen Beziehungsgeschichte. Natürlich denkst du nicht gerade daran, dass du noch den Kühlschrank abtauen/das Motoröl nachfüllen/den Müll raustragen musst. Wer diese Frage stellt, erwartet, dass sich der Hohlraum hinter deiner Stirn mit etwas Bedeutsamem, Schönem, Interessantem beschäftigt – zum Beispiel mit ihr/ihm! Empfohlene Antwortart also: „Ich denke gerade daran, wie schön der Abend/die Nacht/das Leben mit dir ist …“
„Wie findest du meine Freunde/innen?“
„Oh, Susi hat eine tolle Oberweite und Olivias süßes Lächeln ist überaus verführerisch.“ Bzw.: „Stefan hat einen sexy Superbody und Philipps Stimme könnte man stundenlang hingerissen lauschen.“ Solche Antworten mögen vielleicht recht genau das wiedergeben, was du dir insgeheim denkst. Allerdings fällst du damit bei Beziehungsprüfungen garantiert durch. Weil du dir natürlich nichts weiter dabei denkst, dein/e Liebste/r aber durchaus zu Recht viel mehr vermutet und gekränkt sein wird. Besser also: „Susi/Stefan sieht ganz gut aus, ist aber nicht mein Typ. Und mit Olivia/Philipp kann man sich fast, aber eben nur fast so gut unterhalten wie mit dir.“
„Wie war euer Mädels/Herrenabend?“
Achtung, gefährliche Falle! Die beste Antwort ist etwas in der Art von „Nett war er und wir haben uns gut unterhalten.“ Dass du um drei Uhr morgens auf dem Tisch getanzt/der Table-tänzerin noch einen Zehner ins Höschen gesteckt hast, will dein/e Liebste/r doch gar nicht so genau wissen. Und du auch nicht mehr …
„Hast du mich vermisst?“
Was für eine Frage! Jede Antwort außer einem „Ja natürlich!“, besser noch: einem langen, innigen Kuss kann nur in die Kategorie „leider nicht“ fallen. Dass du zwar an ihn/sie gedacht, ihn/sie aber eigentlich nicht wirklich vermisst hast, weil du die Woche als Strohwitwe/r einfach mal genossen hast – wen interessieren denn schon solche Details?
„Woher wusstest du …?“
…dass er/sie schon lange von einem iPad/einer Raftingtour/einem Abend im Moulin Rouge träumt? Wissend lächeln und schweigen ist hier die elegante Antwort der Wahl – so bleibst du seine/ihre verständnisvolle/r und aufmerksame/r Gefährte/in. Muss ja schließlich nicht an die große Glocke gehängt werden, dass du keinen Schimmer hattest und dafür alle seine Freunde/ihre Freundinnen schon wochenlang genervt und ausgefragt hast.
„Wie viele Männer/Frauen hattest du vor mir?“
Schwierige Sache. Ist die Zahl zu niedrig, könntest du wie ein uninteressantes Mauerblümchen/schüchterner Klemmi wirken. Ist sie zu hoch, bist du nymphoman oder ein Playboy mit hohem Untreuepotenzial. Beides nicht wirklich erstrebenswert. Am besten ist hier eine Zahl zwischen drei und sieben. Das klingt noch glaubwürdig und positioniert dich strategisch günstig zwischen allen Fettnäpfchen. Und übrigens: Wenn er/sie Details wissen möchte, ist es am besten, sich auf ehrenhafte Diskretion zu berufen. Schließlich möchte sie/er sicher auch nicht, dass du in ihrer/seiner Abwesenheit Intimitäten über sie/ihn ausplauderst…








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