Meister der Farben
Einer der erfolgreichsten jungen Modedesigner Londons kommt aus Tirol. Nur in Österreich weiß das keiner. Die magisch-verspielten Roben von Peter Pilotto und seinem Partner Christopher De Vos werden weltweit von Stars getragen. Wir haben mit Peter Pilotto geplaudert.
Wir Österreicher sind nie stolzer, als wenn unsere Landsleute weltweit bekannt sind. Kein Grund für Minderwertigkeitskomplexe, es gibt sie, die erfolgreichen Österreicher – nur manchmal haben wir es einfach noch nicht mitbekommen.
Peter Pilotto stammt aus dem Tiroler Wörgl und hat gleich nach dem Modestudium in London und Antwerpen seine Abschlusskollektion vielfach verkauft. Sein Label Peter Pilotto führt er zusammen mit seinem Studienkollegen Christopher De Vos, einem Belgier mit einem peruanischen Elternteil. Markenzeichen der beiden, die bisher ausschließlich Frauen eingekleidet haben, sind klassische Drucke in ungewöhnlichen Farbkombinationen auf verspielt-raffinierten Formen. Das Telefonat mit dem WIENER nutzt der jetzt in London lebende und arbeitende Peter Pilotto dazu, wieder einmal richtig Tirolerisch zu sprechen.
Ihr seid für eure ungewöhnlichen Farbkombinationen berühmt. Gibt es nicht auch Farben, die absolut gar nicht zusammenpassen?
Schwierige Frage. Wir haben einfach einen Instinkt dafür, schauen, was wir gut finden. Manchmal ist uns wichtig, dass die Blaus eher sehr blau sind, manchmal sollten sie eher lila sein, was in anderen Saisonen eine Katastrophe wäre. Es gibt schreckliche und gute Kombinationen. Wir müssen die guten halt finden.
Zum Beispiel?
Wenn auf einem Gemälde ein Gesicht ausgedrückt wird, sind da oft viele Rosa-, aber auch viele Grüntöne, was dann gerade die Schönheit oder das Rosafarbene des Gemäldes ausmacht. Oft braucht ein Gelb viel Grün daneben. Deswegen ist die Technik des Druckens ideal: Man kann winzige Elemente nebeneinander setzen. Von weit weg sieht es gelb aus, hat aber auch Grün.
Kreativität ist ja etwas sehr Persönliches. Wie schaffen es zwei Menschen, zusammen gleichberechtigt kreativ zu sein?
Man braucht irre viel Respekt für den anderen, weil man oft darüber nachdenken muss, was der andere meint. Bei Stress ist das natürlich schwierig. Wir haben zusammen in Antwerpen studiert und konnten uns ganz, ganz langsam auf diese Zusammenarbeit vorbereiten. Wir haben einander in der Schule schon wechselseitig angetrieben, ergänzt, obwohl wir nie gemeinsam an einem Projekt gearbeitet haben.
Habt ihr beide ein Vetorecht bei Entscheidungen?
Wenn der andere etwas nicht gut findet, heißt das, dass die Idee vielleicht noch nicht weit genug angetrieben ist, dann müssen wir jeweils noch besser daran arbeiten, bis der andere überzeugt ist. Und in der Praxis sind wir ja, wie in jeder Firma, mehr als nur zwei Leute, die sich beteiligen. Es arbeiten außer uns noch zehn/elf Menschen im Haus, und in der Schlussphase vor einer Show auch externe Schneiderinnen und Praktikanten.
Wieso trägt das Label nur deinen Namen, obwohl ihr ein Duo seid?
Christopher hat seinen Abschluss ein Jahr nach mir gemacht. Ich habe das Label gleich nach der Schule begonnen, weil sofort irre Läden wie Colette meine Abschlusskollektion haben wollten. Er hat T-Shirts dazu beigesteuert. Als er enger eingebunden wurde, beschlossen wir, nicht verwirren zu wollen und den Namen zu behalten, aber immer zu erklären, dass wir ein Duo sind.
Du bist in Wörgl aufgewachsen. Wie kommt man dort auf die Idee, Modedesigner zu werden?
Ich war immer schon kreativ als Kind, habe gebastelt. Mein Bruder und ich sind immer mit unseren Eltern, die eine Boutique betreiben und mit Designern befreundet sind, auf Messen und Modeschauen gefahren. Mode war immer in der Nähe, immer in der Luft. Als ich dann mit 20 nach London ging, überlegte ich, ob ich Grafik oder Mode studiere. Es ist Mode geworden. Bei Christopher war es so, dass er zwischen Architektur und Mode entschieden hat. So beschreiben wir auch gerne unsere gemeinsame Vision: Er ist der Architekt unserer Mode, ich bin der Grafikdesigner. Er hat den dreidimensionalen Blickpunkt, ich füge den zweidimensionalen Touch hinzu.
Hat deine Faszination für Naturphänomene – wie Reflexionen im Wasser – mit deiner alpinen Herkunft zu tun?
Eher mit der Liebe für Mode an sich. Drucke sind immer eine Naturreferenz, weil die Natur halt viele Farben hat. Wir wollen was Neues machen, unser eigenes Ding, und dabei solche klassischen Themen genauer analysieren. Deshalb haben wir etwa mikroskopische Bilder von Schmetterlingen als Ausgangspunkt für die Drucke: etwas Klassisches, das wir auf neue Art umsetzen.
Das Label ist international bekannter als in Österreich. Bist du noch oft hier?
Abgesehen von Weihnachten: phasenweise. Auch Christopher interessiert sich für die Landschaft, aber auch zum Beispiel für die Trachten. Wir verhandeln gerade ein Projekt, das mehr Österreichbezug hat. Vielleicht ändert sich das ja dann mit der Bekanntheit. Ich finde es spannend, Österreich von der Welt aus zu erobern. Meistens sind wir aber natürlich in London.
Und warum gerade da?
Es ist für junge Designer ein toller Ort. Teuer zwar, aber man kann im Gegensatz zu Paris auch günstige Ecken zum Arbeiten finden. Wir haben in einem winzigen Malerstudio begonnen.
Auf welche prominente Kundin seid ihr besonders stolz?
Wir sind vor allem stolz darauf, dass viele unsere Sachen einfach gekauft haben, Michelle Obama zum Beispiel in einem Laden in Boston. Oft wird das ja von den Presseagenturen richtig betrieben, aber so ist das freilich eine noch größere Ehre.
Aber ihr designt ausschließlich für Frauen?
Zur Zeit. Im Moment konzentrieren wir uns darauf, dass die Kollektion in jeder Kategorie passt. Bei Männern sind die Kleidungsstücke anders. Auf Frauen lässt unsere Kreativität sich am Besten anwenden. Bei Männern wären es vielleicht zwar auch viele Farben, aber eher dunklere.
PETER PILOTTO, CHRIS DE VOS: Der Eine ist für die Drucke zuständig, der andere für das „Architektonische“. Aber eigentlich machen sie alles gemeinsam, seit sie zusammen in Antwerpen Mode studiert haben. Peter Pilotto wurde 1977 geboren, ist halber Tiroler, halber Italiener. Christopher De Vos kam 1980 in Libyen auf die Welt, die Eltern kommen aus Peru und Belgien. Seit 2007 betreiben sie das Label Peter Pilotto mit großem Erfolg von London aus.







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