Marzipan für Jimmy Wales
Neues aus Apulien – oder: Warum man Weinkarten nicht mit Wikipedia vergleichen muss
Der User mailt, der Weinblogger bloggt. Die Reaktionen auf unseren Ausflug zum Schweizer Wein legen es nahe, öfter auch „exotische“ Flaschen zu entkorken. Das tat ich während des Weekends in Apulien; Trinkers Pflicht und Lesers Neigung trafen sich beim Askos 2010 von Li Veli.
Der Wein aus der Verdeca-Traube widerlegt gleich zwei Vorurteile:
1) Süditaliens Weissweine sind stets eindimensional durch den hohen Alkohol.
2) Wikipedia hat immer recht.
Der Askos hat zwar 13%, allerdings eine Frische und Vielschichtigkeit, die man auch im nördlichen Italien (Collio) nicht alle Tage findet. Dazu weiter unten mehr, denn zuerst muss man Jimmy Wales’ Schreibern mal den Kopf oder Gaumen zurecht rücken. Für die Wikipedisten bringt die apulische Rebe Verdeca „einen blaßgelben grünlichen Wein mit neutralem Aroma (in seiner besten Ausprägung verfügt der Weißwein über ein Mandel-Bouquet) und Geschmack hervor. […] Die Sorte dient vor allem als Basis für Vermouth und für Verschnitte“. Treffer, versenkt!
Doch der aus dem Valle d’Itria stammende Askos hat mit diesem Verriß in Sachen Sorte nur eines gemeinsam: das Mandelaroma, das in Form von Marzipan zwischen den Weingarten-Pfirsich und Basilikum-Düften im Glas durchscheint. Die erfrischende Säure und der Ananas-Touch am Gaumen lassen zunächst den Feuerstein-Ton nicht zur Geltung kommen, im Finish wird es aber noch salzig und kreidemineralisch. Damit gibt der Wein, benannt übrigens nach einem griechischen Trinkgefäß, sein Geheimnis preis. Er steht in einem windgekühlten Tal auf kalkigem Boden. Mineralität und Säure lassen also einen Wein entstehen, den Wikipedia und Trinkerfahrung niemals als Gewächs des Südens gewertet hätten.
Bezugsquelle:
Li Veli, Askos 2010, Euro 14 bei www.liveli.it – Tipp für Griechenland-Fähren-Benutzer: den Askos gibt’s auch Brindisi.
zum Schweizer Wein legen es nahe, öfter auch „exotische“ Flaschen zu
entkorken. Das tat ich während des Weekends in Apulien; Trinkers Pflicht
und Lesers Neigung trafen sich beim Askos 2010 von Li Veli. Der Wein aus
der Verdeca-Traube widerlegt gleich zwei Vorurteile:
1) Süditaliens Weissweine sind stets eindimensional durch den hohen Alkohol.
2) Wikipedia hat immer recht.
Der Askos hat zwar 13%, allerdings eine Frische und Vielschichtigkeit, die
man auch im nördlichen Italien (Collio) nicht alle Tage findet. Dazu
weiter unten mehr, denn zuerst muss man Jimmy Wales’ Schreibern mal den
Kopf oder Gaumen zurecht rücken. Für die Wikipedisten bringt die apulische
Rebe Verdeca „einen blaßgelben grünlichen Wein mit neutralem Aroma (in
seiner besten Ausprägung verfügt der Weißwein über ein Mandel-Bouquet) und
Geschmack hervor. […] Die Sorte dient vor allem als Basis für Vermouth und
für Verschnitte“. Treffer, versenkt!
Doch der aus dem Valle d’Itria stammende Askos hat mit diesem Verriß in
Sachen Sorte nur eines gemeinsam: das Mandelaroma, das in Form von
Marzipan zwischen den Weingarten-Pfirsich und Basilikum-Düften im Glas
durchscheint. Die erfrischende Säure und der Ananas-Touch am Gaumen lassen
zunächst den Feuerstein-Ton nicht zur Geltung kommen, im Finish wird es
aber noch salzig und kreidemineralisch. Damit gibt der Wein, benannt
übrigens nach einem griechischen Trinkgefäß, sein Geheimnis preis. Er
steht in einem windgekühlten Tal auf kalkigem Boden. Mineralität und Säure
lassen also einen Wein entstehen, den Wikipedia und Trinkerfahrung niemals
als Gewächs des Südens gewertet hätten.
Bezugsquelle:
Li Veli, Askos 2010, € 14 bei www.liveli.it – Tipp für
Griechenland-Fähren-Benutzer: den Askos gibt’s auch Brindisi.








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