Lieber nackt als unten bunt
Verzweiflung ist, wenn man trotzdem schreibt. Hand in Hand mit der Panikattacke geht’s an die erste Kolumne: Unterwäsche - nicht unbedingt das reizvollste Thema, aber Stil beginnt, wo ihn nicht jeder sieht.
Als Moderedakteur genieße ich sozusagen Narrenfreiheit. Es gibt kaum einen Trend, den ich nicht zumindest testweise ausprobiere. Der Berufsethos verlangt es so. Diesen Sommer habe ich also bedenklich kurze Shorts mit Bügelfalte zu Römersandalen kombiniert, war aufgemascherlt wie ein Matrose und habe Colour-geblockt was das Zeug hält. Sie merken: Meine modische Toleranzgrenze ist hoch!
Spätestens bei Socken & Unterwäsche ist dann aber Schluss mit lustig – da kenne ich wirklich keinen Spaß mehr. Meine persönliche Regel: Beides gehört uni-farben und schlicht! Punkt.
Bin ich adoptiert worden?
Umso größer der Schock, dass die eigene Mutter und der Rest der Sippe wohl anders denken! Neulich bekomme ich neben Kaffee und Kuchen, der vermutlich meinen Kalorienbedarf für die nächsten Wochen deckt, tatsächlich ein Paar Socken vorgesetzt. Ein Mitbringsel, ausgerechnet aus Mailand, eigentlich einer Bastion des guten Geschmacks, wie man meinen möchte. Jetzt sind Socken an sich schon nicht wirklich ein sexy Souvenier, aber auch das kann noch getoppt werden. Violett-schwarz gestreift , mit orangefarbenem Bund – muss ich wirklich noch mehr sagen? Meine schauspielerischen Künste, auf die ich normalerweise sehr viel halte, versagen komplett. Der Schock steht mir ins Gesicht geschrieben. Wenn guter Geschmack in den Genen liegt, dann bin ich definitiv adoptiert worden! Diese Tatsache wird mir jedesmal schmerzlich bewusst, wenn ich zum sommerlichen Grillen als einziger nicht in Bermudas und bedrucktem Kurzarmhemd erscheine. Zur Abwechslung hat meine Mutter aber tatsächlich alles richtig gemacht, man glaubt es kaum, aber es gibt einen regelrechten Hype um Socken mit „originellem“ Muster.
Abstand von meinem Intimbereich
Auch das Label stimmt, leider löst die Trendmarke „Happy Socks“ bei mir genau gegenteilige Reaktionen aus. Der Rest der lieben Familie findet’s „witzig“. Da muss ich mir doch die Frage stellen: Was kommt als nächstes? Lustige Krawatten oder noch schlimmer: Unterwäsche? Auch da bin ich wirklich nicht zu Scherzen aufgelegt. Schrille Muster und Tiermotive mögen sich bitte von meinem Intimbereich fernhalten! „Witzige Unterwäsche“ gehört verboten Das selbe gilt natürlich auch für originelle Erotik-Unterwäsche der Marke „Ich-stecke-meinen-Penis-in-einen-Elefantenrüssel“. Die spielt aber ohnehin in einer eigenen (Unter-)Liga und gehört eigentlich verboten. Humor schön und gut, aber trotzdem wünsche ich mir prinzipiell nicht, dass mein Gegenüber zu lachen beginnt, wenn ich mich ausziehe. Falls die netten Leute von der Tierschutzorganisation PETA sich einmal für etwas Sinnvolles einsetzen wollen, stelle ich mich gerne als Testimonial zur Verfügung: Lieber nackt als mit gemusterter Unterwäsche und Ringelsocken!








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