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Genuss

Koch mit Köpfchen

Er hätte der Starkoch im neu eröffneten Gourmet-Tempel des Shangri-La werden sollen. Das Hotel wurde nie eröffnet – Millionär Hans Schmid gewährte Joachim Gradwohl Asyl. Glück im Unglück.

Haubenkoch Joachim Gradwohl kann wieder lachen. Über Nacht war sein Arbeitsplatz flöten gegangen, noch bevor der 42-Jährige einen Tag gearbeitet hatte: Kurz vor der geplanten Eröffnung des Luxus-Hotels Shangri-La in Wien sagten die Eigentümer die Hotel-Eröffnung samt Gourmet-Restaurant unter der Führung Gradwohls einfach ab. Der prominente Unternehmer und Millionär Hans Schmid witterte seine Chance und bot dem ehemaligen Koch vom „Meinl am Graben“ die kulinarische Randerscheinung „Skybar“ als Spielwiese an.

Wenn Sie versagen, müssen Sie künftig in der Kantine der Vienna Capitals kochen. Ihr Chef Hans Schmid ist dort Präsident.

Joachim Gradwohl: [lacht] Das wäre nicht schlimm, ich habe erst im August für die Capitals bei der Eröffnung des Stadions in der Kantine gekocht.

Sie wären im Shangri-La Küchenchef geworden. Wie haben Sie denn erfahren, dass Sie über Nacht arbeitslos sind?

Am Tag der geplanten Übergabe gab es eine Besprechung, in der uns mitgeteilt wurde, dass Shangri-La aus dem Vertrag aussteigt. Man hat uns dann schon internationale Jobs angeboten. Aber ich war bereits zehn Jahre im Ausland, das kam für mich nicht in Frage.

Sie haben gesagt, dass Sie Lust hätten, wieder so zu kochen wie im „Meinl am Graben“. Wird die „Skybar“ ein Luxus- Restaurant?

Ich glaube nicht, dass der „Meinl am Graben“ ein Luxus-Restaurant war. Die österreichisch bodenständige Küche wird es weiterhin im„Pfarrwirt“ geben, in der „Skybar“ soll es etwas Besonderes geben. Wir entwickeln gerade das Konzept mit den Architekten, ab Jänner wird umgebaut. Die Preise und die Speisen müssen mit dem Haus stimmig sein. Ich arbeite gerne mit kleinen Bauern und kleinen Bäckereien zusammen. Als Küchenchef brauche ich 50 Prozent meiner Arbeitszeit nur zum Einkaufen! Wenn man in die „Skybar“ kommt, soll alles zusammen passen. Ob die Küchenlinie französisch, mediterran oder amerikanisch wird? Nur Journalisten denken in diesen Schubladen.

Seit diesem Jahr gibt es neben den Altbekannten das „Le Loft“ und das „Palais Coburg“. Gibt es in Wien genug Publikum für Luxus-Restaurants?

Wien ist eine Weltstadt – es gibt genug Luft für Spitzengastronomie. Es muss Investoren und Menschen geben, die Gastronomie leidenschaftlich betreiben und leben. Nur Geld reicht nicht, es muss mit Liebe gemacht werden.

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Tuesday, 22.05.2012, 14:37 Uhr

Autorenprofil Anita Kattinger

Anita Kattinger
Die 28-jährige Publizistik-Absolventin begann ihre journalistische Laufbahn bei der Zeitschrift der Gewerkschaftsjugend und war mehrere Jahre als Innenpolitik-Redakteurin bei der Tageszeitung ÖSTERREICH tätig.

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