Kliener Wochenrückblick, 30.09.2011
Nicht jeder kann so glücklich tot sein wie Opossum Heidi. Wir Hinterbliebenen müssen noch allerhand ertragen: Koalitionskrise, SMS-Beschränkung und Wiener Wies'n. Eine harte Woche eben...
Es war eine harte Woche. Zum Beispiel für die Spitzen der Regierung. Die sich in Spitzen gegen die Regierung wechselseitig übertroffen haben. Niemand kann übersehen: Die Koalition befindet sich in einer Krise. Woran man das erkennt? Ihr Arbeitstempo hat sich verringert. Es läuft jetzt nicht mehr rund. Es geht jetzt rund. – Vor allem: Es geht nichts mehr weiter. Doch wenn, zusätzlich zum gewaltig stinkenden Sumpf, der sich auftut, das Volk erleben muss, wieviel passiert, wenn nichts geschieht – dann wird der Tag kommen, an dem sich Rot und Schwarz noch grün und blau ärgern werden. Wohl eher blau als grün.
Internetsucht. Immer mehr Jugendliche sind betroffen. Die Frage ist: Wo endet die Begeisterung? Und wo beginnt die Sucht? Bin ich internetsüchtig, nur weil ich nach einer Stunde ohne neues Mail den Internet-Provider kontaktiere und Mailserver-Probleme melde? Bin ich internetsüchtig, wenn ich mich wundere, dass ein Freund zum Geburtstag anruft – anstatt die Glückwünsche zu posten? Und bin ich süchtig, wenn ich das aktuelle Wetter im Internet ablese – statt über einen Blick durchs Fenster?
In Indien gibt es ähnliche Phänomene – mit den Mobiltelefonen. Zu viele SMS, die da geschrieben werden. Drum wird jetzt ein Gesetz eingeführt, nach dem nur mehr hundert SMS pro Tag erlaubt sind. Da fragen sich natürlich viele Jugendliche: Was tun nach ein Uhr Nachmittag?
In Wien findet gerade die “Wiener Wiesn” statt. Zum ersten Mal. Man möchte nach Façon der Münchner selig werden. Denn wie heißt’s dort, wenn eine ganze Stadt auf einen Schlag ihre Probleme loswird? “Ozapft is.” Bleibt abzuwarten, ob sich die Philosophie des Oktoberfestes auch bei uns durchsetzen wird. Die lautet: Wiesn ist Macht.
Und leider: Das Star-Opossum Heidi ist tot. Falls Sie es nicht gewußt haben: Heidi hat drei Jahre lang mit ihrem Silberblick (ein angeborener Augenfehler) im Leipziger Zoo die Menschen begeistert. Was kann der ORF von Heidi lernen? Dass es ein böses Ende nehmen wird, wenn man zu sehr nach dem Publikum schielt!
P.S. Einen wunderbaren Nachruf inklusive Bilderstrecke finden Sie übrigens hier!


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