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Forcher

Da schau her: Ein Penis

Im Leben jedes Mannes kommt irgendwann der Zeitpunkt, da er erstmals seiner Männlichkeit gewahr wird. Dann ist es höchste Zeit zum Handeln. Oder zum Handanlegen.

Wir begegnen diesmal jenem Mann, der mit einem Song über die Tätigkeit des Masturbierens seine einzige Nr.1 eingefahren hat, was ihm finanziell durchaus gelegen kam, da er seine – bis dahin – größte Erfindung, den sogenannten Entengang, weder patentieren noch in größerem Ausmaß zu Geld machen konnte. Chuck Berry legte gleich von Anbeginn seiner Karriere großen Wert darauf, seine finanziellen Angelegenheiten höchstpersönlich zu regeln. So trat er z.B. niemals vor sein Publikum, ohne vorher die Gage einzusacken.

Eines schönen Abends ging Berry von der Bühne und war trotz anhaltenden Applauses nicht mehr dazu zu bewegen, noch ein paar Songs draufzulegen. Sein Weg führte ihn von der Bühne direkt ins Büro des Club-Besitzers, der mittlerweile natürlich mitbekommen hatte, dass die Begeisterung des Publikums bald in Frust & Wut umschlagen würde, sollte Berry dem lautstarken Wunsch nach einem Da Capo nicht nachkommen.

So war es ein Leichtes, dem Veranstalter noch einmal ein paar zusätzliche Hunderter für die nächste Zugabe herauszureißen. Dieser wiederum gab vor, keinen Scheck mehr bei der Hand zu haben und bot Mr. Berry an, das Geld in bar auszubezahlen.

Womit allerdings nicht zu rechnen war: der Clubbesitzer übergab ihm den gesamten Betrag in Form von Viertel-Dollar Münzen. Berry raffte das Kleingeld ohne zu zögern zusammen, stopfte sich damit sämtliche Jacken- und Hosentaschen voll und verschwand mit einem dicken Grinsen Richtung Bühne. Dort zog ihn alsbald das Gewicht der vielen Münzen immer tiefer nach unten, sodass er nicht anders konnte, als in die Knie zu gehen. Er musste die Show in dieser lächerlich gekrümmten Haltung zu Ende spielen. Das war letztendlich die Geburtsstunde seines berühmten „Duck Walk“. So die Legende. Gerüchten zufolge könnte an seiner gebückten Haltung allerdings auch sein – angeblich – überdurchschnittlich dimensioniertes „Ding-A-Ling“ mitschuld gewesen sein.

Dass ihm dann ausgerechnet sein Lieblingskörperteil – spät aber doch – zu seinem einzigen Nr.1-Hit verhelfen sollte, war tatsächlich mehr Kalkül denn Zufall. Er wusste ganz genau, wie man ein derart schlüpfriges Thema (Onanie) in trockene Tücher bringt, ohne dass dabei den Moralwächtern gleich die Zensurschere in der Hosentasche aufgegangen ist.

Jeder ahnte zwar auf Anhieb, dass er über seinen Penis sang, und darüber, wie gerne er damit herumspielt… aber unterm Strich sang er letztendlich über ein kleines, lustiges Spielzeug, das er als Bub von seiner Oma geschenkt bekommen hat: ein Bändchen mit zwei Glocken dran. Dieses „Ding-A-Ling“ macht auf seinem Bankkonto bis heute noch reichlich „Klingelingeling“.

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Monday, 21.05.2012, 17:04 Uhr

Autorenprofil Eberhard Forcher

Eberhard Forcher
Musiker, DJ, Radiolegende - und jüngste Erweiterung der WIENER Kolumnistenriege. Anhören: "Solid Gold" (Ö3, Sonntag, 19.00-22.00 Uhr) und "Forcher`s Friday Music Club"(Ö3, Freitag, 22.00 -0.00 Uhr).

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