Ausstellung: 9/11 Emotional Healing
Einzelschicksal statt Statistk: Die Galerie Hartinger präsentiert Monika Schracks fotografierte Erinnerungen an das Trauma 9/11
Die Fotokünstlerin Monika Schrack ist eine Reisende, die zwischen ihren verschiedenen Lebensmittelpunkten, New York, Wien und Tirol unterwegs ist. Der jeweilige Rhythmus der Städte könnte dabei nicht gegensätzlicher sein. Ihre Fotoarbeiten setzt sie in einer bewussten Gratwanderung zwischen Dokumentation und autonomer künstlerischer Fotografie um, ohne jedoch dem Genre einer inszenierten Fotografie verpflichtet zu sein.
Monika Schrack beobachtet ihr Umfeld und hält besondere Augenblicke in ihren Fotoarbeiten fest. Sie verweigern sich der Lesbarkeit eines schnellen Schnappschusses und erzählen poetische Geschichten, die uns einen kurzen Einblick in ein anderes Leben gewähren. Es sind nicht die heroischen Selbstdarstellungen oder das repräsentative Porträt das Monika Schrack uns zeigt, sondern vielmehr versucht sie hinter die vordergründig sichtbare und ablesbare Wahrnehmung der Realität zu blicken.
Emotionaler Ausnahmezustand
Die Galerie G. Hartinger präsentiert nun eine Werkserie von Monika Schrack die aus dem unmittelbaren Erlebnis der Ereignisse von 11. September 2001 hervorgegangen ist, die Monika Schrack als Augenzeugin miterlebte. Die Fotoserie, die sie nun zeigt, entstand kurz nach den Ereignissen und hält auch den emotionalen Ausnahmezustand dieser Stadt fest: „Die Menschen fühlten sich einander verbunden, sie haben sich auf einmal füreinander interessiert. Meine Bilder halten diesen äußerst emotionellen Zustand, der in diesen Wochen herrschte fest, als ein seltenes Bild einer Stadt, die sich sonst nicht viele Gefühle erlaubt.“
Mit der Ausstellung geht es der Künstlerin vor allem darum, zehn Jahre nach 9/11 ein anderes Bild von den Ereignissen zu vermitteln. Doch ist dies überhaupt möglich? Die Ausstellung setzt an dieser Schnittstelle an zwischen dem was die Künstlerin uns in ihrer Werkserie zeigt und der Frage ob die Kunst mit den Bildern und Assoziationen zu 9/11 überhaupt arbeiten kann. Wurde nicht jeder Nebenschauplatz, jedes Detail bereits thematisiert? Vor allem dann wenn wie im Fall der Arbeiten von Monika Schrack zum Teil vorgefundenes Material benützt wird. „Sie nutzen die Schubkraft des Materials, doch viele Künstler scheuen sich auch davor weil sofort klar wird, dass die emotionale Kraft nicht vom Künstler kommt.” schrieb die Zeit vor einigen Jahren.
Gratwanderung 9/11
Die Form, wie Kunst mit den Ereignissen umgehen kann ist ,vor allem auch eine Sache der Distanz und eine prekäre Gratwanderung. Der 11. September 2001 wurde von Tausenden Videokameras in Manhattan festgehalten und in der Folge medial verwertet. Niemals zuvor wurde eine Zerstörung weltweit in Echtzeit übertragen und als Spektakel für die Weltmedien inszeniert. Ein Bild, das bis heute in seiner visuellen Präsenz nicht übertroffen wurde. Wenn Künstler wie Karlheinz Stockhausen oder später auch Damien Hirst die oft kritisierte Aussage getätigt haben, „das Ereignis selbst sei Kunst gewesen“ so thematisieren sie vor allem die Ohnmacht der zeitgenössischen Kunst, dieser Emotionalität bzw. der Aussagekraft dieser Bilder noch etwas hinzuzufügen.
So ist es nicht verwunderlich, dass viele Künstler sich weigern, in den Ereignissen von 9/11 eine Herausforderung für die Kunst zu sehen. Der Konzeptkünstler Laurence Weiner etwa sieht auf der einen Seite einen Terrorakt, der tausende Menschenleben forderte, und auf der anderen die Kunst, die darauf nicht reagieren kann oder muss. Eine solche Haltung hat ihre Berechtigung. Doch die Heftigkeit, mit der das Ereignis 9/11 in unsere Realität eingebrochen ist, lässt einen Rückzug in die „art pour l’art“ nicht wirklich zu.
Auch zehn Jahre danach schwanken wir zwischen einem Gefühl des visuellen Overkills und der Tatsache, dass die Bilder der zusammenbrechenden Twin Towers immer noch eine enorme Wirkungsmacht haben. Bilder, die von einem terroristischen Akt ausgelöst wurden. Ihre Verbreitung war ein medialer Selbstläufer mit nie da gewesener Durchschlagskraft.
Fotografie als Trauma-Tagebuch
Monika Schracks Bildserie stellt einen Versuch dar, einen anderen Blickwinkel in den Mittelpunkt zu stellen. Gemäß dem Satz, dass die Geschichte, so sie nur in Zahlen dargestellt wird, letztlich zu einer reinen Statistik wird und erst das Einzelschicksal die Tragweite der Ereignisse, die Einschnitte in die jeweiligen Biographien, auch in jene der Hinterbliebenen auf tragische Weise sichtbar macht. Die Künstlerin hat die persönlichen Erinnerungen, die Angehörige und Freunde der Opfer an die Absperrung gehängt und gepostet haben fotografiert: Kerzen und Fotos, persönliche Gegenstände sowie gemalte Plakate und Briefe. Aneinandergereiht werden sie, paradoxerweise auch zu einem bunten, fröhlichen Band das erst auf einem zweiten Blick den tatsächlichen Kontext erschließt.
So übermittelt Monika Schrack Erinnerungsbilder, die im Betrachter Assoziationen evozieren und kurze Einblicke in die tatsächliche Alltagsrealität geben, die nicht mit der medialen Bildwelt von 9/11 gemeinsam haben. Die Fotografie wird zum Tagebuch der Erinnerungen von Menschen die um ihre Angehörigen trauern. Monika Schrack nennt ihre Bildserie „9/11 Emotional Healing“. Doch zeigen diese Bilder, dass weder eine Wiedergutmachung noch eine Heilung persönlicher Verluste möglich ist. „kill the will to kill“ steht auf einem der Bilder, gemessen an den jüngsten Ereignissen ist dem nichts mehr hinzuzufügen…
Monika Schrack: 9/11 Emotional Healing
- Wo? Galerie G. Hartinger Fine Arts, Seilergasse 9 Top 4, 1010 Wien
- Wann? 9. bis 19.September










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