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Kolumnen

Fremdgehen – aber wie?

Man könnt’ schon neidig werden: Unsere Sex-Expertin feiert sogar ihren Geburtstag im Puff. Was sie dann aber wiederum dazu bringt, übers Betrügen zu sinnieren. Eine (fast) moralische Kolumne.

Irgendwie komme ich zur Zeit gar nicht mehr aus dem Puff raus. Erst gestern saß ich mit Christian Ludwig Attersee im berühmt–berüchtigten „Babylon“ und versuchte mich an einer allgemein gültigen Definition von Perversion. Eben was man mit einem 71-Jährigen so macht, wenn man unter dem Deckmantel eines Interviews schweinigeln möchte. Und in ein paar Tagen geht’s wieder in ein Lusthaus, in den „Funpalast“ nämlich. Dort plaudere ich mit ebenfalls Prominenten über ihr Geschlechtsleben, und zwar live, fürs Radio. Ich amüsiere mich quasi beruflich.

Ich habe sogar meinen Geburtstag im Puff gefeiert, was bedeutet, dass sich eine Gruppe Halbwahnsinniger nach der letzten Sendeminute die Kleider vom Leib riss und in den Pool stürzte, bis uns der vor lauter Muskeln fast quadratische Aufpasser nahe legte, das allgemeine Remmidemmi ins Private zu verlegen. Vielleicht war er auch bloß verstört, weil wir – obwohl volltrunken und nackt – nichts anderes im Sinne hatten als eine Partie Wasserball zu spielen, bis auf ein paar Frischverliebte, die sich am Beckenrand ausgriffen und den Nutten mit ihrem Liebesgedusel das Geschäft ruinierten.

Trotzdem muss ich eingestehen, dass ich bei meinem Daueraufenthalt im Gewerbe nüchtern betrachtet (was es generell zu vermeiden gilt) manchmal auch das bekomme, was der Amerikaner einen „Reality Check“ nennt. Die ganzen netten Herren im Maßanzug (Babylon) oder mit den Handtüchern um die Hüften (Funpalast) bescheißen zu 99 Prozent gerade ihre Frauen und das vor meinen Augen. Nun sollte ich als Sex-Kolumnistin prinzipiell für alles offen sein und wenn’s nach ein paar Facebook-Anfragen geht, auch dauerbrünft ig, aber Betrug finde ich irgendwie doof. Entweder man ist single und vögelt rum oder man ist liiert und treu. Wozu sollte man sich denn binden, wenn man sich gar nicht binden möchte.

Bevor Sie den WIENER jetzt zur Seite legen: Ich weiß, ich weiß, mit solchen Bonmots kann ich vielleicht meine frischbetrogenen Freundinnen trösten, mit der Wirklichkeit hat Treue aber wenig zu tun. Werde ich also tatsächlich mal fremdgehen? Und wenn ja, warum? Abwechslung oder Alkohomissbrauch? Selbstbestätigung oder Sexsucht? Und mit wem? Ex-Freund oder Zufallsbekanntschaft? Und wo, bitte schön? In Wien bin ich stadtbekannt und im Urlaub habe ich sogar selten gevögelt als ich noch single war, weil’s mir einfach o zu billig war. Und hierzulande müsste ich schon einen wasserfesten Plan entwickeln: Ich bin nämlich aus Überzeugung paranoid.

Summa summarum: Klingt ganz schön anstrengend, so ein Betrug. Und dann gibt es nicht mal eine Garantie, dass sich der ganze Gewaltakt auszahlt. Schlechten Sex kann ich auch zuhause haben (nur ein Witz, Schatz). Dann gäbe es noch die Möglichkeit, sich einen Callboy kommen zu lassen, aber die heißen oft Kevin oder Horst und sehen auch so aus. Werde ich also betrügen? Ich weiß es nicht. Nur eines weiß ich sicher: Wenn, werde ich sicher nichts darüber schreiben.

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Monday, 21.05.2012, 16:33 Uhr

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Pandora
Janina Lebiszczcak ist Society-Redakteurin der Zeitschrift News. Für den WIENER schreibt sie unter dem Pseudonym Pandora Reithermann seit vielen Jahren ihre Kolumne »Pandoras Box«. Prädikat: Nicht jugendfrei.

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