Des Kaisers Bart
Schimanski-Schnauzer oder zeitgeistiger "Goatie"? Sex-Bloggerin Caroline Klima über die Erotik des Bartes.
Nirgendwo können Männer ihre Männlichkeit augenfälliger zum Ausdruck bringen als bei der Wahl der Barttracht. Schließlich können nur sehr wenige Frauen beim Thema Gesichtsbehaarung kompetent mitreden.
Der Rest der holden Weiblichkeit kann nur hoffen, dass sie einmal einen Lover abbekommt, der sie in den kratzigen Genuss bringt. Denn auch wenn die einschlägigen Herrenmagazine in konsequenter Ignoranz stets so tun, als hätten die Themen „Bärte“ und „Erotik“ äußerst wenig miteinander zu tun, ist das Gegenteil wahr: den wenigsten Frauen ist eine männliche Matte im Gesicht egal, und die meisten registrieren ganz genau, auf welch erotische Vorlieben das Bartstyling schließen lässt.
Der Schnurrbartträger vom Typ „Schimanski“ bis „Mundl“ beherrscht das spielerisch-kitzelnde Liebesgeplänkel, weil er die Bettgefährtin nahezu punktgenau an auserwählten Stellen reizen kann. Für diese spezifische Stimulation durch Aufbringung seiner Rotzbremse würde manche Frau alles geben – einschließlich des eigenen Ehemanns.
Die Freundin des coolen Inhabers eines Dreitagebartes erkennt man an den hartnäckigen Rötungen am Hals, kleinen Schürfwunden um die Kinnlinie und aufgesprungenen Lippenrändern. Dies ist der Preis, den sie für das nächtliche Kratzen auch an anderen Stellen zu zahlen hat – das die Gänsehaut in den Dauerrekord und ihre Sinne in den orgiastischen Wahnsinn getrieben hat.
Die libidinösen Sehnsüchte von Vollbartträgern beschränken sich mitnichten auf Himalaya oder Ozean, auch wenn ihr Äußeres an Kapitän Nemo oder Reinhold Yeti erinnern mag. Vollbärte vereinen vielmehr die anschmiegsame Haarlänge des Schnurrbarts mit der Flächendeckung des Dreitagebarts zu einer Verheißung sinnlicher Wonnen – ein kribbelndes Signal, das nur wenige Frau missverstehen.
Noch nicht näher erforscht wurden Mischvarianten wie Ziegenbärtchen oder kinnlange Koteletten sowie die Frage, ob die Träger hauchdünner Designerschnüre tatsächlich so streng sind wie ihre Gesichtsfrisur. Jedenfalls ist es wirklich schade, dass der Bart im Big Business oft noch als unpassend gilt. Aber wie dem auch sei, auch ein nacktes Gesicht hat seine Vorteile, insbesondere, wenn es frisch rasiert ist. Glatt und kühl wie das nasse Fell einer Robbe haben die Kiefer eines Romeo schon manche Julia in feuchte Verzückung versetzt.
Nichts ist zarter Damenhaut an Backen und Schenkeln jedenfalls abträglicher als eine Männerwange, deren Rasur mehr als 12 und weniger als 72 Stunden zurückliegt. Ohne mich jetzt ernsthaft in den Streit zwischen Nass- und Trockenrasierern einmischen zu wollen – als Frau bin ich, wenn schon, dann natürlich für nass, ist ja auch viel glatter, aber als Mann würde ich nie verstehen, warum sich irgendwer die Mühen einer Nassrasur antut, wenn es doch elektrische Rasierapparate und so gut wie keine Barbiere mehr gibt …
P.S. Eine umfassende Galerie prominenter Bärte finden Sie hier: typischich.at – Haarige Angelegenheit


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