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Bühne

Wie lacht Dr. Hades?

Wer die 12.200 Hexameterverse der Odyssee nicht gescha t hat, hat jetzt die Chance, seine humanistische Bildung aufzufrischen – in einer amüsanten „Abkürzung“. Der WIENER war schon unterwegs.

Martina Ambach sitzt auf der Bühne des Stadttheater Berndorf, lässt die Beine baumeln und lutscht an einem Lolly, ganz wie im Stück vorgeschrieben. Lolly ist aber nicht Lolly, und längst nicht alle sind für die Bühne geeignet: „Wir brauchen welche, wo sich die Kugel nicht vom Staberl löst“, sagt sie. Und meint das ganz ernst.

Ambach ist bereits ein Drittel der Gesamt-Besetzung des Mraz’schen Erstlings „Die Odyssee – eine Abkürzung“, der im Juli und August am Stadttheater Berndorf zu sehen ist. Für Regisseur Thomas Mraz, der die 12.200 Hexameterverse auf amüsante 90 Seiten gekürzt hat, schon vor der Premiere ein Erfolg. Eine weitere Frage, die das Schauspieler-Trio, das vereint 17 höchst unterschiedliche Rollen bewältigen muss, noch bewegt: „Wie lacht Dr. Hades?“

WIENER:  Auf deiner Homepage schreibst du, dass „die Odyssee – Eine Abkürzung“ sehr wichtig für dich ist. Warum?

Mraz: Weil es das erste Stück ist, das ich selber geschrieben habe.

Wer hatte die Idee?

Ich.

Und warum gerade die Odyssee?

Ich hatte immer schon den Wunsch, ein Stück zu schreiben, wo drei Leute mehrere Rollen spielen. Und dann habe ich mir gedacht, dass die Odyssee eine gute Geschichte wäre, weil sie sehr bunt ist, weil viel passiert.

Das Stück ist am Stadttheater Berndorf unter der Intendanz von Michael Niavarani zu sehen. Siehst du dich als seinen Protégé?

In gewisser Weise schon. Wir verstehen einander gut. Er hat mir die Möglichkeit gegeben, dieses Stück umzusetzen. Er mag mich, und er glaubt an mich.

„Die Odyssee – eine Abkürzung“ ist eine Komödie. Woher weißt du, dass das Stück lustig ist?

Das weiß ich nicht. Aber es enthält viele Sachen, die ich lustig  nde. Doch der Zweifel ist immer präsent.

Wie lange hast du am Buch geschrieben?

Begonnen habe ich im Herbst des Vorjahres, im Mai war ich fertig.

Ihr probt seit Wochen, kannst du das Stück mittlerweile auswendig?

Fast, das nervt auch, vor allem, weil ich viele Sachen weiß, die bereits gestrichen wurden. Das nervt doppelt.

Euer Bühnenbild ist für ein Sommertheater recht ungewöhnlich.

Das war ein sehr langwieriger Prozess. Wie die Schauspieler spielt es auch mehrere Rollen. Es dient als Olymp, als Hades, als Schi – und wenn man eine Klappe aufmacht, sitzt man plötzlich im trojanischen Pferd. Auffälligster Teil ist aber ein rotes Telefon. Über das rote Telefon kann man mit den Geistern in der Unterwelt reden. Wir spielen ja auch mit diesen Anachronismen. Bei uns sind die Helden richtige Klassiker, während die Götter zeitlos sind. Die Hera (Zeus’ Frau, Anm.) schimpft zum Beispiel darüber, dass zuviel Geld ausgegeben wird und sagt: „Wir brauchen ein Sparpaket.“

Das “Desaster-Dinner”, sozusagen das Hauptstück, in dem du auch mitspielst, ist bereits seit Wochen ausverkauft. Wann würdest du sagen, dass dein Stück ein Erfolg ist?

Für mich ist es schon Erfolg, dass ich die Odyssee überhaupt machen kann. Dass der Rahmen unglaublich toll ist, dass es nicht in einem Kellertheater uraufgeführt wird, sondern unter eigentlich richtig luxuriösen Rahmenbedingungen. Alles, was jetzt noch dazu kommt, ist schon ein Glück.

In einer der Proben habt ihr lange überlegt, wie Dr. Hades lacht. Wisst ihr das mittlerweile?

Das wissen wir noch immer nicht, aber wir sind schon einen Schritt weiter.

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