WIENER
Bühne

Niemals hitzefrei

200.000 Zuschauer zählt das Theaterfest Niederösterreich jährlich. TV-Promis wie Michael Niavarani und Gregor Bloéb stellen sich auf die Sommerbühnen – und dahinter als Intendanten. Theater bei größter Hitze: Was macht es für Akteure und Publikum so cool? Der WIENER hat sich bei einigen Machern umgehört.

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Die drei wichtigsten Gründe fürs Sommertheaterspielen? „Sommer,  Theater und Spielen“, sagt Gregor Bloéb, Schauspieler und Intendant des  Theatersommers Haag wie aus der Pistole geschossen. Aber so einfach ist das auch wieder nicht. Schließlich sind viele Schauspieler zehn Monate im Jahr in festen Ensembles beschäftigt: Sie proben und spielen rund um die Uhr und verdienen genug, um in den Sommermonaten Energie tanken zu können. Warum tun sich dennoch so viele Publikumslieblinge das an: wochenlanges Exil auf dem Land, spritzer-seliges Sommerfrischepublikum und suboptimale Akustik auf Dorfplätzen und in Steinbrüchen bei jeder Witterung? Glamour gibt es gerade mal bei den Salzburger Festspielen. Kohle? Viel weniger als in TV oder Burgtheater. Was kann es also sein?

1. Freunde

Wer fix in einem Ensemble spielt, muss sich oft mit Kollegen herumschlagen, die er am liebsten … nun ja, die er sich halt nicht ausgesucht hat. Im Sommertheater hingegen, so Gregor Bloéb, gilt das Prinzip: „Keine Idioten! Wir können zwar nicht Gagen zahlen wie Salzburg, aber wir bieten eine familienfreundliche Atmosphäre. Ich engagiere schon zwei, drei Jahre im Voraus, so bin ich sicher, dass auf der Bühne lauter Amigos zusammenkommen.“ Auch der Obmann des Theaterfest-Vereins, Werner Auer, hat Spaß im amikalen Ambiente: „Keiner hat Allüren, alle ziehen an einem Strang. Drum ist auch wichtig, dass ich mich selbst besetze: Wenn bei Wind und Wetter der Kapitän durchhält, muckt auch das Ensemble nicht.“

2. Urlaub

„In die Karibik fährt man eh am Besten im Jänner“, meint Michael Niavarani, der heuer erstmals als Sommertheaterintendant tätig und in Berndorf auch selbst in der Komödie „Das perfekte Disaster-Dinner“ zu sehen ist. Und so sehr alle betonen, wie viel harte Arbeit hinter dem Theatersommer steckt – sobald das Stück mal geprobt ist, hat man „Ferien auf dem Bauernhof “, wie Gregor Bloéb assoziiert. Tagsüber in der Schwarza (Reichenau), im Herrensee (Litschau) oder im Freibad planschen, abends kurz Kultur und/oder Unterhaltung bieten und sich feiern lassen. Da ist man fast so nah am bezahlten Urlaub wie Kreuzfahrtmusikanten und wird weniger seekrank. Einen wesentlichen Faktor bringt Wolfgang Böck (Kobersdorf) aufs Tapet: „Das Publikum ist entspannter, was sich unter Umständen auch aufs Flirtverhalten auswirkt.”

3. Traumrolle

„2009 habe ich mir selbst ein Geschenk gemacht und den Zettel im ,Sommernachtstraum‘ gespielt“, gesteht Alexander Waechter, Intendant der Shakespeare-Festspiele auf der Rosenburg. Heuer beschenkt er seinen Kollegen, den nigerianisch-stämmigen Nikolaus Okonkwo mit dessen erstem Othello. „In Wien läuft gerade ein Othello mit schwarz angemaltem weißem Hauptdarsteller. Das gefällt mir nicht.” Ein bisschen machen können, was man will, und Rollen spielen, für die man in Wien umsonst kämpft, das ist für viele Schauspieler ein Anreiz, die Mühen der Sommerintendanz auf sich zu nehmen. Manche Chefs wiederum sind bewusst keine Rampensäue: Wolfgang Böck etwa genügt in Molières „Eingebildetem Kranken“ eine Nebenrolle als Arzt.

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THEATERFEST NIEDERÖSTERREICH: So viel Theater erfordert Organisation. 23 Spielorte von Litschau im Norden bis zum Thalhof Reichenau im Süden treten als Verein „Theaterfest Niederösterreich“ gemeinsam auf. Obmann ist Werner Auer. Erstmals gibt es heuer eine Hotline, bei der man Karten für alle 23 Theater bestellen kann: 01/960 96–111. Website: www.theaterfest-noe.at
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Monday, 21.05.2012, 16:14 Uhr

Autorenprofil Martin Thomas Pesl

Martin Thomas Pesl
Martin Thomas Pesl, geboren 1983 in Wien, arbeitet von ebenda aus als Sprecher, Übersetzer für Deutsch, Englisch und Ungarisch, sowie seit 2008 als Autor für den WIENER.

» Alle Beiträge von Martin Thomas Pesl » Private Webseite

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