Hörgenuss
Die richtigen Klänge bringen alle Sinne zum Schwingen.
Tam tatatatam tatatatam tamtam… So oder so ähnlich geht der Rhythmus des Bolero, nach dem Bo Derek in dem Film Die Traumfrau so trefflich lieben kann. Man mag von dem Streifen halten, was man will, die Grundidee, die dahinter steckt, ist eine sehr richtige: Musik törnt an.
Wir alle kennen den aufheizenden Effekt von Discos und wilden Partys, und der hat nicht nur mit feschen Menschen, lasziven Beckenbewegungen beim Tanzen oder grellen Lichtspielen zu tun, sondern sehr viel mit dem hämmernden Beat, der die Bauchdecke vibrieren lässt, und dem Klangteppich, der an die Trommelfelle dröhnt.
Unsere Ohren werden als erotische Sinnesorgane oft sträflich vernachlässigt. Dabei reagiert das Ohr auf Reize sieben Mal schneller als das Auge, denn der Hörsinn hat (ebenso wie der Geruchssinn) eine direkte Verbindung zum Gefühlszentrum. Heiße Botschaften fahren ohne Umweg über das Denken emotional ein und regen den Rest des Körpers gehörig an. Deshalb wäre es doch nur allzu schade, wenn wir dieses wunderbare Aphrodisiakum nicht nützen würden!
Als Hintergrundmusik für ein Liebesgeplänkel eignet sich alles, was den Beteiligten gefällt. Es muss nicht unbedingt Kuschelsound sein; wenn es beide antörnt, dürfen ruhig auch mal Marilyn Manson oder Guns ’n Roses akustisch zu Gast sein. Ebenso anregen kann Fernöstliches (z. Bsp. Buddha Bar), guter alter Pop (z. Bsp. Madonnas Bedtime Stories) oder Klassik (z. Bsp. besagter Bolero von Ravel oder Aus der Neuen Welt von Dvorak).
Natürlich hängt die Wahl der Musik stark von der Art der geplanten sexuellen Aktivitäten ab: Ein romantisches Liebesspiel kann sich zum Beispiel gut zu Smetanas Moldau entwickeln, die als zartes Bächlein musikalisch plätschernd beginnt und sich bis zum gigantischen Strom steigert, der sich in den Ozean ergießt. ;-) Sadomasochisten lieben wahrscheinlich eher titanischere Klänge wie die Carmina Burana (Titelmusik zu Das Omen), die dem Sklaven schon vor jeder dominanten Manipulation die Gänsehaut über den Rücken laufen lässt.
Es lohnt sich durchaus, mit verschiedenen Stilrichtungen zu experimentieren, mal instrumentale Stücke wirken zu lassen, mal Songs mit Texten zu testen, von denen man sich gegebenenfalls inspirieren lassen kann. Man kann den Sound aufgreifen und sich im Rhythmus bewegen, die Lautstärke voll aufdrehen (Achtung wegen der Nachbarn!) oder an den unteren Rand der Hörschwelle zurückdrehen und nur noch die Bässe ins Bewusstsein dringen lassen.
Höhepunkt der ohralen Lustbarkeiten sind süße Sachen, die man dem/der Liebsten während des Vergnügens zuflüstert, wohldosiert und wohlgewählt natürlich. Denn unser Ohr ist ein Sensibelchen, das Misstöne ebenso rasch weiterleitet wie Wohlklänge. Solch leise Liebesbotschaften wirken übrigens besonders nachhaltig, wenn man sie ihm/ihr schon vor dem erotischen Infight auf Partys, im Restaurant oder per Telefon zukommen lässt; sie erhalten durch den halböffentlichen Charakter eine pikante Note…
Eine außergewöhnliche Variante der Hörotik ist lautloser Sex: Versucht mal, bei der wichtigsten Nebensache der Welt keinen Mucks von Euch zu geben, kein Wort, kein Grunzen, kein Stöhnen! Kann ziemlich wahnsinnig machen…








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