Hippie der Kokosnuss
In „Das Paradies des August Engelhardt“ erzählt Marc Buhl die Geschichte des sonnenhungrigen Aussteigers neu – und nimmt sich dabei viele Freiheiten. Denn das Paradies war die Hölle.
August Engelhardt ist ein seltsamer Mann. Er hat sich auf einer Südseeinsel niedergelassen, ernährt sich von Kokosnüssen und lebt in einem Haus aus Büchern. „Er hatte den Irrsinn des Wintermenschentums endlich überwunden und würde dank der Bücher die Weisheit des Sonnenmenschen entwickeln“, schreibt Marc Buhl.
Selbst die Eingeborenen, die von einer benachbarten Insel auf Engelhardts Eiland kommen, staunen über den dürren Weißen. Er ängstigt sie: „Die Hexen der Bücher schützen den Weißen, keiner der Ahnen wagt sich hierher, die Bücher verschlingen sie sonst, und sie kehren nur als Buchstaben wieder zurück …“
Für den echten Engelhardt ist die buchstabenmäßige Rückkehr ein echter Segen. Denn tatsächlich lässt uns das, was wir über den Sektengründer (kam 1902 in Deutsch-Neuguinea an) wissen, staunen: Er erfand u.a. den Kokovorismus, mit der spektakulären Kernaussage, dass der Verzehr von Kokosnüssen den Menschen in einen gottähnlichen Zustand der Unsterblichkeit führen würde. Bis zu 30 Menschen glaubten an seine Botschaft, verließen Engelhardt aber sehr bald wieder. Oder starben überraschend…
Warum sich die Lektüre wirklich lohnt
„Das Paradies des August Engelhardt“ ist ein Buch, das einem faszinierenden Rhythmus folgt, einem sanften Auf und Ab, ähnlich dem Wellenschlag an einem windstillen Tag am Meer. Und es entwickelt einen Sog, dem wir uns nicht entziehen können, besser: nicht entziehen wollen.
Marc Buhl: Das Paradies des August Engelhardt. Roman, 240 Seiten, Eichborn. Euro 19,50. ISBN 978-3-8218-6148-7

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