Für immer und ewig
Der Sommer zeigt Haut. Und enthüllt dabei nicht nur knackige Oberarme, sondern auch die dort aufgebrachten Kunstwerke.
Nach wie vor lässt sich die Männerwelt am liebsten Bizeps, Unterarm und Schulterblatt tätowieren. Bei den Damen sind derzeit Busenansatz, Leistengegend und Knöchel beliebt (das „Arschgeweih“ ist definitiv out). „Normal“ ist fast schon jede Stelle, die man zur Not auch irgendwie wieder verdecken kann. Nur das Gesicht bleibt nach wie vor den echten Freaks vorbehalten.
Doch Meerjungfrau, Anker und vollbusige Schöne – in den 70ern beliebteste Motive des „Peckerls“ – haben längst ausgedient. In sind so genannte Tribals (Ornamente) und Reifen um den Oberarm in diversen Variationen, wobei alles, was in der glitzernden Welt der Filmstars zu sehen ist, neue Trends setzt (etwa Pamela Andersons Stacheldraht). Nachdem George Clooney in „From Dusk Till Dawn“ einen Tribal vom Ellbogen bis zum Hals zeigte, häuften sich die Anfragen in den einschlägigen Studios. Doch von zehn Anrufern lassen sich vielleicht zwei das Motiv auch applizieren, natürlich meist nur in miniaturisierter Form.
Auch vom eintönigen Blau der Häfenära haben sich die Tattoos mittlerweile gelöst – heute locken die Schmetterlinge in den Leisten, die Teuferln am Popo und die Snoopys am Brustansatz in schillernden Regenbogenfarben. Mit speziellen UV-aktiven Substanzen – mit fraglichen Auswirkungen auf die Gesundheit – beleuchten sie sogar in der Disco die wesentlichen Punkte. An die dubiosen Zeiten, in denen Tattoos vor allem Outlaws kennzeichneten, erinnen nur mehr vereinzelte Verbotsschilder, die „Tätowierten“ zum Beispiel den Zutritt zu manchen Swingerclubs verwehren.
Männlichkeitsbeweis, Individualitätsdrang, Körperkult? Fast alles kann zum Tattoo verleiten. Immer individueller, immer extravaganter, immer künstlerischer werden die Ansprüche der Kunden: Zeig mir dein Tattoo und ich sage dir, wer du bist. So ließ sich ein amerikanischer Echsenfreak die gesamte Körperoberfläche mit Reptilienhaut überziehen. Aber auch in unseren Breiten gibt es nicht wenige, die so auf das schmerzhafte Stechen abfahren, dass sie bald schon nach Hautstellen suchen müssen, die sie sich noch tätowieren lassen könnten. Denn nach den ersten fünf Minuten fällst du in den Schmerz hinein, dann hat der Körper genug Endorphine (körpereigene morphiumähnliche Substanzen) ausgeschüttet, um dich in einen seligen Trancezustand zu versetzen.
Gewarnt sei übrigens vor der „Zaubertinte“, die angeblich nach wenigen Jahren verblasst, weil sie „Biofarben“ enthält. Ötzis steinzeitliche Tattoos – sicherlich ohne chemische Zusätze aufgebracht – sind auch nach 5000 Jahren noch außerordentlich leuchtkräftig.
Den Tätowierer Deines Vertrauens findest Du nach wie vor am besten über Mundpropaganda und testmäßiges Zusehen. Den Zeitaufwand sollte es Dir schon wert sein, denn schließlich musst Du damit leben. Und zwar länger als bis dass der Tod Euch scheidet …
Dauerhaftes:
Eine umfassende Adressenliste fällt diesmal aus. (Für Sie tue ich vieles, lieber Leser, aber fünf verschiedene Tätowierer ausprobieren ist dann doch etwas zuviel verlangt…)








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